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Kulturkreis: Fünf Frauen – und ein magischer Moment

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Maren Donner, Rezitatorin Reinhild Köhncke, Mezzosopranistin Sandra Schares bei ihrem Konzert in der Goldenberger Kirche. Foto: Peter Klohs
Maren Donner, Rezitatorin Reinhild Köhncke, Mezzosopranistin Sandra Schares bei ihrem Konzert in der Goldenberger Kirche. Foto: Peter Klohs

Trio-Konzert vom Kulturkreis Lüttringhausen mit Pianistin Maren Donner, Rezitatorin Reinhild Köhncke, Mezzosopranistin Sandra Schares in der Goldenberger Kirche.

Das Komponieren war in früheren Zeiten eine Angelegenheit für die Männer. Selbst Gustav Mahler – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – sah die Kompositionen seiner Frau Alma als überflüssig und als vertane Zeit an. Wie schwer mag es Clara Schumann gehabt haben, die zwei Generationen vor Alma Mahler komponierte, unter anderem eines der schönsten Piano-Trios der Musikgeschichte. Die beiden Frauen konnten sich nicht kennen lernen. Alma Mahler wurde 1879 geboren, ein Jahr nach Clara Schumanns Tod. Beide Frauen hatten ein kämpferisches, tragisches, nur zum Teil erfülltes Leben. Ihre Suche nach Geborgenheit, nach Anerkennung, nach Verständnis bleibt letztenendes ohne Erfüllung. Dafür haben sie die Musik.

Lebensgeschichten als Konzert

Die Lebensgeschichte der beiden Komponistinnen und ein Dutzend Beispiele ihrer Kunst brachte am Nachmittag des 29. September ein weibliches Trio den Besuchern der Goldenberger Kirche nahe. Auf Einladung des Lüttringhauser Kulturkreises entwarfen Pianistin Maren Donner, Mezzosopranistin Sandra Schares sowie Rezitatorin Reinhild Köhncke in Tönen und Wort ein kenntnisreiches Bild der jeweiligen Epochen – und der zum Teil tragischen Lebensabschnitte der komponierenden Frauen.

Maren Donner, Rezitatorin Reinhild Köhncke, Mezzosopranistin Sandra Schares bei ihrem Konzert in der Goldenberger Kirche. Foto: Peter Klohs
Maren Donner, Rezitatorin Reinhild Köhncke, Mezzosopranistin Sandra Schares bei ihrem Konzert in der Goldenberger Kirche. Foto: Peter Klohs

Die Musik Alma Mahlers ist spätromantisch, mit allen elegischen Ausbrüchen dieser Zeit, eher an Johannes Brahms erinnernd als an die bombastische Musik ihres Mannes. Texte von u.a. Rilke und Heine werden vertont. Die „laue Sommernacht“ (Text von Gustav Falke) hinerließ wehmütige Zuhörer, nicht alleine wegen des hochherbstlichen Wetters vor der Kirche. Reinhild Köhncke verlas Texte, die nicht nur Almas Leben mit Gustav Mahler thematisierten, sondern auch ihre anderen berühmten Liebhaber und Ehemänner benannte (Klimt, Gropius, Werfel, Kokoschka). Sie war ein wahrlich irrlichtender Geist.

Wie anders das Leben und die Musik von Clara Schumann. Ihre Kompositionen sind angelehnt an das berühmte Werk ihres Mannes Robert. Romantische Töne erfüllten die Goldenberger Kirche (Liebeszauber, Er ist gekommen in Sturm und Regen u.a.). Wie Clara den Wahnsinn ihres Mannes – und seinen späteren Tod im Alter von nur 46 Jahren – erlebte, schilderte die in Flensburg geborene Rezitatorin anschaulich. Dass Clara Schumann eine famose Pianistin gewesen sein muss, hört man in fast jeder Komposition; das ist spieltechnisch schon sehr anspruchsvoll. Entsprechend konzentriert geht Maren Donner auch zu Werke, wenngleich niemals mit wenig Emotionen.

v.l.n.r.: Sandra Schares (Mezzosopran), Maren Donner (Piano), Reinhild Köhncke (Rezitation). Foto: privat
v.l.n.r.: Sandra Schares (Mezzosopran), Maren Donner (Piano), Reinhild Köhncke (Rezitation). Foto: privat

Und bei aller virtuosen und gefühlsbetonten Musik kam dann ein magischer Moment auf andere Weise: Sandra Schares hatte gerade mit ihrer tragenden, volltönenden Mezzosopranstimme Clara Schumanns heftige Version der „Lorelei“ (H. Heine) gesungen, aber die Pause zwischen zwei Musikstücken wird von den Kirchenglocken, die pünktlich um 19 Uhr ihren Dienst antreten, unterbrochen. Die Sängerin setzt sich, die Pianistin schweigt, die Rezitatorin ebenso. In der Kirche ist es still, als wäre niemand in ihr. Die kanpp vierzig Besucher regen sich nicht. Kein Atmen ist zu hören. Nach drei Minuten schweigen die Glocken, die Sängerin steht auf und singt „Sie liebten sich beide“, als wäre nichts gewesen, als wäre nicht für kurze Zeit ein musikalisches Vakuum entstanden, als fülle sie – die Sängerin – nicht eben mit diesem Lied die gefühlte Leere. Wie nah sie wohl Clara Schumann in diesem Moment war…?

Ein erfüllendes Konzert ging nach 75 Minuten zu Ende.

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