Neueste Beiträge

Am Samstag ist internationaler Weltladentag

Auch der Flair-Weltladen in Lüttringhausen macht mit.

In jedem Jahr wird am zweiten Maisamstag der Weltladentag begangen. Wie 900 andere Weltläden, die bundesweit tätig sind, wird sich auch der Flair-Weltladen in der Gertenbachstraße in Lüttringhausen daran beteiligen. Die beiden Vorsitzenden der Ökumenischen Initiative, die den 1999 eröffneten Weltladen in Lüttringhausen betreibt, Johannes Haun und Manfred Brauers, erläutern, was in diesem Jahr das bestimmende Thema sein wird.

„Der Weltladentag wird unter dem Motto ‚Mächtig unfair‘ stehen“, sagt Manfred Brauers, „und die unfaire Preisgestaltung im Handel thematisieren. Es ist doch absurd, wenn einzelne Unternehmen immense Gewinne machen, während produzierende Menschen am Anfang der Lieferkette um ihre Existenz kämpfen. Oft sind die Preise, die sie für ihr Produkt erhalten, niedriger als die Produktionskosten. Wir glauben, dass das wirklich mächtig unfair ist.“

„Es ist doch absurd, wenn einzelne Unternehmen immense Gewinne machen, während produzierende Menschen am Anfang der Lieferkette um ihre Existenz kämpfen.“

Manfred Brauers

„Solche ausbeutenden Dumping-Preise müssen verboten werden“, ergänzt Johannes Haun. „Stattdessen braucht es endlich eine gerechte Verteilung der Gewinne entlang der Lieferkette. Und vor Allem existenzsichernde Einkommen weltweit.“

„Es braucht endlich eine gerechte Verteilung der Gewinne entlang der Lieferkette.“

Johannes Haun

Zwei Erfolge können die Weltläden für das Jahr 2021 bereits vorweisen: Das Lieferkettengesetz wurde initiiert und unfaire Handelspraktiken wurden per Gesetz verboten. „Die beiden Gesetze sind ein wichtiger Anfang“, sagt Manfred Brauers, „sind aber aus Sicht der Fair-Handels-Bewegung noch nicht weitgehend genug.“ Die Gesetze, da ist sich Johannes Haun sicher, werden bald nachgeschärft. „Das ist schon in der Planung“, weiß er. „Wichtig ist, dass zukünftig keine Preise unterhalb der Produktionskosten gezahlt werden, dass die Löhne und Einkommen existenzsicher sind und die Menschenrechte eingehalten werden. Und das alles weltweit.“

Aktion vor dem Lüttringhauser Rathaus

Am Freitag, dem 13.Mai, wird der Flair-Weltladen vor dem Lüttringhauser Rathaus eine Aktions-Ausstellung zum Thema durchführen. Von zehn bis dreizehn Uhr werden die Auswirkungen unfairen Handels gezeigt und auf die Wichtigkeit des fairen Handelns hingewiesen. Am folgenden Samstag werden vor dem Lüttringhauser Weltladen in der Gertenbachstraße zahlreiche Aktivitäten stattfinden.

Klangwerk: …auch wenn die Ufer weit sind…

Konzert mit dem Improvisations-Ensemble Klangwerk an St. Bonaventura

Montag, 16. Mai 2022 um 19.00 Uhr | Eintritt frei
St. Bonaventura, Schwelmer Str. / Ecke Hackenberger Str. in RS-Lennep

Freuen Sie sich auf ein ganz besonderes Konzert. Taizé-Lieder zu Beginn und zum Ende umrahmen ein abwechslungsreiches Programm. Zu hören sind unterschiedliche Klangwelten,
meditative Stücke, Anklänge an barocke Harmoniefelder, sowie Duos, die eigentlich ein musikalisches Gespräch sind. Die Musiker*innen sind in den letzten Monaten zu einem
improvisierenden Kammermusikensemble zusammengewachsen, das sich durch Fantasie und kompetente Spielfreude auszeichnet.

Entstehung des Ensembles

Gegründet hat sich das „Klangwerk“ im Workshop „Ein Psalm wird Musik“ im „Andersraum 2020“ (leere Kirche St. Bonaventura im Januar 2020). Ausgehend vom Psalm „Du stellst meine Füße in weiten Raum“ improvisierten die Teilnehmer*innen damals unter der Leitung von Karola Pasquay mit dem Text, mit Sprache und Stimme, mit Gesang, Rhythmen und Instrumenten aller Art. Ihre Freude an Musik transportierte die Gruppe schließlich in eine Aufführung zu einem Taizé-Gottesdienst in St. Bonaventura.

Nach dieser erfüllenden Erfahrung beschloss die Gruppe, weiterzumachen. Mit Unterstützung des Katholischen Bildungswerkes W/SG/RS ergänzt das Improvisations-Ensemble Klangwerk seither das kirchenmusikalische Angebot der Gemeinde.

Nach einer durch die Pandemie erzwungenen Pause ist das Klangwerk wieder aktiv und präsentiert nun ein Programm, das in den letzten Monaten gemeinsam entwickelt wurde.

Das Projekt ist weiterhin offen für alle, die Grundkenntnisse mit einem Instrument oder einfach Spaß am Singen und Sprechen haben. Beim Klangwerk wird erlebbar, dass in jedem Menschen ein ihm ureigenes Potenzial an schöpferischer Freude und Energie schlummert. Die musikalische Improvisation ist eine kreative Möglichkeit, neu klingende Wege zu beschreiten und dabei unbekannte Räume zu öffnen.

Zur Person

Die musikalische Leiterin Karola Pasquay ist als Flötistin professionell in Alter und in Neuer Musik unterwegs. Ihr Ensemble „Partita Radicale“ wurde jüngst vom Land NRW mit einem Preis zur Förderung von professionellen und freien Musikensembles ausgezeichnet. Mit großer Leidenschaft widmet sie sich in Workshops dem Thema Improvisation, mit unterschiedlichen Musikern, Chören und Gruppen.

