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Galvano Fischer: Neuer Platz für Wohnen und Natur

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Fläche des ehemaligen Betriebes „Galvano Fischer“ in Remscheid ist von den Bodenbelastungen befreit

Die Bodensanierung auf dem Gelände des ehemaligen Betriebsstandortes „Galvano Fischer“ in Remscheid-Westhausen wurde mit der Schlussabnahme der Baustelle am 28. Februar 2023 erfolgreich beendet. Die im Auftrag des AAV und in enger Abstimmung mit der Stadt Remscheid durchgeführte Sanierung macht nun den Weg frei für eine Neubebauung mit Wohnhäusern auf dem ehemaligen Betriebsstandort und die Anlage einer Naturfläche auf der ehemaligen Brachfläche. Dort wird die Stadt regionales Saatgut ausbringen, dieses Gelände bleibt sich dann als „Naturfläche“ selbst überlassen.

Derzeit sind noch kleinere Restarbeiten sowie der Abzug der restlichen Geräte im Gange. Bis spätestens Ende März 2023 wird das Bauunternehmen die Fläche verlassen haben. Damit wird rund sechs Wochen früher als ursprünglich geplant ein Punkt hinter die 64-jährige Produktionsgeschichte des Standortes gesetzt. Einzig die Grundwasserreinigungsanlage im südwestlichen Grundstücksbereich wird auch in Zukunft stehen bleiben und belastetes Sickerwasser reinigen.

Bis Ende April soll außerdem die Schlussaufnahme für die Beweissicherung der Nachbarbebauung abgeschlossen sein. Ab Mitte des Jahres 2023 werden das Grundwasser und die Quellen im Abstrom des ehemaligen Betriebes weiter untersucht. Dann wird entschieden, ob hier weitere Maßnahmen erforderlich sein werden.

Was bisher geschah

Im Juni 2022 begannen der Rückbau der Betriebsgebäude und die Bodensanierung auf dem Gelände. Nach der Entsorgung der noch in den Gebäuden befindlichen Abfälle wurden diese entkernt und fachgerecht zurückgebaut. Insgesamt fielen dabei rund 1.200 Tonnen Bauschutt an, die in etwa 50 LKW-Touren vom Standort abgefahren wurden. Die Sanierung des Bodens bis in eine Tiefe von rund drei Metern erbrachte rund 16.900 Tonnen belasteten Boden, der je nach Belastungsgrad auf entsprechend geeignete Deponie abgefahren wurde, was etwa 640 LKW-Ladungen entspricht. Die Baugrube auf dem ehemaligen Betriebsgelände wurde auf ein etwas niedrigeres Niveau als zuvor wieder mit sauberem Bodenmaterial verfüllt.

Besondere Herausforderungen

Besondere Herausforderungen bei diesem Projekt waren die Entsorgung des sehr hoch mit Chromat und mit perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) belasteten Bodens und Bauschutts sowie die Durchführung der Baumaßnahmen in einem dicht bebauten Wohngebiet.

Die Kosten

Die Gesamtkosten der Bodensanierung auf dem Standort belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro. Der AAV übernimmt dabei als Maßnahmenträger nicht nur die Projektsteuerung bei der gesamten Maßnahme in enger Absprache mit der Stadt Remscheid, sondern auch 80 Prozent der Kosten. Die übrigen 20 Prozent trägt die Stadt.

Hintergrund

Der ehemalige metallbearbeitende Betrieb „Galvano Fischer“ wurde 1954 gegründet und bis 2014 betrieben. Von 2015 bis 2018 wurde die Firma vom Eigentümer verpachtet. Seit Anfang 2019 liegt das Gelände brach. Das Grundstück wurde im Jahr 2021 von der Witwe des ehemaligen Firmeninhabers zu einem symbolischen Preis an die Stadt Remscheid verkauft.

Bis Mitte der 1960er Jahre wurden die anfallenden chromathaltigen Abwässer aus dem Galvanikbetrieb auf dem Firmengelände in Sickergruben versickert. 1965 wurde eine Abwasserentgiftungsanlage errichtet und die vorbehandelten Produktionsabwässer auf einem brachliegenden, rund 50 Meter südlich des Firmengeländes liegenden Grundstück versickert. Dieses Grundstück, das hinter zwei angrenzenden Nachbar-Wohnhäusern liegt, befand sich ebenfalls im Eigentum des Firmeninhabers und gehört nun auch der Stadt.

Die bisher durchgeführten Untersuchungen zeigten signifikante Bodenbelastungen auf dem Betriebsstandort mit Chrom/Chromat, perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), Nickel und Kupfer bis in den unterlagernden Fels. Auch das Grundwasser und das Wasser zweier im Abstrom liegender Quellen sind mit Chromat und PFAS belastet.

Das Hauptschadenszentrum lag auf dem Firmengelände im Bereich der ehemaligen Galvanik. Ein zweiter Belastungsschwerpunkt befand sich auf der früher zur Versickerung der Abwässer genutzten Brachfläche. Für eine nachhaltige Reduzierung des Schadstoffeintrags in Grundwasser und Gewässer war die Beseitigung der Schadensherde auf dem Firmenstandort und der Brachfläche bis an die Felsoberkante notwendig.

AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung

Der AAV ist ein bundesweit einzigartiges Kompetenzzentrum für Flächenrecycling und Altlastensanierung, in dem Land, Kommunen und Wirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten. Durch ein Landesgesetz 1988 gegründet, beseitigt die unabhängige, selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts überall dort Altlasten in Boden und Grundwasser, wo ein Verursacher der Verunreinigungen zum Beispiel nicht haftbar gemacht werden kann. So schützt der AAV Mensch und Umwelt vor Gefahren. Und macht zugleich wertvolle, meist attraktiv gelegene und gut erschlossene Flächen neu nutzbar. Damit unterstützt der AAV die Landesregierung wirkungsvoll bei ihrem Ziel, den Verbrauch von Natur- und Freiflächen zu reduzieren. Der Verband ist bei den Projekten in der Regel Maßnahmenträger und bringt neben seinem in über 30 Jahren erworbenem Know-how bis zu 80 % der Finanzierung auf.

Zusätzlich zu den gesetzlichen Pflichtmitgliedern – dem Land NRW und den Kommunen – haben sich dem Verband auf freiwilliger Basis Unternehmen angeschlossen. Sie unterstützen damit die gesamtgesellschaftlich wichtigen Aufgaben des AAV. Und profitieren zugleich von den Erfahrungen und dem Sachverstand des interdisziplinären AAV-Teams, das die Unternehmen rechtlich und fachlich unterstützt.

AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, Internet: www.aav-nrw.de

Gemeinsame Pressemitteilung von AAV und Stadt Remscheid

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(red) Pressemitteilungen und andere Veröffentlichungen.
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