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Es muss nicht immer Nurejew sein

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Das Weihnachtsfest liegt gut zwei Wochen hinter uns, meine Kindheit schon etwas länger und trotzdem ist immer die richtige Zeit, sich in ein Märchen oder eine zauberhafte Welt entführen zu lassen.

So geschehen am 15. Januar 2022 im Teo Otto Theater bei „THE NUTCRACKER AND I“ von Alexandra Dariescu. Dariescu und eine Ballerina (Imogen-Lily Ash) lassen hier mit einem Konzertflügel und einer Projektion – stets auf die Musik genauestens abgestimmt – auf einer durchsichtigen Gaze (Technik Sander Loonen) das gesamte Ballett und die Musikgewalt eines ganzen Orchesters entstehen.

Nicht, dass ich unsere Symphoniker nicht lieben würde, vor Weihnachten sehe ich auch immer gern ein namhaftes Ballettcorps, das das vielen bekannte Märchen von E.T.A. Hoffmann „Mäusekönig und Nussknacker“ tanzt, aber diese Performance von der Meisterin am Flügel hebt diese Performance auf eine neue, andere Ebene.

Tausende, tanzende Schneeflocken tanzen auf der fast durchsichtigen Wand, es schneit und wirbelt und eine gezeichnete Clara tritt auf, verschmilzt fast mit Alexandra Dariescu am Konzertflügel. Wir erleben den Weihnachtsabend noch einmal und träumen mit Clara vom feschen Nussknacker-Prinzen. Der Traum erwacht buchstäblich zum Leben, als Zeichentrick-Clara mit Ballerina Imogen-Lily Ash verschmilzt. Mit ihr kämpfen und besiegen wir den Mäusekönig und reisen an der Hand des Prinzen ins Land der Zuckerfee.

Alexandra Dariescu am Flügel mit Ballerina Imogen-Lily Ash in "The Nutcracker And I". ©Nigel Norrington
Alexandra Dariescu am Flügel mit Ballerina Imogen-Lily Ash in „The Nutcracker And I“. ©Nigel Norrington

15 virtuose Sätze aus der ursprünglichen Tschaikowsky Partitur spielt Dariescu, arrangiert von Mikhail Pletnev, Stepan Esipoff, Percy Grainger und drei neue Adaptionen von Gavin Sutherland und stets ist die Musik, der Tanz und die Projektion über den 20K Lumen Beamer eine einzige Einheit. Es gibt neben dem arabischen, russischen und chinesischen und dem Tanz der Zuckerfee sogar mein über alles geliebtes Pas de Deux des 2. Aktes und Imogen tanzt dies so hingebungsvoll mit ihrem auf Leinwand gezauberten Prinzen, dass es mit Nurejev fast nicht hätte schöner sein können. 

Viel zu schnell ist die Stunde voller Magie vergangen, stehender Applaus war fast zu wenig Lohn für diese grandiose Leistung von Spiel, Tanz und Technik. Der Zauber dieses Abends hing meiner Begleitung und mir noch lange nach. Was gibt es in den Zeiten von heute schöneres, als sich einmal vom Alltag zu verabschieden und sich wieder in eine sorglosen Welt der Kindheit zu flüchten? Vielen Dank für diesen besonderen #Theatermoment und großen Dank an das gesamte Team des Teo Otto Theaters für Service und Sicherheit.

Die Hoffmann
Die Hoffmannhttp://www.die-hoffmann.de
Im Namen der Kultur: Die Hoffmann | Steph Hoffmann, lange Jahre aktives Ensemblemitglied der Lüttringhauser Volksbühne, Kunstschaffende und Autorin verbringt viel Zeit mit Kultur und für die Kultur. Die Hoffmann nimmt ihre Leser mit, um die Teile der Remscheider Kulturszene kennenzulernen, die ihr persönlich gut gefallen. Objektivität? Braucht die Hoffmann nicht. Ihre Kolumne. Ihre Meinung. Sie möchten die Hoffmann einladen? Fragen Sie sie: frag@die-hoffmann.de
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