SPD-Bildungsexperte Jochen Ott diskutierte in Lennep

Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion Jochen Ott diskutierte mit Schüler*innen und Lehrer*innen.

„Was läuft schief an Remscheider Schulen?“ Mit dieser Frage leitete Sven Wolf, Landtagsabgeordneter für Remscheid und Radevormwald, am vergangenen Donnerstag seine Diskussionsrunde zum Thema „Bildung“ ein.

Jörg Bergemann, Schulleiter des Röntgen-Gymnasiums in Remscheid, erklärte hierzu, die Probleme an den Schulen seien auch bereits vor der Pandemie bekannt gewesen. Nun seien sie jedoch allen deutlich geworden. Die Digitalisierung an den Schulen sei zwar ein Fortschritt, sie stelle jedoch sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen, da der technische Support fehle.

„Die Landesregierung muss endlich Standards definieren für die Unterstützung bei der IT-Ausstattung. Das darf nicht nur bei den Informatik-Lehrkräften hängen bleiben. Dass dies im Schulgesetz nicht passiert ist, ist am schlimmsten“, kritisierte Jochen Ott, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion für den Bereich Schule und Bildung, und ergänzte: „Auf Landesebene muss ein Zehn-Jahres-Plan gemacht werden, der mit den Lehrkräften entworfen wird, um ständige Neuorientierungen vermeiden zu können.“

„Neben der Digitalisierung ist das Hauptproblem die seelische Belastung der Schülerinnen und Schüler.“

Jochen Ott, Bildungsexperte SPD-Landtagsfraktion NRW

„Ein weiteres Problem ist die Internetverbindung. An vielen Stellen in der Schule hat man keinen Empfang“, berichtete Elen Albrink aus der Stadtschülervertretung Remscheid.

Um die Chancengleichheit zu fördern, müssten alle Schulen auf den gleichen technischen Stand gebracht werden, ergänzte Jörg Bergemann.

„Neben der Digitalisierung ist das Hauptproblem die seelische Belastung der Schülerinnen und Schüler“, erläuterte Jochen Ott. Elen Albrink bestätigte, viele Schülerinnen und Schüler seien unter anderem durch die Pandemie und den Krieg in Europa belastet. Gesprächsversuche mit Lehrkräften scheiterten meistens jedoch, da die Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterrichtsstoff durchbekommen müssten.

Hierzu erklärte Jörg Bergemann, die zwischenmenschliche Beziehung zwischen der Schülerschaft und den Lehrkräften dürfe durch den Druck, der auf den Lehrkräften lastet, nicht vernachlässigt werden. Lehrkräfte bräuchten mehr Zeit.

„Um das Bildungssystem zu verbessern, bedarf es zweier Änderungen“, so Jochen Ott. „Zum einen müssen wir uns die Frage stellen, wie man Schulen sinnvoll finanziert und die Finanzierungsstrukturen ändern, und zum anderen muss geklärt werden, welche Bildungsinhalte in den nächsten 30 Jahren vermittelt werden sollen.“

„Die Gesamtkompetenzen sollten mehr in den Mittelpunkt rücken, weil die Schule wieder ein Sprungbrett in das Leben sein muss“, so Sven Wolf abschließend. „Wir brauchen eine solide Finanzgrundlage für die Kommunen. Nach 25 Jahren war die Stadt Remscheid jetzt erstmals wieder in der Lage, eine Schule neu zu bauen.“

Fairtrade: Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten

Am 15. Mai wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt und damit Politiker*innen, die in dieser Zeit von globalen Krisen unsere Zukunft gestalten können. Das Bergische Forum für globale Verantwortung und Eine Welt wollte deswegen von den Kandidat*innen erfahren, wie sie ihrer Verantwortung nachkommen werden.

Das in Solingen beheimatete „Forum Globale Verantwortung und Eine Welt“ hatte für den Abend des 6. Mai zu einer Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten des Wahlkreises Wuppertal II zum Thema Nachhaltigkeit und fairer Handel eingeladen. Im CVJM-Haus an der Lüttringhauser Gertenbachstraße fanden sich Josef Neumann (SPD) sowie die Grüne Eva Miriam Fuchs und der Kandidat der Linken Kai Merkel ein. Die CDU sah sich außer Stande, diesen Termin wahrzunehmen, und auch die FDP-Kandidatin Alexandra Trachte hatte sehr kurzfristig abgesagt. Dazu Josef Neumann: „Es kann nicht sein, dass sich zwei demokratische Parteien der Diskussion über Nachhaltigkeit und fairen Handel immer wieder entziehen.“ 25 Interessierte verfolgten die zweistündige Diskussion und beteiligten sich mit Zwischenfragen an der Runde.

SPD Landtagsabgeordneter Josef Neumann und RGA-Redakteur Sven Schlickowey. Foto: Peter Klohs
SPD Landtagsabgeordneter Josef Neumann und RGA-Redakteur Sven Schlickowey. Foto: Peter Klohs

Wenig überraschend waren sich die drei Diskussionsteilnehmer im Großen und Ganzen in den beiden Gesprächsblöcken zu den Themen „Internationale Zusammenarbeit“ und „Fairer Handel“ einig. Dass es keine langweilige Veranstaltung wurde lag auch an der lebhaften und engagierten Moderation von RGA-Redakteur Sven Schlickowey.

