Bei der Übergabe des Werkes von Gustav Kramer vor der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall in Remscheid: Nick Schmeißer, Andrea Blesius, Francesco Lo Pinto, Klaus Blumberg, Fritz Beinersdorf, Hans Heinz Schumacher (v.l.). © by blg / GuB Pferdestall RS e.V
Bei der Übergabe des Werkes von Gustav Kramer vor der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall in Remscheid: Nick Schmeißer, Andrea Blesius, Francesco Lo Pinto, Klaus Blumberg, Fritz Beinersdorf, Hans Heinz Schumacher (v.l.). © by blg / GuB Pferdestall RS e.V

Der Remscheider Oberbürgermeisterkandidat Fritz Beinersdorf (DIE LINKE) überreichte am Mittwoch dem geschäftsführenden Vorstand des Vereins der Gedenk- und Bildungsstätte (GuB) Pferdestall Remscheid e.V. das Gemälde „Cassandra“ des Remscheider Malers und Bildhauers Gustav Kramer (*23.06.1911, +28.06.1972).

„Der Vorstand ist äußerst erfreut über diese Geste und bedankt sich bei Herrn Beinersdorf. Es ist schön zu sehen, dass uns Herr Beinersdorf mit dieser historischen Spende unterstützt“, meint Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins. „Wir werden das Gemälde sicherlich in einer zukünftigen Ausstellung gut integrieren können“, sind sich Andrea Blesius und Klaus Blumberg einig, die beide als Historiker in Remscheid und Umgebung tätig sind.

Dazu erläutert Beinersdorf den historischen Kontext: „Der Maler und Bildhauer Gustav Kramer geriet schon bald nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft ins Fadenkreuz der Gestapo, weil er im Juli 1933 die Matrize für ein Flugblatt der kommunistischen Jugendorganisation zeichnete. Er kam für fünf Monate in so genannte Schutzhaft in das KZ Kemna, wurde kurz danach wieder verhaftet, schwer misshandelt und für 16 Monate wegen Hochverrats in ein KZ im Börgermoor gesteckt. Nach der Haftentlassung besuchte er 1937 die Meisterschule des deutschen Handwerks, wurde denunziert und musste sie verlassen.“

Würdigung eines Widerstandskämpfers

Nach dem Zweiten Weltkrieg, von dem er als „wehruntüchtig“ verschont wurde, arbeitete er in Remscheid als freier Künstler unter prekären Bedingungen. Fritz Beinersdorf erzählt, wie das Atelier des Künstlers in den 60er und 70er Jahren für politisch interessierte junge Menschen zu einer regelrechten Bildungsstätte für Nonkonformisten wurde. „Hier, nicht in der Schule, lernten sie Brecht und Sartre, Camus und Marx kennen. Er war „ein aufrechter Widerständiger, ein Revolutionär des Alltagslebens“. Ich freue mich, dass ich dieses Bild aus meinem Besitz an die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall abgeben kann. Ich verbinde hiermit auch die Hoffnung, dass in naher Zukunft eine Ausstellung die Widerstandskämpfer meiner Heimatstadt würdigt.“

Kramers Kunst wurde stetig durch das Erlebte geprägt. Sehr viele seiner Werke sind heute noch in der Öffentlichkeit in Remscheid zu sehen. Zum Beispiel ist am Gebäude Schützenstraße/Ecke Zur Böckerswiese das Kunstwerk „Die Familie“ zu sehen. Auch die beiden jüngeren Vorstandsmitglieder Nick Schmeißer (20) und Francesco Lo Pinto (19) (beide stellv. Vorsitzende) sind dankbar über die Spende und das historische Gemälde.

„Wer hätte 2016 gedacht, dass wir nicht nur Informationen, sondern auch historische Kunstwerke im Pferdestall ausstellen dürfen“, blickt Lo Pinto zurück. „Wir werden dem Bild einen prominenten Platz schaffen“, schließt Schmeißer ab.

 


Artikel geschrieben von Fritz Beinersdorf, Andrea Blesius und Francesco Lo Pinto, Korrektur Hans Heinz Schumacher

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here