Johannes und Hae Min Geßner stellten in Lennep ihre neue CD vor. Foto: Peter Klohs
Johannes und Hae Min Geßner stellten in Lennep ihre neue CD vor. Foto: Peter Klohs

Musik von großer Emotionalität: CD-Vorstellung von Johannes und Hae Min Geßner in der Lenneper Stadtkirche.

Sonntagabend in der Lenneper Stadtkirche. Draußen tobt sich das Orkantief Sabine aus und hält wohl einige potentielle Besucher vom Gang durch die Lenneper Altstadt ab. Johannes und Hae Min Geßner, beide in traditionellen koreanischen Gewändern gekleidet, erwarten zu ihrem CD-Release-Konzert dennoch einige Gäste.

Dreißig werden es sein, die den von Johannes Geßner komponierten und von Hae Min gesungenen acht Liedern zuhören mögen.

Geschichte und Geschichten

Acht Lieder sang Hae Min Geßner in der Lenneper Stadtkirche. Foto: Peter Klohs
Acht Lieder sang Hae Min Geßner in der Lenneper Stadtkirche. Foto: Peter Klohs

„Korea“, so der Kreiskantor vor dem Konzert, „ist 1917 von Japan eingenommen worden. Erst zum Ende des 2. Weltkrieges wurde das Land wieder befreit. Zahlreiche koreanische Dichter haben sich mit dieser unseligen Zeit, die von der Unterdrückung des koreanischen Volkes und deren Kultur geprägt war, auseinander gesetzt und darüber geschrieben. Ich habe versucht, diese Worte mit meiner Tonsprache zu unterstützen. Natürlich möchte ich auch die Texte der koreanischen Dichter besser bekannt machen.“

In der Tat sind die Namen der Poeten in Europa weitgehend unbekannt: Shim Hun, Yun Dong-Ju oder die junge Frau Yu Gwan-Sun sind nur einige Beispiele. Besonders letztere hat einige beklemmende Zeugnisse in Worte gefasst, traurig und dennoch gefasst, mitunter hart am Rand des Erträglichen. Die Zeit unter der japanischen Herrschaft muss grausam gewesen sein.

Die Form und die Sprache der koreanischen Gedichte sind für Europäer schwer zugänglich. Johannes Geßners Kenntnisse der koreanischen Sprache haben ihm bei der Übersetzung sicher gute Dienste geleistet. Die Arbeit an den Kompositionen haben ein Jahr angedauert, aber diese Zeit war keineswegs vertan: Die Musik ist groß!

Große Musik und große Stimme

Johannes Geßner am Piano, dazu die unglaubliche Stimme von Hae Min Geßner. Foto: Peter Klohs
Johannes Geßner am Piano, dazu die unglaubliche Stimme von Hae Min Geßner. Foto: Peter Klohs

Wie die zu Grunde gelegten Worte sind die Töne tiefsinnig, melancholisch, voller tiefer Trauer um Menschen und Heimat, voller Liebe für die Heimat und Menschen, emotional, sensibel, empathisch. Die Tonsprache ist durchweg tonal. Schubladen sind für diese Musik entbehrlich, sie würden nicht passen. Kunstlieder erklingen, halb mit koreanischen Tönen duchzogen, halb europäisch, von der modernen Klassik geprägt. Hier hat der Kreiskantor ein Glockengeläut eingearbeitet, dort den Klang und den Rhythmus einer Trommel, an anderen Stellen die koreanische Nationalhymne oder ein Volkslied. Alleine die ins Deutsche übertragenden Titel der Lieder lassen zuweilen einen Schauder zurück: „Das Schweigen der Geliebten“, „Letzter Wille“ (vielleicht das bewegendste Dokument der sehr jung verstorbenen Dichterin Yu Gwan-Sun), „Die Augen schließen“. Zuletzt genanntes ist auch das letzte Lied im Zyklus und klingt wie ein Wiegenlied. Die Neo-Klassik ist nicht weit.

Einige Male zeigt Hae Min Geßner Emotionen, immerhin singt sie über schwere Zeiten in ihrem Heimatland. Foto: Peter Klohs
Einige Male zeigt Hae Min Geßner Emotionen, immerhin singt sie über schwere Zeiten in ihrem Heimatland. Foto: Peter Klohs

Hae Min Geßner hat eine unglaubliche Stimme zwischen Zärtlichkeit und unbändiger Kraft, leuchtend, stark und sensibel zur gleichen Zeit. Auch die schwierigsten Oktavsprünge meistert sie scheinbar leichterhand. Einige Male zeigt sie Emotionen, was verständlich ist, immerhin singt sie über schwere Zeiten in ihrem Heimatland.

Die Schwierigkeiten und die Möglichkeiten der Kompositionen dieser acht Lieder haben sich am besten Punkt getroffen. Große Musik für Piano und Stimme, ein Fest für jedes neugieriges Ohrenpaar.

Die CD kann man kaufen

Die CD zu dem Konzert kann für 10 Euro erworben werden. Interessierte wenden sich bitte an Johannes Geßner unter Tel. 02191 – 5 60 83 10 oder an johannes-gessner@ekir.de

Kleiner Einblick in die Musik

Nicht beim Konzert, sondern schon vorher entstanden ist dieses Video, das Johannes Geßner auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht hat.

1 KOMMENTAR

  1. […] Vor knapp neun Monaten führte das Ehepaar Geßner in der evangelischen Stadtkirche zu Lennep den von Johannes Geßner komponierten Liederzyklus „Wenn jener Tag kommt“ auf. Der ernste Hintergrund der Kompositionen war der koreanische Widerstand gegen die japanische Besetzung des Landes vor dem 2. Weltkrieg (wir berichteten: „Johannes und Hae Min Geßner stellen Liederzyklus vor„). […]