„Zeigt die aktuelle Krise nicht, dass wir ein viel radikaleres Lieferkettengesetz bräuchten?“

Frage aus dem Publikum

Unterschiedliche Positionen wurden zum Lieferkettengesetz deutlich. Neumann sowie Fuchs betonten, sie seinen froh, dass es überhaupt ein solches gebe, während Merkel die Meinung vertrat, das Lieferkettengesetz verdiene diesen Namen nicht. „Das ist ein zahnloses Gebilde.“ Eva Miriam Fuchs zitierte dazu Robert Habeck: „Wir müssen und wir werden besser werden.“ Dazu ergab sich eine interessante Frage aus dem Publikum: „Zeigt die aktuelle Krise nicht, dass wir ein viel radikaleres Lieferkettengesetz bräuchten?“ Josef Neumann drückte seine Sorge aus, dass die Globalität angesichts der weltweiten Krisen zumindest kurzfristig verloren gehen könne. „Wobei“, fügte er hinzu, „der faire Handel unbestritten eine globale Angelegenheit ist.“ „Immer billiger produzieren ist auf jeden Fall nicht die Lösung“, fand Kai Merkel, der hinzufügte, dass die Lieferketten in Teilen auch noch nicht nachhaltig seien.

Kai Merkel, Landtagskandidat für Die Linke. Foto: Peter Klohs
Kai Merkel, Landtagskandidat für Die Linke. Foto: Peter Klohs

Etwas ausführlicher wurde über die aktuellen Probleme in der Weltwirtschaft gesprochen. „Die Probleme stammen nicht alleine von der Coronakrise oder des Krieges in der Ukraine. Die Preiserhöhungen sind von China gewollt. Da werden auch mal zwei Millionen Chips einfach mal eine Woche irgendwo stehen gelassen“, war Neumann überzeugt. Eva Miriam Fuchs brachte es auf den Punkt: „Die Welt wird – wenn überhaupt – von Menschen gerettet werden, die sich einen fairen Einkauf leisten können.“ Das sah Kai Merkel etwas differenzierter: „Ich finde die Frage unangemessen, ob wir es uns leisten können, auf fairen Handel zu achten.“

„Ich finde die Frage unangemessen, ob wir es uns leisten können, auf fairen Handel zu achten.“

Kai Merkel, Landtagskandidat Die Linke.NRW

Ein weiteres Thema war die Bildungspolitik. „Es ist ein neues Schulfach ‚Wirtschaft‘ eingeführt worden, wusste Moderator Schlickowey und erfragte die Meinung der Diskutanten hierzu. „Ein Fach ‚politische Bildung‘ hätte mir besser gefallen“, äußerte der Vertreter der Linken. „Und da kann man auch direkt über internationale Zusammenhänge lehren.“ „Vielleicht“, ergänzte ergänzte Eva Miriam Fuchs, „brauchen wir gar kein neues Schulfach, sondern neue Inhalte.“ Dazu ergäbe sich die spannende Frage, wie man eine Schule für Neues öffnen könne, fügte Neumann hinzu.

Landtagskandidatin für die Grünen: Eva Miriam Fuchs. Foto: Peter Klohs
Landtagskandidatin für die Grünen: Eva Miriam Fuchs. Foto: Peter Klohs

Zusammenfassend erklärte der SPD-Vertreter, dass es zu all diesen Themen keine einfachen Lösungen gebe. „Und wenn jemand sagt, er habe eine gefunden: Glaubt ihm Nicht.“ Kai Merkel beendete den diskussionsreichen Abend mit der Feststellung: „Man sieht auch immer häufiger fair gehandelten Kaffee bei den Discountern. Wir sind auf einem guten Weg.“

Volksbühne: Ein Dorf entsteht

Coronabedingt konnte die Lüttringhauser Volksbühne zwei Spielzeiten lang nicht auftreten. Nun stehen die Kulissen wieder auf der Heimatbühne in Lüttringhausen.

Richtig still wurde es um die Lüttringhauser Volksbühne nie, auch nicht während der Pandemie, die den Remscheider Verein für mundartliches Theater in den vergangenen beiden Jahren ausgebremst hatte. Dafür gesorgt hatte Christian Wüster, der Vereinsvorsitzende. Statt die Hände oder die Schreibfeder in den Schoß zu legen, bemühte sich Wüster um Fördermittel, um die in die Jahre gekommenen Bänke des Freispielgeländes renovieren zu lassen. Beim Remscheider Kulturdezernenten Sven Wiertz rannte Wüster offene Türen ein. Rechtzeitig zur neuen Saison erstrahlen neue Bänke in sattem bergischem Grün.

Alle Bänke auf dem Freispielgelände Lüttringhausen sind ganz neu. Foto: Sascha von Gerishem
Alle Bänke auf dem Freispielgelände Lüttringhausen sind ganz neu. Foto: Sascha von Gerishem

Mit Jusos und Arbeit Remscheid

Traditionell Anfang Mai verwandelt sich die Heimatbühne Lüttringhausen von einem Parkplatz in ein Freilufttheater. Vierzehn Menschen und zwei Lastwagen sind dafür notwendig. In den Vorjahren wurde die Volksbühne dabei von Freigängern der JVA Lüttringhausen unterstützt, in diesem Jahr war das coronabedingt nicht möglich. „Die JVA Remscheid-Lüttringhausen sorgt sich, dass die Leute, die hier helfen würden, sich mit Corona infizieren und das Virus mit ins Gefängnis tragen“, klärt Christian Wüster auf.

Warten auf ein Stück vom G-Haus. Foto: Sascha von Gerishem
Warten auf ein Stück vom G-Haus. Foto: Sascha von Gerishem

Es mussten neue Unterstützende gefunden werden, die tatkräftig mit anfassen. „Ich hatte gedacht Arbeit Remscheid hat immer fleißige Leute, und davon sind auch drei Stück gekommen die haben sogar noch ne Pritsche mitgebracht, zum Transportieren. Und ich habe die Jusos angesprochen, weil ich da die Erfahrung tatsächlich gemacht hab, dass sie sehr hilfsbereit sind und auch mit anpacken, wenn es nötig ist. Und wie man sieht, hat es sehr gut funktioniert“, strahlt Theatermann Wüster.

