Bündnis Remscheid, Seebrücke Remscheid, der Jugendrat und Extinction Rebellion veranstalten das Klimacamp auf dem Rathausplatz gemeinsam mit vielen Unterstützenden. Foto: Peter Klohs
Bündnis Remscheid, Seebrücke Remscheid, der Jugendrat und Extinction Rebellion veranstalten das Klimacamp auf dem Rathausplatz gemeinsam mit vielen Unterstützenden. Foto: Peter Klohs

Ein kleiner Stand ist aufgebaut, auf dem zahlreiches Informationsmaterial liegt. Banner mit politischen Aussagen stehen zwei Meter daneben, auf der anderen Seite ein geräumiges Zelt, in dem weiteres Material gelagert wird und das groß genug ist, dass drei Personen in ihm ohne größere Raumnot schlafen können. Das Klima-Camp Remscheid hat mit seiner einwöchigen Arbeit auf dem Rathausplatz begonnen.

Das Bündnis Remscheid als Nachfolgeorganisation von Fridays for future hat die Organisation der Protestwoche übernommen. Einige andere Organisationen haben sich angeschlossen: die Seebrücke Remscheid, Extinction Rebellion sowie der Remscheider Jugendrat. Ihr Anliegen ist vielschichtig.

„Wir bleiben bis zum Wahltag am 26. September hier“, verspricht Daniel Pilz, Kopf vom Bündnis Remscheid, „und zwar exakt bis um 12:05 Uhr. Es ist nämlich fünf nach 12 in allen Thematiken, die das Klima betrifft. Wir müssen jetzt handeln, oder die Welt wird sich dramatisch ändern.“ Höhepunkt der Woche wird der globale Klimastreik am kommenden Freitag, dem 24. September um 13 Uhr auf dem Theodor-Heuss-Platz sein. „Wir wollen ganz besonders deutlich machen, dass diesmal eine Regierung gewählt werden sollte, die beim Klimaschutz endlich ernst macht.“ Wobei es Pilz und seinen Mitstreitern wichtig ist zu betonen, dass die eine Woche andauernde Aktion parteilos stattfindet. „Es zählt der Umweltgedanke“, sagt der junge SPD-Politiker. „Die Parteizugehörigkeit ist absolut zweitrangig.“ Gerne erwähnt Pilz, dass die Stadt Remscheid das Klima-Camp sehr gut unterstützt hat und die Zusammenarbeit vorbildlich war. „Besonders der Oberbürgermeister hat sich ins Zeug gelegt und uns viele Türen geöffnet.“ Die Klima-Aktivisten hoffen auf eine ähnlich hohe Teilnehmerzahl wie beim Klimastreik vor zwei Jahren. „So 800 bis 1000 wären schon schön.“

Globaler Klimastreik am 24. September

Sascha Koch und Vincent Amtmann von der Seebrücke Remscheid machen auf die Einwirkung des Klimawandels auf die Flüchtlingsbewegungen aufmerksam. „Die Erde wird sich erwärmen“, konstatieren sie, „und das wird Auswirkungen auf das weltweite Klima haben. Laut der Weltbank werden deshalb im Jahr 2050 mehr als 200 Millionen Menschen auf der Flucht sein.“ Drastische Kritik am Vorgehen der europäischen Grenzschutzorganisation Frontex schließt sich an. „Die machen schlicht ihre eigenen – inhumanen – Regeln. Die zivile Seenotrettung wird kriminalisiert. Unter diesen Umständen flieht doch niemand freiwillig.“ Eine eindeutiges Statement zum Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ schließt sich an. „Derjenige, der, weil er wahnsinnig viel Geld verdient und Steuern sparen möchte, in die Schweiz zieht, das ist ein Wirtschaftsflüchtling.“

"Derjenige, der, weil er wahnsinnig viel Geld verdient und Steuern sparen möchte, in die Schweiz zieht, das ist ein Wirtschaftsflüchtling." Foto: Peter Klohs
„Derjenige, der, weil er wahnsinnig viel Geld verdient und Steuern sparen möchte, in die Schweiz zieht, das ist ein Wirtschaftsflüchtling.“ Foto: Peter Klohs

Zum Programm des Klima-Camps gehört auch ein Schöpfungsgottesdienst, der am vorigen Sonntag auf dem Rathausplatz stattfand und zu dem sich auch Superintendentin Antje Menn angesagt hatte. Ein alkoholfreies „Pub-Quiz“ zum Thema Parteiprogramme wird am Dienstagabend am Camp durchgeführt. Die Aktionen enden offiziell am Samstag, an dem sich diverse Kleingruppen vorstellen.

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Mindestens zwei Mitglieder des Klima-Camps verbringen regelmäßig die Nacht im Zelt, was, so Daniel Pilz, schon gewöhnungsbedürftig sei. „Morgens um halb vier wird der Platz gesäubert“, sagt er. „Das geschieht nicht geräuschlos. Viel Schlaf bekommen wir hier nicht mit.“ Immerhin sind die Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden bisher rein verbal geblieben. „Ein paar merkbar Angetrunkene haben mal versucht, uns zu provozieren“, berichtet Pilz. „Aber darauf lassen wir uns natürlich nicht ein. Mit manchen Menschen muss man auch nicht diskutieren.“