Eingangsschild Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes. ©ZDF/Frederik Walter
Eingangsschild Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes. ©ZDF/Frederik Walter

Ein Arzt am Universitätsklinikum des Saarlandes soll mehrere Kinder missbraucht haben. Über Jahre wurden die Eltern darüber nicht informiert – vom mutmaßlichen Missbrauch erfuhr eine Mutter durch Zufall. Auch Staatsanwaltschaft und Landesregierung hatten geschwiegen. Am Mittwoch, 6. Oktober 2021, 22.45 Uhr, berichtet „ZDFzoom“ über „Ein Kartell des Schweigens – Wie Kindesmissbrauch vertuscht wurde“. In der ZDFmediathek steht die Doku am Sendetag ab 20.00 Uhr zur Verfügung. 

Die „ZDFzoom“-Autoren Peter F. Müller und Klaus Martens haben über Monate an diesem Fall gearbeitet. Die erste Unterrichtung der Öffentlichkeit erfolgte erst, nachdem die Autoren die saarländische Landesregierung mit ihren Recherchen konfrontierten. Ohne ihre Hartnäckigkeit wären diese Missbrauchsfälle am saarländischen Universitätsklinikum womöglich nie in diesem Umfang veröffentlicht worden.

„Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz!“

Jürgen Langer, MdL SPD, Mitglied des Untersuchungsausschusses

Der heutige Direktor des Universitätsklinikums des Saarlandes, Prof. Wolfgang Reith, spricht von einem schweren Versäumnis: „Man hätte damals die Eltern der Kinder schon informieren müssen, was da vorgefallen ist.“ Der mutmaßliche Täter war ein Arzt der Jugend- und Kinderpsychiatrie am Universitätsklinikum. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn. Es gab Hinweise, dass er Kinder im Krankenhaus missbraucht haben soll. 2016 starb er eines natürlichen Todes, die Akten wurden von der Staatsanwaltschaft geschlossen.

Totale Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg. ©ZDF/Frederik Walter
Totale Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg. ©ZDF/Frederik Walter

Zu keinem Zeitpunkt sahen sich Staatsanwaltschaft oder die Klinik dazu veranlasst, die Eltern der Kinder darüber zu informieren. Auch die saarländische Landesregierung wusste von den Vorwürfen, lehnte aber eine Unterrichtung der Eltern ebenfalls ab. Erst 2019 wurde der Fall öffentlich. Wieso die Eltern nicht über den mutmaßlichen Missbrauch in Kenntnis gesetzt wurden, sollte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären. Bislang liegt der Abschlussbericht nicht vor.

Auch in einem anderen Klinikbereich des saarländischen Universitätsklinikums sollen Kinder missbraucht worden sein. Betroffen ist die HNO-Klinik. Entsprechende Fälle wurden in Gutachten der Gerichtsmedizin attestiert. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dennoch ein. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Der saarländische SPD-Landtagsabgeordnete und Mitglied des Untersuchungsausschusses, Jürgen Langer, kritisiert: „Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz, und es ist ein Riesenmakel für die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik.“ Dass kein Täter ermittelt werden konnte, sei „unfassbar und überhaupt nicht nachvollziehbar“, so Langer. Das Universitätsklinikum hat inzwischen reagiert und ein sogenanntes Schutzkonzept erarbeitet. Über eine Homepage des Krankenhauses können Missbrauchsfälle jetzt online angezeigt werden.

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