Kakaoproduzentin in der Elfenbeinküste bei der Arbeit. Foto: obs/TransFair e.V./Fairtrade | Eric St-Pierre
Kakaoproduzentin in der Elfenbeinküste bei der Arbeit. Foto: obs/TransFair e.V./Fairtrade | Eric St-Pierre

Bauern und Bäume brauchen bessere Preise. Darum Fairen Handel fördern, nicht nur in Fairtrade-Städten wie Remscheid.

Ein Kakaopreis, der eine gute Zukunft ermöglicht – die Realität in den größten Anbauländern Elfenbeinküste und Ghana sieht leider anders aus, als dieser schlichte Wunsch: „Der Weltmarktpreis ist zu niedrig, um ein existenzsicherndes Einkommen zu erreichen. Dazu kommen oft kleine Anbauflächen und niedrige Ernten“, erklärt Anne Marie Yao, Cocoa Manager von Fairtrade Africa, auf der Süßwarenmesse ISM. Neben Armut gefährden Klimawandel und die Abwanderung der Jugend die Lieferketten. Die positive Nachricht: Immer mehr Unternehmen wollen ihre Lieferketten nachhaltiger gestalten und setzen beim Rohstoffeinkauf auf Fairtrade.

2019 wuchs der Kakaoabsatz nach ersten Hochrechnungen um 28 Prozent auf etwa 70.000 Tonnen Fairtrade-Kakao. Inzwischen liegt der Marktanteil bei rund 15 Prozent. Trotz des Erfolgs fordert Fairtrade ein Lieferkettengesetz: „Partner, die sich ernsthaft für Nachhaltigkeit engagieren, haben höhere Kosten und dadurch einen Wettbewerbsnachteil“, sagte TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath. „Es ist an der Zeit, dass die Politik nachhaltige Produkte und ethischen Konsum fördert und für einen fairen Wettbewerb im Sinne der Schwächsten sorgt. “

Über Zertifizierung hinaus: Projektearbeit vor Ort

Wie langfristiges Engagement vor Ort aussieht, zeigt beispielsweise Lidl: Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) baute der Discounter die Landwirtschaftsschule PROCACAO in der Elfenbeinküste auf, die nach acht Jahren nun auf eigenen Beinen steht. In dieser Zeit wurden dort über 18.000 Farmer im nachhaltigeren Kakaoanbau ausgebildet. Sie konnten ihre Erträge deutlich steigern und geben zudem ihr erlerntes Wissen weiter. Mit Fairtrade internationalisierte Lidl in Ghana ein langfristig angelegtes Projekt, bei dem die Kakaolieferkette von Schokoladentafeln physisch rückverfolgbar ist. „Unser Engagement in der Elfenbeinküste und in Ghana trägt dazu bei, Lieferketten transparenter und fairer zu gestalten“, so Florian Schütze, Prokurist CSR Einkauf bei Lidl International. „Um langfristige Verbesserungen zu erreichen, hat Lidl sich im Januar im Rahmen der Internationalen Grünen Woche freiwillig zu existenzsichernden Einkommen in den Lieferketten seiner Eigenmarken verpflichtet.“

Bäume als Bollwerk gegen den Klimawandel

Der Preisdruck hat nicht nur eine negative Wirkung auf die Menschen. Mehr als 90 Prozent der Urwälder Westafrikas sind verschwunden. Sie fielen unter anderem dem Kakaoanbau zum Opfer. Um der Zerstörung entgegenzuwirken startete der Schweizer Schokoladenhersteller Chocolats Halba zusammen mit Fairtrade Africa und weiteren Partnern ein Projekt in Ghana. 2.500 Bauern werden unterstützt, ihre Kakao-Monokulturen in biologisch vielfältige Agroforstparzellen umzuwandeln. In den nächsten drei Jahren werden 400 Hektar Kakaopflanzungen durch Fruchtbäume, Edelhölzer und Kulturpflanzen, wie Bohnen und Mais, aufgewertet. „Durch die Methode der dynamischen Agroforstkultur kann die Produktivität der Kakaopflanzungen wesentlich gesteigert werden. Auf der gleichen Parzelle können die Bauern Nahrungsmittel und Edelhölzer anbauen, was wesentlich zur Steigerung ihres Einkommens, zur Klimaresilienz und zum Walderhalt beiträgt“, ist Petra Heid, Leiterin Nachhaltigkeit Chocolats Halba/Sunray überzeugt.

Vielfältige Probleme brauchen vielfältige Lösungen

Anne Marie Yao von Fairtrade Africa bestätigt, dass verschiedene Ansätze nötig sind, um die Situation zu verbessern: „Unser Ziel ist es, den Anbau zu diversifizieren, damit die Menschen Einkommen jenseits von Kakao generieren. Wir fördern zudem gezielt Frauen, denn sie sind oft diejenigen mit der meisten Arbeit und dem geringsten Einkommen.“ Yao appelliert an Süßwarenbranche, Politik und Verbraucher, konsequent auf Fairtrade zu setzen: „Der Mindestpreis gibt Stabilität und Planungssicherheit. Die Fairtrade-Prämie leistet einen wichtigen Beitrag, um vor Ort Gemeinschaftsprojekte umzusetzen.“ Fairtrade begrüßt zudem die Ankündigung Ghanas und der Elfenbeinküste, einen staatlichen Aufschlag für Kakaopreise einzuführen. „Grundsätzlich ist das eine gute Initiative, von der alle Bauern, auch die nicht zertifizierten, profitieren könnten“, so Yao.

Fairtrade-Zucker und Honig sowie neue Partner

Auch fairer Zucker und Honig verzeichnen Zuwächse. Insgesamt wurden in Deutschland 2019 rund 11.700 Tonnen fairer Zucker eingesetzt, ein Plus von 17 Prozent. Die Hälfte kommt als Haushaltszucker auf den Markt, der Rest verarbeitet in Soft Drinks, Eis und Süßwaren. Die Fairtrade-Honigabsätze stiegen um acht Prozent auf 1.400 Tonnen.

Fairtrade auf der ISM

Stand A006, Passage zw. Halle 10 und Halle 11

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