Blick von Süden auf die Elbphilharmonie in Hamburg. Foto: Peter Klohs
Blick von Süden auf die Elbphilharmonie in Hamburg. Foto: Peter Klohs

Ein Reisebericht von zwei Musikverrückten: Jörg und Peter.

Meine musikalischen Reisen mit Freund Jörg begannen vor mehr als 20 Jahren. Es bot sich einfach so an. Unser Musikgeschmack war beinahe identisch, und unsere Lust auf abenteuerliche Konzertreisen ebenso. Also fuhren wir eines lauen Sommerabends mit dem Auto nach Mailand, um dortselbst Pat Metheny zu sehen und zu hören. Damals waren wir noch ohne Navi unterwegs, nur mit Straßenkarte und Stadtplan. Und am nächsten Tag wieder zurück. Jaja, wir waren noch jung und neugierig. Am meisten beeindruckten mich damals (außer dem dreistündigen Konzert) die Haare der Mailänder Frauen. Ich hätte alle heiraten können.

Neugierig sind wir noch immer, wenn auch 20 Jahre älter. Trotzdem fahren wir diverse Male pro Jahr europaweit zu Konzerten. Ja, auch Köln oder Dortmund kommt mal vor, im letzten Jahr waren wir aber auch in Wien, Graz, Linz, Utrecht und diversen anderen niederländischen Städten unterwegs.

Kekko Fornarelli mit Trio und Streichorchester

Unterwegs. Der Trip hat begonnen. Foto: Peter Klohs
Unterwegs. Der Trip hat begonnen. Foto: Peter Klohs

Unsere Planungen, den italienischen Pianisten Kekko Fornarelli mit Trio und Streichorchester live zu sehen, passten für den 3. Oktober zu 100 Prozent. Also auf zur Elbphilharmonie nach Hamburg. Zunächst mit dem Auto zum Dortmunder Hauptbahnhof (Der Grund, warum ich diese Stadt ohne Not betrete, wird später klar). Mit dem Zug um 11.25 Uhr ab nach Hamburg. Lob an die Bahn: Alles ist pünktlich, die Beamten freundlich, das Wetter wird, je mehr wir uns Richtung Norden bewegen, immer besser.

Jörg und Peter nehmen die Elbphilharmonie in die Mitte. Selfie: Peter Klohs
Jörg und Peter nehmen die Elbphilharmonie in die Mitte. Selfie: Peter Klohs

In Hamburg ist für den 3. Oktober sehr angenehmes Wetter. Um 15.30 Uhr sitzen wir an der Außenalster und trinken im Freien Latte Macchiato. Dann langsames Annähern – zu Fuß und von einigen Zigarettenpausen unterbrochen – an die Elbphilharmonie. Wir waren dort bereits einmal zu Gast und sahen im vergangenen Jahr im großen Saal den isländischen Neo-Klassiker Olafur Arnalds. Jetzt soll es der „kleine“ Saal sein, der immerhin noch 550 Besuchern Platz bietet.

Auf der Aufsichtsplattform in 37 Meter Höhe kann man zwar grandiose Fotos vom Hamburger Hafen schießen, ich bewege mich wegen vorhandener Höhenangst jedoch sehr vorsichtig. Und schwupps ist es kurz vor 19 Uhr und Zeit, den Konzertsaal zu entern.
Kurz vor 19.30 Uhr. Der Saal ist zu Zweidrittel voll, es mögen ca. 370 Besucher sein, was mehr ist, als ich vermutet habe, denn wer kennt Herrn Fornarelli?

Unsere Begeisterung für den aus Bari stammenden Pianisten resultiert aus seiner Art zu komponieren. Diese Mixtur aus singbaren Melodien (ohne Plattheit!), aus groovigen Rhythmen und viel Emotionen erinnert uns immer wieder an den viel zu früh verstorbenen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson, den wir über 50 mal live gesehen haben, zwischen Lausanne und Hamburg. Aber Esbjörn lebt nicht mehr, und auf unserer Suche nach einem Musiker, der die entstandene Lücke vielleicht ein wenig zu füllen vermag, kamen wir auf Kekko.

Kekko spielt. Foto: Peter Klohs
Kekko spielt. Foto: Peter Klohs

Das Konzert in der Elbphilharmonie ist super – und wie erwartet voller Emotionen. Die 12 Streicherinnen unterstützen die Kompositionen Kekkos aufs Feinste. Die Musik ist eine Mischung aus Jazz, Rock, Filmmusik und Unbeschreiblichem. Standing Ovations sind die Folge. Nach eindreiviertel Stunden ist Schluss.

Nach der Arbeit Abholen der Standing Ovations. Kekko (l.) mit seinem Trio. Foto: Peter Klohs
Nach der Arbeit Abholen der Standing Ovations. Kekko (l.) mit seinem Trio. Foto: Peter Klohs

Und wie Kekko sich freut, als er uns sieht! (Wir haben uns erst einmal getroffen, vor vier Jahren angesichts eines Solo-Konzertes von Kekko in Amsterdam). Seine Emotionen beschränken sich beileibe nicht auf seine Musik. Er umarmt uns herzlich und lächelt breit. Er sei „unbelievable happy tonight“, sagt er und umarmt mich noch einmal und nennt mich „Bro“. (Brother, ein Name für einen Menschen mit gleicher Lebensausrichtung und Denkweise, den man sehr schätzt)

Schon geht es zurück

Aber wir müssen zurück, müssen schnell mit dem Taxi zum Hamburger Hauptbahnhof, um den letzten Zug Richtung Ruhrgebiet (22:46 Uhr) zu bekommen, der ab Dortmund über Essen und Duisburg weiterfährt (daher der Weg nach Dortmund, von dort kommt man schneller nach Remscheid zurück als von Duisburg). Und jetzt offenbart die Deutsche Bahn dann doch noch eine Schwäche: Die „umgekehrte Wagenreihung“ wird am Bahnhof nicht bekanntgegeben, was ein mittelprächtiges Chaos zum Resultat hat. Es dauert gut zehn Minuten, der Zug ist beinahe schon in Harburg, als wir unsere reservierten Sitzplätze erreichen.

Wieder da: Dortmund Hauptbahnhof, Freitag Morgen, kurz vor 2 Uhr. Foto: Peter Klohs
Wieder da: Dortmund Hauptbahnhof, Freitag Morgen, kurz vor 2 Uhr. Foto: Peter Klohs

Aber es geht alles gut. Sehr pünktlich kommen wir wieder in Dortmund an (1:45 Uhr). Noch eine gute halbe Stunde und ich bin wieder zu Hause in Lüttringhausen.

Ein anstrengender Tag liegt hinter uns, aber auch ein sehr schöner, angefüllt mit angenehmen Begegnungen, dem Feeling der Stadt Hamburg (die ich als eine der wenigen großen Städte in Deutschland wirklich mag, vielleicht wegen des vielen Wassers in der Stadt), mit stressfreiem Reisen (naja, bis auf die ersten Minuten im Zug zurück) und einem ganz starken Konzert von einem begnadeten Musiker und einem positiven, sensiblen und sehr angenehmen Menschen.

Peter Klohs

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