Karl-Wilhelm Altena. *1. Juli 1911 in Lüttringhausen †17. März 1945 in Ronsdorf. Opfer der deutschen Nazidiktatur. Foto: Klaus Blumberg
Karl-Wilhelm Altena. *1. Juli 1911 in Lüttringhausen †17. März 1945 in Ronsdorf. Opfer der deutschen Nazidiktatur. Foto: Klaus Blumberg

Über 25 Jahre lag Karl-Wilhelm Altena unter falschem Namen begraben. Auf Initiative der Gedenk- und Bildungsstätte (GuB) Pferdestall aus Remscheid konnte dieser Fehler berichtigt werden. Seit Anfang Mai diesen Jahres können die Friedhofsbesucher den richtigen Namen auf dem Grabstein lesen und nun tatsächlich Karl-Wilhelm Altena gedenken. – von Tina Horky

Altena wurde am 1. Juli 1911 in Lüttringhausen geboren. Die Familie wohnte am Blaffertsberg. Als angeblicher Deserteur wurde er am 16. März 1945, vor den Augen von Lüttringhauser Bürgern in der Gaststätte Waldmüller per Standgericht zum Tode verurteilt. Vollstreckt wurde das Urteil am 17. März 1945. Im Beisein des Pfarrers Heinrich Volkert ist Karl-Wilhelm Altena auf dem Schießstand Ronsdorf-Erbschlö um 7.30 Uhr erschossen worden. Die offizielle Beurkundung seines Todes fand jedoch erst am 26. Februar 1946 statt.

„Das war damals Recht“ – Ausstellung über die menschenverachtenden Gesetze unter der Nazidiktatur

„Dem Verein war es wichtig im Rahmen der Recherchearbeit zur Ausstellung ‚Das war damals Recht‘, die sich mit den lokalen Opfern der NS-Militärjustiz befasst, sein Schicksal darzustellen, sowie den falschen Grabstein zu revidieren“, erläutert Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins. Der Verein fand heraus, dass in den 1990er Jahren, aus unerklärlichen Gründen, der richtige Grabstein durch den Helmut Altenas ersetzt wurde. Bei Helmut Altena handelt es sich um den jüngeren Bruder des Erschossenen. Helmut Altena, geboren 1913, ist jedoch bereits im August 1943 in der Ukraine gefallen. Der falsche Grabstein befand sich seit nunmehr 25 Jahren auf der Ehrengrabanalage des Friedhofes an der Lohsiepenstraße in Ronsdorf. „Warum der Grabstein vor ca. 25 Jahren abgeändert wurde und es niemand bemerkte, wird wohl nicht geklärt werden können, denn erschwerend kommt hinzu, dass die vollständige Originalakte von Karl-Wilhelm Altena kurz vor den Recherchen 2019 verschwand“, so Andrea Blesius (Schriftführerin) und Klaus Blumberg (Schatzmeister). Beide leiten die historische Arbeit des Vereins und geben Schüler*innen Hilfestellungen bei der Recherche von historischen Akten, wenn diese es erlernen wollen.

Vergessen werden darf Karl-Wilhelm Altena nicht. „Uns ist es wichtig, dass an alle Opfer des Nationalsozialismus ehrenvoll gedacht werden kann. Da gehört eben auch ein richtiger Grabstein dazu“, so Nick Jannis Schmeißer (stellv. Vorsitzender). Francesco Lo Pinto (stellv. Vorsitzender) bedankt sich im Namen des gesamten Vereins bei allen Beteiligten, die es möglich gemacht haben, Altena seinen richtigen Grabstein und somit auch seine wahre Identität zurückzugeben. Der Student betont an dieser Stelle die Kooperation mit dem Ressort 103.52 der Stadt Wuppertal.

Die GuB Pferdestall wird sich weiterhin dafür stark machen, dass die Opfer des Faschismus aus Remscheid und Umgebung nicht vergessen werden. Dazu sei auch eine Kooperation der Erinnerungsstätten im Bergischen Land notwendig, schließt Lo Pinto.

Die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall hofft auf viele Besucher der neuen Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma“ im September 2020 im Pferdestall.

Infos zum Verein

Seit 2018 ist der ehem. Pferdestall der Remscheider Polizeiwache am Quimperplatz eine feste Erinnerungsstätte der Stadt Remscheid geworden. Betrieben wird diese durch den Trägerverein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. Schüler*innen des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasiums hatten die Idee dort einen Ort des kollektives Gedenkens an Opfer und Täter des Faschismus zu errichten, da in eben jenem Ort Menschen unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt wurden, die von den Nationalsozialisten als lebensunwürdig betrachtet wurden. Von dort wurden sie dann in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Nur wenige überlebten.

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