Riesige Mengen Material müssen nicht nur bewegt, sondern auch sortiert und anschließend zusammengebaut werden. Foto: Sascha von Gerishem
Riesige Mengen Material müssen nicht nur bewegt, sondern auch sortiert und anschließend zusammengebaut werden. Foto: Sascha von Gerishem

Direkte Kontakte zwischen der Volksbühne und den Jusos gab es vorher nicht. Wüster wandte sich einfach direkt an Daniel Pilz: „Wir kannten uns von verschiedenen Kulturveranstaltungen vom Sehen und haben auch ein paar Mal miteinander gesprochen, aber so aktionsmäßig bisher noch nicht.“ Insgesamt fünf Jusos haben das Team so gleich tatkräftig unterstützt. Lange überlegen mussten die Jusos jedenfalls nicht, wie Daniel Pilz versichert: „Genau dafür sind die Jusos natürlich auch da, um in der Stadt bei solchen ehrenamtlichen Projekten mit zu unterstützen.“ So dachte wohl auch Jugendrätin und Juso-Mitglied Lara Heibeck, die das Ensemble der Volksbühne seit diesem Jahr auch schauspielerisch, zunächst mit einer kleinen Rolle, unterstützt.

Schauspielende müssen leidensfähig sein: Lara Heibeck schleppt Brett um Brett. Foto: Sascha von Gerishem
Schauspielende müssen leidensfähig sein: Lara Heibeck schleppt Brett um Brett. Foto: Sascha von Gerishem

Auf dem Heimatspielgelände werden derweil unzählige Bretter, Wände, Böden und Kisten geschleppt, frei nach dem Motto „Viele Hände – schnelles Ende“. Aufgebaut werden müssen sechs Häuser, die das Bühnenbild für das neue von Christian Wüster verfasste Stück „Sechs Richtige für Nepomuk“ darstellen. Außerdem benötigt die Technik eine eigene Hütte und drei weitere Hütten dienen der Versorgung des Theaterteams und dem späteren Publikum. Es entsteht ein Dorf im Dorf.

Dennie Leonhardt dirigiert den Reigen, Christian Wüster schleppt. Foto: Sascha von Gerishem
Dennie Leonhardt dirigiert den Reigen, Christian Wüster schleppt. Foto: Sascha von Gerishem

Gut acht bis neun Stunden werden für den groben Aufbau benötigt, den der technische Leiter, Dennie Leonhardt, mit Argusaugen überwacht: „Das ist für das G-Haus, leg das bitte da hinten in die Mitte!“ Begonnen wurde morgens schon um 8 Uhr, darum werden die fleißigen Mitarbeitenden auch ordentlich und warm verpflegt. Trotz der harten Arbeit ist die Stimmung ausgelassen und gut. Tags drauf folgen noch ein paar Restarbeiten. Und nach zwei Jahren Pause ist es nun nur noch weniger als ein Monat hin, bis die Heimatspiele endlich wieder Premiere feiern.

Nicht zuletzt Christian Wüster (Doppel-Daumen-Mann) sorgt aktiv für beste Stimmung beim Aufbau. Foto: Sascha von Gerishem
Nicht zuletzt Christian Wüster (Doppel-Daumen-Mann) sorgt aktiv für beste Stimmung beim Aufbau. Foto: Sascha von Gerishem

Spieltermine

  • 4. und 5. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • 11 und 12. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • Fronleichnam, 16. Juni 2022 ab 16 Uhr
  • 18. und 19. Juni 2022 ab 16 Uhr

Karten für die Freilichtbühne sind ausschließlich am Spieltag vor Ort (Ludwig-Steil-Platz, 42899 Remscheid) an der Kasse des Heimatbühnengeländes erhältlich.

Spielleiter Udo Leonhardt in einer stillen Minute erwischt. Foto: Sascha von Gerishem
Spielleiter Udo Leonhardt in einer stillen Minute erwischt. Foto: Sascha von Gerishem

Gartenvögel: Ihre Teilnahme ist gefragt

Zwei Begleitaktionen der Natur-Schule Grund zur „Stunde der Gartenvögel“.

Wollten Sie immer schon mal wissen, welche Vögel es in den Gärten des Bergischen Landes gibt? Und welche bei Ihnen im eigenen Garten?

Da bietet sich die kommende Woche an, denn dann ist von Freitag bis Sonntag (13. – 15. Mai) wieder die „Stunde der Gartenvögel“ angesagt.

Am Freitag, 13.05., um 17:30 Uhr, sowie am Samstag, 14.05.2022, um 08:00 Uhr bietet die Natur-Schule Grund jeweils zweistündige Aktionen an, bei denen die Erkennungsmerkmale und vor allem die Stimmen der Vögel beschrieben werden. Die Leitung der Veranstaltungen haben die Biologen Andrea Stratmann-Poguntke und Jörg Liesendahl. Die Teilnahme ist kostenlos, um Spenden wird gebeten.

Bitte melden Sie sich online unter info@natur-schule-grund.de an.

Jörg Liesendahl, Diplom-Biologe und Pädagogischer Leiter der Natur-Schule: „Der Vorteil ist, dass Vogelbeobachtung während der hellen Tagesstunden jederzeit und an jedem Standort möglich ist, also sowohl zu Hause beim Blick aus der eigenen Wohnstube in den Garten oder auch im Wald. Jetzt in der Brutzeit gibt es besonders viel zu sehen und zu hören.“ Leider, so der Biologe, könnten heute viele Menschen die Vogelarten in ihrem Umfeld gar nicht mehr richtig benennen.

