Markus Gastl, Entwickler des Drei-Zonen-Modells für Naturgärten, in seinem Garten. Foto: www.hortus-insectorum.de
Markus Gastl, Entwickler des Drei-Zonen-Modells für Naturgärten, in seinem Garten. Foto: www.hortus-insectorum.de

Das Schönheitsempfinden ist nicht naturwüchsig einfach da, es wird geformt durch eine Vielzahl von Einflüssen. Vielen Menschen gefällt die Ordnung eben und nicht der Anschein des Chaos. Ich nehme es den Menschen ab, dass sie es lieben, wenn ihre Gartenwelt wohl geordnet ist. Im rechten Zusammenhang finden auch sie Wildes schön, im Urlaub zum Beispiel. Zu Hause aber lieber nicht.

Biophilie, für mich der Ursprung für ein Schönheitsempfinden der Natur, wird man aber auch lernen können, so hoffe ich wenigstens.

Möglicherweise, so eine weitere Spekulation, wird Sauberkeit, Ordnung, Aufgeräumt Sein auch als Spiegel der inneren Verfassung gesehen. Etwa in dem Sinne, dass äußere Reinheit folgerichtig auch saubere innere Moralmuster anzeigen muss. Da darf man den äußeren Wildwuchs natürlich bekämpfen. Der Spruch „Das Genie beherrscht das Chaos, nur der Dumme räumt auf“ dürfte gerade bei den Saubermännern auf Widerstand stoßen. Wenn das Göttliche als Schöpferkraft der Natur gesehen wird, ist Gott entweder chaotisch oder der Saubermann verkrampft.

Das Göttliche als Schöpferkraft der Natur

Dann gibt es den Konformitätsdruck. Wenn Rasenmähen Kult ist und die Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers zur sozialen Akzeptanz gehört, ist es schwer mit einer Blumenwiese zu punkten. Was andere offensichtlich schön finden muss auch für mich schön sein. Der gesellschaftliche Druck ist immens und höchst verlogen. Im Rathaus und der Kirche wird von Erhalt der Vielfalt und Nachhaltigkeit gepredigt, vor den Gebäuden wird kräftig geputzt und gescheuert. Den ersten Preis bei „Unser Dorf soll schöner werden“ gewinnt eine „Geranienkombi“. Die jährliche Landesgartenschau wirbt im Slogan immer mit dem Wort „Natur“, zeigt aber eher Grünflächen und Schaubeete.

Nicht zu vergessen ist auch, dass unsere Emanzipation von der Natur, geschichtlich noch nicht lange zurück liegt. Natur heißt ja auch Krankheit, Parasiten, Nahrungskonkurrenz. Ein entspanntes Verhältnis zur Natur ist noch jung und kommt im Westen erst mit der Romantik zum Tragen. Paradoxerweise ist das was die Menschen im „Großen Stil“ verlieren immer auch der Beginn einer Gegenbewegung. So lassen Firmen, die ihr vieles Geld mit der Naturzerstörung verdienen, neuerdings für viel Geld ihre Außenanlagen gestalten. Nicht aus Liebe zur Natur, sondern weil es langsam „schick“ wird. Auch wenn der Chef und die Angestellten weiterhin auf grünem Rasen leben.

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Kurz: Ich suche Antwort auf die Frage der Kultur und Ästhetik. Ich bin ein rechter Laie. Inzwischen denke ich aber: Einfach machen und zeigen und hoffen, dass das Vorbild wirkt. Mein Naturgarten www.hortus-insectorum.de ist ein Hortus, der neben Vielfalt und Schönheit sich auch zusätzlich mit den Themen Nutzen, Kreislauf, Nachhaltigkeit und Kreativität beschäftigt. So oder so ist er auch so ein dramatischer Gegensatz zum Nachbargrundstück.