St. Bonaventura Detail, Foto: Adrian Ayad

Das Pastoralteam von St. Bonaventura u. Hl. Kreuz sieht nach reiflicher Überlegung zurzeit noch keine seriösen und zuverlässigen Informationen, auf deren Grundlage es verantwortbar erscheint, mit den Gläubigen jetzt schon eine gemeinsame Hl. Messe zu feiern. Die Erklärung des Pastoralteams lesen Sie hier:

Seit Anfang Mai ist es wieder möglich, öffentlich Gottesdienste zu feiern. Vielen Glaubenden ist es ein großes Anliegen, wieder Gottesdienst feiern zu können. Auch wir, das Pastoralteam von St. Bonaventura u. Hl. Kreuz würden uns gern mit den hiesigen Gläubigen dieser Möglichkeit anschließen, wie es schon in anderen Gemeinden geschieht.

Alles neu, macht der Mai…, doch diesem alten Frühlingslied können wir uns noch nicht leichten Herzens anschließen.

Es geht um viel

Nach reiflicher Überlegung erscheint es uns derzeit noch nicht verantwortbar, zur gemeinsamen Hl. Messe einzuladen. Trotz aller Bemühungen um unverzichtbare hygienische Vorsichtsmaßnahmen, einschließlich reduzierter Personenanzahl, Mundschutz usw. wird vorerst das Restrisiko einer Infektion nicht auszuschließen sein. „Es geht um Leben und Tod, so einfach ist das und so schlimm!“ sagte noch vor wenigen Wochen Ministerpräsident Armin Laschet. Solange gesicherte Erkenntnisse ausstehen, zu welchen Ergebnissen die schrittweisen Lockerungen für das alltägliche Leben geführt haben werden, geben wir auch weiterhin dem gesundheitlichen Schutz aller potenziell Beteiligten am Gottesdienst allem anderen den Vorrang.

Noch keine Messfeier – eine schwierige Entscheidungsfindung

Es ist eine Entscheidung, die uns wahrlich nicht leicht gefallen ist. Aber in der sorgfältigen Abwägung zwischen der Sehnsucht nach der gemeinsamen Eucharistiefeier und unserer Fürsorgepflicht und Verantwortung gegenüber den Gläubigen, unseren Mitarbeitenden und den Menschen, die mit uns allen an anderen Stellen in Kontakt kommen können, haben wir diesen schmerzlichen Entschluss getroffen.

Neben den medizinisch-hygienischen Gründen gibt es noch weitere Faktoren, die in unsere Entscheidungsfindung eingeflossen sind. Im Zuge der Veranstaltung von Heiligen Messen müssten wir zum jetzigen Zeitpunkt Menschen dringend bitten, der Kirche fernzubleiben, weil sie zur Risikogruppe gehören – das betrifft z.B. ältere Menschen. Ausgerechnet jene, die verstärkt unter Einsamkeit leiden und die die Eucharistiefeier besonders stark vermissen, müssten wir ausgrenzen. Täten wir das nicht, würden wir sie im Gegenteil sogar „anlocken“ und damit einer großen Gefahr aussetzen. Ein quasi unauflösbarer Konflikt.
Hinzu kommen psychologische Belastungen: Die müssen jene Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen aushalten, die sich um die Anmeldungen zur Teilnahme an der Messe kümmern („Tut mir leid, ist schon voll“) oder die auf die Einhaltung der Auflagen beim Eintritt in die Kirche und während der Messfeier achten (Ordnungsdienst). Sie alle werden voraussichtlich mindestens mit Enttäuschungen, Unverständnis und Unmutsäußerungen konfrontiert werden. Konflikte sind vorprogrammiert.
Die bisher empfohlenen Verfahren, diesen Herausforderungen zu begegnen, überzeugen uns nicht und nehmen uns unsere Sorge nicht.

St. Bonaventura, Detailfoto: Adrian Ayad

Auch im Blick: Integrität und Würde der Liturgie, kirchliche Solidarität

Noch gar nicht erwähnt ist dabei die Frage, ob eine Heilige Messe mit ständigen Desinfektionsmaßnahmen nach jedem Kommunizieren, mit Masken, mit weit auseinander sitzenden Gläubigen und ohne Gesang und ohne gemeinsame Handlungen würdevoll sein und Gemeinschaft erlebbar machen kann. Oder die Frage, ob wir uns nicht eher solidarisch zeigen sollten mit jenen, die am Stärksten leiden unter der Pandemie und isoliert und einsam leben müssen, statt die erste Gelegenheit zu nutzen, Messen zu feiern.

Christsein äußert sich nicht ausschließlich in der Liturgie

Ausschlaggebend bleibt die Gefahr für Leib und Leben. Es ist kaum auszumalen, wie tief die Erschütterung über einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen wäre. Möglicherweise haben die letzten Wochen uns auch wieder deutlicher gezeigt, christlicher Glaube zeigt sich in drei Formen: Liturgia (Gottesdienst); Diakonia (Nächstenliebe) persönliches Lebenszeugnis (Martyria). Alle drei sind gleichwertig, verbinden Christen miteinander. Das eine kann es nicht ohne das andere geben. Nur für ein Element kann aus berechtigten Gründen Dispens erteilt werden – die auch weiterhin gilt, die von der Sonntagspflicht.

Wir erhoffen und erwarten jedoch den Tag, an dem wir wieder gemeinsam zum Gottesdienst zusammenkommen. Sobald wissenschaftlich gestützte Zahlen zu den Auswirkungen der gegenwärtigen „Lockerungen“ vorliegen und wir angemessene Wege des Umgangs mit den geschilderten Herausforderungen gefunden haben, werden wir wieder mit großer Freude zur Heiligen Messe einladen.
Bis dahin bitten wir nicht nur Kranke und ältere Menschen, weiterhin von den bisherigen Möglichkeiten der in den Medien angebotenen Gottesdienstfeiern Gebrauch zu machen.
Und nicht zuletzt bitten wir um Verständnis für unsere Entscheidung.

Das Pastoralteam von St. Bonaventura u. Hl. Kreuz