Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Integrationsrates, und Anne Marie Faßbender, Vorsitzende von Remscheid Tolerant sprachen über Toleranz. Foto: Peter Klohs
Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Integrationsrates, und Anne Marie Faßbender, Vorsitzende von Remscheid Tolerant sprachen über Toleranz. Foto: Peter Klohs

Format „Mittwochs in Lüttringhausen“ hatte Premiere auf der Heimatbühne in Lüttringhausen.

Ein neues kulturelles Format hatte am Abend des 19. August auf der Lüttringhauser Heimatbühne am Ludwig-Steil-Platz Premiere. Auf Initiative des SPD-Ortsvereins in Lüttringhausen fand „Mittwochs in Lüttringhausen“ statt, wobei nicht der Wahlkampf der anstehenden Kommunalwahl im Vordergrund stand, sondern der Wille, niveauvoller Kultur im Stadtteil auch in diesen schwierigen Zeiten einen Platz zu bieten. Maximal 50 Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen für dieses Format auf den Bänken Platz nehmen, zur Premiere kamen knapp 40.

Um Punkt 19 Uhr begannen die Glocken der nahen evangelischen Kirche mit ihrem minimalistischen Konzert. Das hinderte die stimmgewaltige Steph Hoffmann jedoch nicht, die Veranstaltung pünktlich zu beginnen. Die Remscheider Kulturschaffende moderierte den Abend auf angenehm zurückhaltende Weise.

Wie stellen wir uns ein tolerantes Zusammenleben vor?

Anne Marie Faßbender. Foto: Peter Klohs
Anne Marie Faßbender. Foto: Peter Klohs

Dreißig Minuten lang tauschten Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Remscheider Integrationsrates und Ratskandidatin der SPD und Anne Marie Faßbender, Vorsitzende von Remscheid Tolerant, Meinungen, Aussagen und Fakten zum Thema „Wie stellen wir uns ein tolerantes Zusammenleben vor?“ aus. Ohne Moderatorin entwarfen die beiden Frauen ein eindrucksvolles Bild einer in Teilen zerbrechlichen Gesellschaft, die in manchen Punkten nicht in die richtige Richtung läuft. Als Überschrift dieser halben Stunde wäre „Wir sind alle verschieden – und alle gleich“ treffend gewesen. Denn beide Rednerinnen bezogen sich immer wieder auf diesen einfachen und von einigen Mitbürgern gerne vergessenen Fakt. Anne Marie Faßbender kann sich gar nicht vorstellen, wie das Leben ohne die vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ablaufen sollte. Sie betonte, dass Toleranz die Basis für ein friedliches Zusammenleben ist. „So viele Menschen und Religionen bereichern das Leben“, sagte sie.

Wir sind alle verschieden – und alle gleich

Erden Ankay-Nachtwein. Foto: Peter Klohs
Erden Ankay-Nachtwein. Foto: Peter Klohs

Ankay-Nachtwein bestätigte dies und fügte an, dass man nicht alles gut finden müsste, was der Nachbar macht oder äußert. „Man muss es aber respektieren.“ Es ginge im Kontext darum, Menschen nicht zu isolieren. „Deutsche nicht, und die Menschen mit Migrationshintergrund ebenso wenig. Wir sind verschieden, ja, aber wir müssen uns auf unsere Gemeinsamkeiten konzentrieren. Und da sind viele!“ Die Vorsitzende des Integrationsrates machte darauf aufmerksam, dass Menschen nicht nur auf der Straße beleidigt werden, „sondern auch in Ratssitzungen.“ Was die türkischstämmige Ankay-Nachtwein sich in diesem Rahmen von den Abgeordneten der nazinahen Bürgerbewegung PRO Remscheid anhören musste, mag man sich besser gar nicht vorstellen.
„Demokratie“, sagte Faßbender abschließend, „kann nicht von sich selbst leben. Die Menschen müssen etwas dafür tun.“

Musik aus Lüttringhausen: Papa Jo’s One Man Acoustic Jam

Nach diesem klaren und treffenden Talk stand Musik auf der Agenda des Abends. Der Remscheider Musiker Jochen Wingsch, auch bekannt als „Papa Jo’s One Man Acoustic Jam“ hatte den unterhaltsamen Part übernommen, schnappte sich seine Gitarre und begann mit voluminöser, wenngleich sensibler Stimme, seine Lieder vorzutragen. „Musik ist der Bote für Toleranz und Gefühle“, sagte Wingsch und hatte auch ein paar Songs zum Thema des Abends im Gepäck. Groovige, von Soul und Blues beeinflusste Musik war zu hören, von Wingsch selbst komponiertes (wie das sich am frühen Müller-Westernhagen orientierende „Urlaub“) genauso wie Stücke von Nickelback, Queen, Bon Jovi („Yes, we’re different – and we’re the same“) und Santana. Auch einige Balladen fanden den Weg in das einstündige musikalische Programm. Und auch, wenn manche der zuweilen englischen Texte ark plakativ daherkamen („When The Children Cry“ der Band White Lion), so machte das der Musiker durch seine wandelbare Stimme wert als wett. Seine zum Abschluss des Konzertes dargebotene Version des Pink-Floyd-Hits „Wish You Were Here“ war atemberaubend.

Wiederholung des Livekonzerts im Radio: rslove.de

Das Konzert von Jochen Wingsch aka Papa Jo’s One Man Acoustica Jam gibt es diese Woche auch im Nachbarschaftsradio von Remscheid.LOVE zu hören. Freitag: 22 Uhr, Samstag: 19 Uhr und Sonntag: 21 Uhr. Viel Spaß beim Hören: www.rslove.de

Weitere Termine: 2. und 9. September 2020

Der nächste Abend „Mittwochs in Lüttringhausen“ wird zur gleichen Zeit und am gleichen Ort am 2. September stattfinden. Im kurzen Talk wird es um Frauenrechte gehen und Slam-Poetin Jule Weber sorgt für die Kultur.