Warum also nicht „mal gucken“, den Vögeln beim Singen zuhören und gemeinsam mit Spaß lernen?

Anleitungen für die Zählung zur „Stunde der Gartenvögel“ gibt es beim Naturschutzbund im Internet unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-gartenvoegel/index.html; die Methode kann natürlich auch außerhalb der viertägigen Aktion genutzt werden.

Die Expert:innen weisen darauf hin, dass das Naturerlebnis nicht viel braucht. Ein gutes Fernglas hilft, die Tiere näher zu beobachten, die häufig relativ scheu auf den Menschen reagieren. Da wäre es für den Anfang möglicherweise gut, sich bei geschlossenem Fenster in einem Raum aufzuhalten, damit die Vögel den sie beobachtenden Menschen nicht so leicht erkennen; das Raumlicht sollte dabei aus sein.

Besonders ertragreich sind die ersten Stunden nach Tagesanbruch und die Zeit vor der Abenddämmerung, da dann die Vögel intensiv auf Nahrungssuche sein werden.

Für weniger erfahrene Beobachtende ist sicher eine Bestimmungshilfe sinnvoll, entweder als Buch, über einschlägige Internetseiten oder aber mit einer App für das Smartphone (z.B. vom Naturschutzbund NABU, https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/spiele-apps-klingeltoene/vogelwelt.html#).
Vielfältige Hinweise zu den Grundlagen der Vogelbestimmung bietet ebenfalls der NABU im Internet.

Dabei geht es vor allem darum, die wahre Zahl der Vögel zu erkennen und nicht darauf reinzufallen, wenn ein- und dieselbe Meise innerhalb einer Stunde dreißigmal hin- und hergeflogen ist. Dann ist es nämlich immer noch nur eine Meise. Die Zahlen für alle Vogelarten sollten an den NABU gemeldet werden. Wie das geht, dazu gibt es zahlreiche Informationen auf den genannten Internet-Seiten.

Reibungsloser Bahnverkehr für Remscheid unbedingt erforderlich

Sven Wolf und Udo Schiefner im Gespräch mit Burkhard Mast-Weisz: Reibungsloser Bahnverkehr für Remscheid unbedingt erforderlich

„Immer wieder hakt es bei den Verkehrsverbindungen und Einrichtungen des ÖPNV. Ob bei der Direktverbindung oder beim defekten Aufzug. Da ist uns jede Unterstützung sehr willkommen“, betont der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf. „Daher habe ich den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Udo Schiefner zu einem Gespräch nach Remscheid eingeladen, um gemeinsam mit Oberbürgermeister Mast-Weisz aktuelle Verkehrsthemen zu besprechen. Genau an einem Tag an dem es abends wieder zu heftigen Störungen auf unserer Strecke kam und Züge ausfielen. Diesmal wohl wegen einer defekten Weiche.“

„Der Aufzug ist nun zumindest zunächst einmal wieder in Betrieb, wird aber nochmals für eine weitere Reparatur ausfallen. Bei der Direktverbindung sind wir dabei, nachzuhaken, was mit den Haltepunkten Güldenwerth und Lüttringhausen passiert, die in der bisherigen Planung des VRR nicht vorgesehen sind“, so Wolf. 

„Wir haben hier in der Region bald das einzige Berufskolleg mit Bahnanschluss.“

Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister der Stadt Remscheid

Udo Schiefner hat uns Unterstützung zugesagt: „Mich erreichen als Vorsitzender des Verkehrsausschusses unzählige Anliegen aus ganz Deutschland. Es hilft da ungemein, sich vor Ort direkt ein Bild zu machen. Regelmäßig nutze ich meine Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium, um diese Problem dann an die richtigen Adressen weiterzugeben. Remscheid hat es da mit nur einer Zugverbindung echt nicht leicht. Wenn die Züge ausfallen oder unpünktlich sind, steht hier der ganze Verkehr still.“

Burkhard Mast-Weisz nutzte das Gespräch, um auch auf das bald fertige Berufskolleg hinzuweisen. „Wir haben hier in der Region bald das einzige Berufskolleg mit Bahnanschluss. Das ist eine große Kraftanstrengung gewesen und bald eine große Chance für Remscheid. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn auch die Bahn zuverlässig fährt. Nach dem Wechsel auf den neuen Betreiber VIAS hat es etwas geruckelt. Der Geschäftsführer hat mir aber in einem Gespräch versichert: VIAS ist gekommen um zu bleiben. Weiterhin wichtig ist für die Stadt Remscheid das Thema einer Direktverbindung nach Köln. Da bleiben wir am Ball. Eine gute Anbindung an Köln als Metropole würde für die zukünftige Mobilität der Remscheiderinnen und Remscheider eine wichtige Verbesserung darstellen.“

Friedensdemo am 8. Mai: Es ist wieder 5 nach 12

Vierte Remscheider Friedensdemo am Sonntag, 8. Mai von 12.05 – 13.30 Uhr, vor dem Remscheider Rathaus.

Das Aktionsbündnis Remscheid Tolerant lädt zur nächsten Kundgebung für Frieden auf dem Remscheider Rathausplatz. Es geht nicht allein um den Krieg in der Ukraine, sondern auch um den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Bundesregierung agiert bezüglich des Ukraine-Krieges öffentlich eher zurückhaltend. Grund genug den fünf demokratischen Landtagskandidaten für Remscheid und Radevormwald eine Gelegenheit zu geben, um sich zu Putins völkerrechtswidrigem Überfall auf die Ukraine und zum Ende des Zweiten Weltkrieges öffentlich zu äußern.

Mit Jens Nettekoven, Sven Wolf, David Schichel, Torben Clever und Peter Lange ergreifen Menschen das Wort, die die Landes- und Stadtpolitik aktiv beeinflussen und beeinflussen können.

