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Remscheid

Volksbühne: Ein Dorf entsteht

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Coronabedingt konnte die Lüttringhauser Volksbühne zwei Spielzeiten lang nicht auftreten. Nun stehen die Kulissen wieder auf der Heimatbühne in Lüttringhausen.

Richtig still wurde es um die Lüttringhauser Volksbühne nie, auch nicht während der Pandemie, die den Remscheider Verein für mundartliches Theater in den vergangenen beiden Jahren ausgebremst hatte. Dafür gesorgt hatte Christian Wüster, der Vereinsvorsitzende. Statt die Hände oder die Schreibfeder in den Schoß zu legen, bemühte sich Wüster um Fördermittel, um die in die Jahre gekommenen Bänke des Freispielgeländes renovieren zu lassen. Beim Remscheider Kulturdezernenten Sven Wiertz rannte Wüster offene Türen ein. Rechtzeitig zur neuen Saison erstrahlen neue Bänke in sattem bergischem Grün.

Alle Bänke auf dem Freispielgelände Lüttringhausen sind ganz neu. Foto: Sascha von Gerishem
Alle Bänke auf dem Freispielgelände Lüttringhausen sind ganz neu. Foto: Sascha von Gerishem

Mit Jusos und Arbeit Remscheid

Traditionell Anfang Mai verwandelt sich die Heimatbühne Lüttringhausen von einem Parkplatz in ein Freilufttheater. Vierzehn Menschen und zwei Lastwagen sind dafür notwendig. In den Vorjahren wurde die Volksbühne dabei von Freigängern der JVA Lüttringhausen unterstützt, in diesem Jahr war das coronabedingt nicht möglich. „Die JVA Remscheid-Lüttringhausen sorgt sich, dass die Leute, die hier helfen würden, sich mit Corona infizieren und das Virus mit ins Gefängnis tragen“, klärt Christian Wüster auf.

Warten auf ein Stück vom G-Haus. Foto: Sascha von Gerishem
Warten auf ein Stück vom G-Haus. Foto: Sascha von Gerishem

Es mussten neue Unterstützende gefunden werden, die tatkräftig mit anfassen. „Ich hatte gedacht Arbeit Remscheid hat immer fleißige Leute, und davon sind auch drei Stück gekommen die haben sogar noch ne Pritsche mitgebracht, zum Transportieren. Und ich habe die Jusos angesprochen, weil ich da die Erfahrung tatsächlich gemacht hab, dass sie sehr hilfsbereit sind und auch mit anpacken, wenn es nötig ist. Und wie man sieht, hat es sehr gut funktioniert“, strahlt Theatermann Wüster.

Riesige Mengen Material müssen nicht nur bewegt, sondern auch sortiert und anschließend zusammengebaut werden. Foto: Sascha von Gerishem
Riesige Mengen Material müssen nicht nur bewegt, sondern auch sortiert und anschließend zusammengebaut werden. Foto: Sascha von Gerishem

Direkte Kontakte zwischen der Volksbühne und den Jusos gab es vorher nicht. Wüster wandte sich einfach direkt an Daniel Pilz: „Wir kannten uns von verschiedenen Kulturveranstaltungen vom Sehen und haben auch ein paar Mal miteinander gesprochen, aber so aktionsmäßig bisher noch nicht.“ Insgesamt fünf Jusos haben das Team so gleich tatkräftig unterstützt. Lange überlegen mussten die Jusos jedenfalls nicht, wie Daniel Pilz versichert: „Genau dafür sind die Jusos natürlich auch da, um in der Stadt bei solchen ehrenamtlichen Projekten mit zu unterstützen.“ So dachte wohl auch Jugendrätin und Juso-Mitglied Lara Heibeck, die das Ensemble der Volksbühne seit diesem Jahr auch schauspielerisch, zunächst mit einer kleinen Rolle, unterstützt.

Schauspielende müssen leidensfähig sein: Lara Heibeck schleppt Brett um Brett. Foto: Sascha von Gerishem
Schauspielende müssen leidensfähig sein: Lara Heibeck schleppt Brett um Brett. Foto: Sascha von Gerishem

Auf dem Heimatspielgelände werden derweil unzählige Bretter, Wände, Böden und Kisten geschleppt, frei nach dem Motto „Viele Hände – schnelles Ende“. Aufgebaut werden müssen sechs Häuser, die das Bühnenbild für das neue von Christian Wüster verfasste Stück „Sechs Richtige für Nepomuk“ darstellen. Außerdem benötigt die Technik eine eigene Hütte und drei weitere Hütten dienen der Versorgung des Theaterteams und dem späteren Publikum. Es entsteht ein Dorf im Dorf.

Dennie Leonhardt dirigiert den Reigen, Christian Wüster schleppt. Foto: Sascha von Gerishem
Dennie Leonhardt dirigiert den Reigen, Christian Wüster schleppt. Foto: Sascha von Gerishem

Gut acht bis neun Stunden werden für den groben Aufbau benötigt, den der technische Leiter, Dennie Leonhardt, mit Argusaugen überwacht: „Das ist für das G-Haus, leg das bitte da hinten in die Mitte!“ Begonnen wurde morgens schon um 8 Uhr, darum werden die fleißigen Mitarbeitenden auch ordentlich und warm verpflegt. Trotz der harten Arbeit ist die Stimmung ausgelassen und gut. Tags drauf folgen noch ein paar Restarbeiten. Und nach zwei Jahren Pause ist es nun nur noch weniger als ein Monat hin, bis die Heimatspiele endlich wieder Premiere feiern.

Nicht zuletzt Christian Wüster (Doppel-Daumen-Mann) sorgt aktiv für beste Stimmung beim Aufbau. Foto: Sascha von Gerishem
Nicht zuletzt Christian Wüster (Doppel-Daumen-Mann) sorgt aktiv für beste Stimmung beim Aufbau. Foto: Sascha von Gerishem

Spieltermine

  • 4. und 5. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • 11 und 12. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • Fronleichnam, 16. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • 18. und 19. Juni 2022 ab 16 Uhr

Karten für die Freilichtbühne sind ausschließlich am Spieltag vor Ort (Ludwig-Steil-Platz, 42899 Remscheid) an der Kasse des Heimatbühnengeländes erhältlich.

Spielleiter Udo Leonhardt in einer stillen Minute erwischt. Foto: Sascha von Gerishem
Spielleiter Udo Leonhardt in einer stillen Minute erwischt. Foto: Sascha von Gerishem
Sascha von Gerishem
Sascha von Gerishemhttps://www.luettringhauser.de
Geboren 1977 in Duisburg, aufgewachsen in Wuppertal, Duisburg und am Niederrhein, Alumnus des Collegium Augustinianum Gaesdonck, Studiengang Absatzwirtschaft an der Fontys Hogescholen Venlo, selbstständig seit 1998, u.a. als freier Dozent an diversen Berufsakademien.
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