Sandra Regier, Sachgebietsleitung Adoptions- und Pflegekinderdienst. Foto: J. Bassier
Sandra Regier, Sachgebietsleitung Adoptions- und Pflegekinderdienst. Foto: J. Bassier

Am vergangenen Freitag (24.09.) hat von 17 bis 20 Uhr in den Räumen des Restaurants Esszimmer 5630 eine Informationsveranstaltung des Adoptions- und Pflegekinderdienstes der Stadt Remscheid stattgefunden. Adressat:innen dieses Abends waren Sprachmittler:innen und Vertreter:innen von Remscheider Migrantenselbstorganisationen.

Ausgangspunkt der Überlegungen für einen solchen Informationsabend war der nach wie vor festzustellende Mangel an Pflegefamilien mit Migrationshintergrund in der Pflegekinderhilfe. Ein Mangel an Pflegefamilien lässt sich bundesweit als große Herausforderung beobachten, und dies nicht nur mit Blick auf Migration, sondern als allgemeines Problem insbesondere in großstädtischen Ballungsräumen. Im Kontext Migration zeigt sich dieser Mangel jedoch noch einmal in besonderer Weise: Befunde verschiedener Studien deuten darauf hin, dass der Zahl der Pflegekinder mit Migrationshintergrund eine deutlich geringere Zahl von potentiellen Pflegeeltern mit Migrationshintergrund gegenübersteht. Aus diesen Befunden werden in der Fachöffentlichkeit regelmäßig Forderungen nach einer Erweiterung des Pools der Pflegefamilien mit Migrationshintergrund laut, die auf verschiedene Weise begründet werden können.

Vernetzung und Kooperation aller relevanten Akteur:innen im Feld zeigen sich als wichtige Voraussetzungen einer erfolgreichen Akquise und für gelingende Zugänge. Die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung zeigen, dass es eine große Vielfalt sehr unterschiedlicher Akteur:innen in der kommunalen Migrations-/Integrationslandschaft gibt (unterschiedliche Migrations- und Integrationsdienste, Kommunale Integrationszentren, Integrationsräte, Integrationsagenturen, Migrantenselbstorganisationen und viele mehr), die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe jedoch wenig oder keine Kenntnis von diesen Strukturen haben. Beide Dienste beziehungsweise Fachbereiche existieren in der Kommune ohne Berührungspunkte nebeneinander her. Die einzigen Zugänge der Pflegekinderdienste zur Migranten-Community ergeben sich in der Regel durch vereinzelte Kontakte durch bereits geschulte Pflegefamilien.

Hier setzt das Projekt des ISM (Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gemeinnützige GmbH: ism gGmbH), gefördert durch das Bundesamt für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, beauftragt durch das Kompetenzzentrum Pflegekinderhilfe, an: Der Pflegekinderdienst Remscheid wurde zunächst zu Migrationssensibilität fortgebildet, ein Netzwerk zwischen dem KI (Kommunales Integrationszentrum) und dem PKD (Pflegekinderdienst) wurde gesponnen und eine Netzwerkkarte von allen MSO (Migrantenselbstorganisationen) wurde erstellt. Am 24. September wurde schließlich der Informationsabend mit insgesamt knapp 25 Teilnehmer:innen durchgeführt. Unter Moderation des ISM stellte Sandra Regier als Sachgebietsleiterin den Adoptions- und Pflegekinderdienst insgesamt vor. Anschließend stellten die Kolleginnen des Pflegekinderdienstes Frau Böhne, Frau Düllmann und Frau Scholten abwechselnd mit aktiven Pflegeeltern die einzelnen Bereiche des Pflegekinderdienstes vor: Bereitschaftspflege, Dauerpflege und die Verwandtenpflege. Im anschließenden Stehkaffee konnten die Teilnehmer:innen ihre Fragen an die Mitarbeiter:innen des Pflegekinderdienstes stellen.

Kurzdarstellung der vorgestellten Bereiche

  • Bereitschaftspflege:

Sie nehmen ein Kind von „Jetzt auf Gleich“ in einer akuten Krisensituation in Ihrer Familie auf, damit die Herkunftsfamilie gemeinsam mit dem Jugendamt ein dauerhaft gesundes Aufwachsen entweder im eigenen Haushalt, in einer Dauerpflegefamilie oder in einer Heimeinrichtung planen kann. Die Dauer des Aufenthaltes richtet sich nach der Klärung der Perspektive und kann bis zu 6 Monate dauern.

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  • Kurzzeitpflege:

Wenn Eltern aufgrund eines Krankenhaus- oder Kuraufenthaltes nicht in der Lage sind, ihr Kind zu betreuen, lebt das Kind für die maximal 8 Wochen bei Ihnen.

  • Vollzeitpflege auf Dauer:

Kinder, die aufgrund von Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch nicht bei ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können, leben Dauerhaft bei Ihnen. Wobei auch hier eine Rückführung jederzeit geprüft werden muss. Das Kind lebt dann in einer Familie, die durch den Pflegekinderdienst geschult wurde, oder aber in einer Familie innerhalb der Verwandtschaft.

  • Pflegeltern kann werden, wer Platz im Zuhause und im Herz hat, wer Freunde, Familie, Gesundheit und vor allem Humor hat.
  • Pflegeeltern erhalten fachliche Beratung im Rahmen von Hausbesuchen, Schulungen, Fortbildungen und sie erhalten ein Erziehungsgeld sowie den kompletten Unterhalt für das Kind und Beihilfen in besonderen Lebenslagen.

Informationsbroschüre „Pflegeeltern gesucht“