Podiumsdiskussion „Bildung im Mittelpunkt“

Pressemitteilung der SPD Lennep.

Immer wieder hört man, dass Krisen wie ein Brennglas wirken. Diese Erfahrung mussten wir gerade auch im Bildungsbereich während der letzten zwei Jahre Corona-Pandemie machen. Lehrermangel, langsames Internet, aber vor allem die Folgen von Lock-Down und Distanzunterricht waren und sind eine große Belastung für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrkräfte und Beschäftigte an unseren Schulen. Das Thema Bildung muss deshalb stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.

Dafür laden die SPD Remscheid und der SPD-Ortsverein Lennep gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Sven Wolf alle Interessierten ein.

Am: Donnerstag, 5. Mai 2022

Um: 17:30 Uhr

Im:  Deutsches Röntgen-Museum, Schwelmer Str. 41, 42897 Remscheid

Jeder und jede sollte die gleiche und faire Chance haben auf einen guten Schulabschluss und eine gute Ausbildung. Unabhängig von Herkunft, Einkommen oder körperlichen Beeinträchtigungen. So sollte gerechte Bildung aussehen. Gemeinsam mit den Remscheiderinnen und Remscheidern und mit spannenden fachkompetenten Gästen wollen wir Antworten finden auf die Fragen: Wie können wir junge Menschen und Familien besser unterstützen? Was können wir tun, damit alle eine faire Chance haben? Welche Unterstützungsangebote werden gebraucht?

Wir freuen uns auf einen interessanten und spannenden Austausch mit den Remscheiderinnen und Remscheidern und unseren Diskussionsgästen.

Als Diskussionsgäste freuen wir uns Elen Albrink, Stadtschülervertretung Remscheid und Schülersprecherin der Albert Schweitzer Realschule, Jörg Bergemann, Schulleiter des Röntgen Gymnasiums in Lennep, und Jochen Ott, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion für den Bereich Schule und Bildung begrüßen zu dürfen. Eintritt frei. Anmeldung nicht erforderlich. Im Museum gilt eine Maskenpflicht.

Filmvorführung „Donbass“ – ein Land im Krieg

Aus dem aktuellen Anlass des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt der SPD-Ortsverein Lüttringhausen den preisgekrönten Film „Donbass“ des ukrainischen Regisseurs Sergei Loznitsa.

Der Krieg in der Ukraine hat nicht erst im Februar 2022 begonnen – seit dem Jahr 2014 kämpfen im ostukrainischen Donbass prorussische Separatisten mit ukrainischen Regierungstruppen.

In 13 kaleidoskopartigen Episoden zeigt der 2018 gedrehte Film eine Gesellschaft im Kriegszustand. Der Film zeigt ein Land, das zwischen informellen Machtstrukturen, Korruption und Fake News zerrieben wird. Eine Gruppe Schauspieler inszeniert einen TV-Beitrag über einen fingierten feindlichen Anschlag; aus Rache für einen vermeintlichen Rufmord kippt eine Politikerin Fäkalien über den Kopf eines Chefredakteurs; ein Mann führt durch eine weitverzweigte Bunkeranlage, in dem dutzende Menschen Zuflucht vor Feuerbeschuss suchen. Beschlagnahmungen, Kontrollschikanen und Prügelstrafen sind an der Tagesordnung. Der kalte Horror von Angst, Gewalt und Hysterie erfasst mehr und mehr Bereiche des Lebens und nimmt immer groteskere Züge an …

„Donbass“ wurde 2018 in Cannes von der internationalen Presse als Meisterwerk gefeiert. Sergei Loznitsa erhielt für seine medienkritische und hochpolitische Farce den Sektions-Preis für die beste Regie.

Der Film, als Warnung gedacht, wurde in Deutschland bisher nur wenig gezeigt. Der Film „Donbass“ gibt uns jetzt den Anstoß zu überdenken, was in der Außen- und Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre versäumt wurde. Wir müssen nicht nur den betroffenen Menschen helfen, sondern uns auch den aktuellen und künftigen politischen Herausforderungen stellen.

Der Film ist in deutscher Sprache synchronisiert und dauert 120 Minuten. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Mittwoch, 11. Mai um 19 Uhr im Rathaus Lüttringhausen, Kreuzbergstr. 15, 42899 Remscheid

Der Eintritt ist frei.

Die SPD Ortsvereinsvorsitzende Gerhilt Dietrich bittet um freiwillige Spenden für die queere Nothilfe Ukraine. LSBTIQ-Menschen in der Ukraine brauchen dringend Unterstützung. Anmeldungen werden erbeten unter: ursula.wilberg@spd.de

Maikundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz

0

Die Kundgebungen zum 1. Mai, des internationalen Tags der Arbeit, sind auch in Remscheid traditionell. Um so unglücklicher waren in den vergangenen zwei Jahren die Gewerkschaften, die demokratischen Parteien sowie zahlreiche Vereine und Organisationen in der Stadt, dass der 1. Mai pandemiebedingt ohne große Kundgebung stattfinden musste. Das war mit dem gestrigen Tag Geschichte, denn der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte zu einer Maikundgebung auf den Theodor-Heuss-Platz direkt vor dem Remscheider Rathaus eingeladen.

Trommelten in den Mai: Apito Fiasko. Foto: Yannick Nützmann
Trommelten in den Mai: Apito Fiasko. Foto: Yannick Nützmann

Um 9 Uhr fand ein den Tag eröffnender Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche statt. Anschließend fand sich der Demonstrationszug zusammen, um von der Stadtkirche zum Platz am Rathaus zu marschieren. Angeführt wurde die Demonstration vom den Sambatrommlern Apito Fiasko, die mit ihren brasilianischen Grooves bei jeder Maikundgebung in Remscheid dabei sind.

