Homeschooling: Mangelnde technische Ausstattung führt zu Benachteiligung. Foto: Marc Thele
Homeschooling: Mangelnde technische Ausstattung führt zu Benachteiligung. Foto: Marc Thele

Die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege und ihre Partner in Remscheid treibt die digitale Teilhabe der Menschen vor Ort voran.

Corona hat gezeigt, dass nicht jeder Teil der Gesellschaft bei der Digitalisierung mithalten kann – auch in Remscheid nicht. Die persönliche finanzielle Situation, Sprachschwierigkeiten, die Ausstattung sowie das technische Verständnis stehen einer zielführenden Nutzung digitaler Medien häufig entgegen. Dieser Entwicklung möchte die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege (AGW) in Remscheid mit einem neuen Projekt entgegentreten.

Die AGW ist ein Zusammenschluss der fünf anerkannten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dazu gehören die AWO, der Caritasverband, der Paritätische, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das Diakonische Werk. „Der fehlende Zugang eines Teils der Bürger*innen Remscheids zu digitalen Medien wurde durch die Corona-Beschränkungen deutlich erkennbar. Die Ermöglichung einer digitalen Teilhabe aller Menschen in unserer Stadt ist eine Herausforderung, der wir uns als Netzwerk gezielt annehmen möchten. Dazu bündeln wir unsere Kompetenzen“, erläutert Rainer Morteln, AGW-Sprecher und Geschäftsführer des DRK in Remscheid. Die in den Remscheider Stadtbezirken bereits vorhandenen Begegnungs-, Lern- und Beratungsorte sollen dafür die entsprechend wohnortnahe Infrastruktur bieten. Die Idee stieß auch bei den Mitgliedorganisationen auf großes Interesse und so sind in einer ersten Runde direkt sechs Digitale Lernorte geschaffen worden. Unterstützung für diese Idee gab es auch durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, die mit ihrem umfangreichen Programm „Zugänge sichern – Digitalisierung stärken“ die Lernorte bei der Anschaffung der notwendigen Endgeräte sowie der Finanzierung von Schulungen maßgeblich unterstützt hat.

„Wir sind sehr froh“, so Rainer Morteln, „dass wir diese Idee trotz der notwendigen Antragsstellung und der Lieferschwierigkeiten von digitalen Endgeräten so schnell umsetzen können. Hier zeigt sich wieder einmal, wie gut unsere Netzwerke und Partnerschaften funktionieren.“

Gleichzeitig sollen Nutzerinnen sowie Nutzer und Multiplikatoren, die ihre Kenntnisse dann weitergeben können, in der Anwendung der digitalen Medien geschult werden. Interessierte sollen sodann die verschiedenen Orte aufsuchen und das vorhandene technische Equipment konstruktiv nutzen können. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel das Home-Schooling, Terminvereinbarungen mit Behörden oder Vereinen, Antragstellungen, aber auch Wohnungssuche oder die Nutzung von Fortbildungsmöglichkeiten. Genauso geht es um die Teilhabe an digitalen Veranstaltungsformaten oder auch um den Videochat mit Freunden und Verwandten, um einer Vereinsamung vorzubeugen. Solange die Pandemieauflagen bestehen, ist ein Corona-konformes Nutzungskonzept vorgesehen.

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Die unterschiedlichen Lernorte sind natürlich an die jeweiligen Besucherinnen und Besucher angepasst. So wird beim Stadtteil e.V. z.B. neben den freien Nutzungsmöglichkeiten an einer digitalen Stadtteilzeitung gearbeitet. Die evangelische Kirchengemeinde Hasten möchte mit dem Angebot besonders ältere Remscheiderinnen und Remscheider ansprechen und hat daher einige Smartphones angeschafft, an denen geübt und ausprobiert werden kann. Der Bundesverband der Spanier hat sein Angebot insbesondere an die Bedarfe von Menschen mit spanischem Migrationshintergrund angepasst, ist aber natürlich genau wie die anderen Standorte für alle Remscheiderinnen und Remscheider da.