Auf dem Theodor-Heuss-Platz war eine große Bühne aufgebaut worden, auf der ein kleineres Banner „Nein zum Krieg“ forderte. Eigentlich hätte dort das Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“ hängen sollen. Als auffiel, dass die Banner verwechselt wurden, war es zu spät, um dies noch zu ändern. Passend war „Nein zum Krieg“ allemal.

Die große Bühne vor dem Remscheider Rathaus, OB Burkhard Mast-Weisz am Mikrofon. Foto: Sascha von Gerishem
Die große Bühne vor dem Remscheider Rathaus, OB Burkhard Mast-Weisz am Mikrofon. Foto: Sascha von Gerishem

Zahlreiche Stände von Vereinen, politischen Gruppierungen und Gastronomen luden zu Gesprächen oder Verzehr ein: Der Stand der Linken stand in unmittelbarer Nachbarschaft zur CDU, Amnesty International war ebenso vertreten wie die Verbraucherzentrale, die Grünen, Remscheid Tolerant gemeinsam mit MUTeinander (Gemeinsam mit Respekt und Toleranz), die SPD Remscheid gemeinsam mit den Remscheider Jusos, die Tafel, der Hanfverband und zahlreiche Kulturvereine der 120 Nationen-Stadt.

Dazu eine Hüpfburg für kleinere Besucher der Veranstaltung. Das kulinarische Angebot reichte von Popcorn über internationale Spezialitäten bis zur Bratwurst. Auf der Bühne stand alles für die Free Bears bereit, eine Band, die Country, Americana und Rock and Roll spielt.

Um kurz vor 11 Uhr erreichte der Demonstrationszug den Platz. Rund 130 Menschen waren mitgegangen. Insgesamt waren etwa 250 Gäste zu den Maireden anwesend. Fahnen und Banner forderten „Schluss mit Mini-Lohn“ oder „Gute Arbeit, guter Lohn“. Auch dabei: Die alevitische Gemeinschaft Remscheid.

In seinem Grußwort freute sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nach zwei Jahren wieder auf einer Maikundgebung sprechen zu können. „Endlich wieder ein 1. Mai, wie er sein soll“, rief er aus und entwarf in seiner Rede ein aktuelles Bild der Stadtgemeinschaft, die, wie er nicht ohne Stolz berichtete, stark sei. „Inzwischen sind rund 750 Menschen aus der Ukraine, zur Hauptsache Frauen und Kinder, in unserer Stadt angekommen“, betonte er. Mast-Weisz äußerte vorsichtige Kritik an der Außendarstellung des Bundeskanzlers und beschwor die Zuhörenden, am 15. Mai zur Landtagswahl zu gehen. „Ich bitte euch nur: Wählt eine demokratische Partei.“

Anschließend wies Peter Lange, Vorsitzender des Stadtverbands des DGB, auf die vielfältigen Probleme in der Gesellschaft hin und zeigte auf, dass die Gewerkschaften ihren Teil zur Lösung derselben leisten würden. „Wir brauchen jüngere Gesichter in den Gewerkschaften“, äußerte Lange, der Landtagskandidat für die Partei Die Linke ist.

Jung-Sozialdemokrat Daniel Pilz stimmte in seiner beeindruckenden Rede zu. Pilz hat als Vorsitzender der Jusos in Remscheid entschieden politisches Profil gewonnen und präsentierte sich als Hoffnung für die Zukunft.

Hauptredner der Veranstaltung war Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, der in seinen ersten Worten feststellte: „Die Welt der Zukunft braucht Gewerkschaften.“ In seinem gut fünfzehnminütigen Beitrag ging er auch auf den Krieg in der Ukraine ein. „Unser Gegner ist nicht das russische Volk“, betonte Urban, „und nicht die russische Kultur. Unser Gegner ist die korrupte russische Politik-Elite.“ Er erklärte, dass man solidarisch mit der russischen Friedensinitiative sei. Aber auch die anstehenden Lohnverhandlungen wurden thematisiert. „20 Prozent der Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Mindestlohn“, führte Urban aus. „Und gleichzeitig gehen die Gewinne der DAX-Unternehmen durch die Decke. Irgendwann wird es unanständig, und irgendwann hört es dann auf, dass sich ein Staat, der so etwas duldet, Sozialstaat nennen darf. Also: In den anstehenden Lohnrunden muss deutlich etwas herauskommen. Und dafür werden wir kämpfen.“

In seiner Rede ging Dr. Urban auf den Rüstungsetat Deutschlands ein, der im Jahr 2022 bei über 50 Milliarden Euro liegt. „Wir brauchen keine neue Rüstungsspirale“, verkündete Urban, „wir brauchen eine neue europäische Sicherheitsordnung.“

Er schloss seine Mairede mit der Aussage, dass die Entlastungspakete wegen der stark angestiegenen Preise im Prinzip eine gute Sache wären, sie aber falsch angewendet würden. „Die Reichen partizipieren mehr davon als die Bedürftigen. Solidarität sieht anders aus.“

Bis knapp 16 Uhr gab es ein reichhaltiges kulturelles Angebot auf dem Rathausplatz.

Daniel Pilz, Rede zum 1. Mai 2022 in Remscheid

Daniel Pilz, Vertreter der Jugend im DGB-Vorstand/ 1. Mai 2022 – DGB Remscheid „GeMAInsam Zukunft gestalten“

Gemeinsam Zukunft gestalten

Mein Name ist Daniel Pilz und ich darf seit Ende letzten Jahres als Vertreter für die Jugend im DGB-Vorstand in Remscheid aktiv sein. Ich bin froh und dankbar, dass wir uns als Team im Vorstand das Thema Nachwuchs, das Gewinnen junger Menschen ganz groß auf die Fahne geschrieben haben.

Gewerkschaften bilden nach wie vor eine der wichtigsten sozialen Säulen unserer Gesellschaft, indem sie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zur Seite stehen und über die Gemeinschaft faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen gestalten.

Eins muss uns allen klar sein: Eine gute soziale Zukunft entsteht nicht einfach so, Fortschritt muss man sich erkämpfen und eine gute Zukunft muss man sich erstreiten. Gewerkschaften sind also keine verstaubten Zusammenschlüsse von gestern, die in die Mottenkiste der Geschichte gehören, wie man uns oft erzählen möchte.

Im Gegenteil, sie gestalten die soziale und solidarische Welt von morgen und wir alle können eben diese Zukunft mitgestalten und aktiv Teil davon sein. Genau das wollen wir jetzt den jungen Menschen in unserer Stadt näher bringen.

Wie wollen wir das also angehen? Wie kann man es überhaupt schaffen, die junge Generation mit einzubeziehen? Diese und noch viele weitere Fragen haben wir uns im Stadtverband gestellt und ein Konzept entwickelt, das genau da ansetzt, wo der Grundstein für eine solide Berufswahl bereits gesetzt wird. In den Schulen!

Insbesondere die Oberstufen wollen wir da in den Blick nehmen. Das 10. Schuljahr, da wo sich entscheidet, mache ich eine Ausbildung oder mache ich Abitur? Wir wollen unser breites Netzwerk nutzen und den Schulen anbieten vorbeizukommen und mit Schülerinnen und Schülern über Gewerkschaften zu sprechen.

 Das bereits in den Schulen zu tun halten wir für wichtig und richtig, denn das Thema Gewerkschaften, Betriebsverfassungsgesetz oder die Geschichte der Arbeiterbewegung kommen in den Schulen so gut wie nicht mehr vor. Zum Beispiel auch ich ganz persönlich habe in meiner gesamten Schullaufbahn, egal ob das Fach jetzt Politik oder Sozialwissenschaften hieß, nie überdie Entstehung und Funktionen von Gewerkschaften gesprochen. Im Austausch mit vielen Schülerinnen und Schüler von unterschiedlichsten Schulen wurde mir das auch bestätigt, sogar von Schülerinnen und Schülern von den Berufsschulen in unserer Stadt.

Es ist Zeit diese Lücke zu füllen. Wir wollen  den Schulen ab dem nächsten Schuljahr 2022/23 das Angebot unterbreiten, dass wir dort in ca.  90 Minuten etwas über Gewerkschaften, deren Geschichte, das Betriebsverfassungsgesetz, Betriebsräte, Tarifverträge, Jugendvertretungen und die damit verbunden Rechte der Beschäftigten erzählen.

Deshalb haben wir es uns jetzt zur Aufgabe gemacht ab sofort zur Verfügung zu stehen, in die Schulen zu gehen und aufzuklären, um damit mehr junge Menschen in Remscheid für gemeinschaftliche Gewerkschaftsarbeit zu begeistern.

Mit Blick auf unser Schulprojekt bleibt zu sagen, dass ich mir sehr wünsche, dass wir zumindest in Remscheid dafür sorgen können, dass auch für meine Generation wieder gewisse Grundsätze gelten.

Jede Arbeitsleistung muss sich lohnen, jeder Beruf verdient Respekt.

 Erst dann, wenn der Gedanke der Solidarität und des Respekts wieder flächendeckend bei allen Menschen in unserer Gesellschaft  angekommen ist, dürfen wir zufrieden sein!

 Respekt ist dabei ein klasse Stichwort, wenn ich das höre denke ich immer an die Gegenüberstellung vom Studium auf der einen  und Ausbildung auf der anderen Seite. Ausbildung an sich und auch die Azubis selbst gehen gesellschaftlich oft unter. Verbesserungen kommen politisch gar nicht vor und deshalb fordere ich von der Politik, dass endlich dafür gesorgt wird, dass Studium und Ausbildung endlich gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Das fängt tief in der Gesellschaft an, mit Respekt und Wertschätzung gegenüber jeder Arbeitsleistung und geht dann über ganz praktische Dinge wie vergünstigten Zugang zu ÖPNV Tickets, mehr Azubi-Wohnheime , eine Ausbildungsgarantie, oder einem kostenfreien Meister.

Alles Vorteile, die bei Studierenden schon längst erreicht wurden. Wir müssen damit beginnen umzudenken und die Ausbildung zu stärken, indem wir sie in den Mittelpunkt politischer und gesellschaftlicher Debatten schieben, dann kommt auch die dringend notwendige Wertschätzung von ganz alleine.

Mit unserer geplanten Unterrichtseinheit über die Welt der betrieblichen Mitbestimmung, der Tarifverträge usw. hoffen wir eben auch mehr junge Menschen für Ausbildungsberufe gewinnen zu können, und somit auch dem unter anderem von der Wirtschaft beklagten Fachkräftemangel, entgegenwirken zu können. Und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung unseres Wirtschaftsstandortes zu leisten.

Uns ist klar, dass unsere Schulinitiative  nur ein erster Schritt sein kann, um jungen Menschen klar zu machen, wie wichtig Gewerkschaftsarbeit jetzt und in den kommenden Jahren sein wird. Wie wichtig Respekt und Solidarität in unserer heutigen Gesellschaft sind und das Zukunft nur mit starken Gewerkschaften zu machen ist. Trotzdem stellen wir uns jetzt dieser Herausforderung und starten gemeinsam in dieses neue Projekt. Es ist Zeit zu zeigen, dass wir gemeinsam zusammenstehen für eine bessere Zukunft, für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Und genau deshalb freut es mich sehr, dass wir hier nach 2 Jahren Coronapause wieder zusammenkommen und ein gemeinsames lautes Signal in die Stadtgesellschaft hinein senden. Ich freue mich auf den Tag. Glück auf Remscheid!