Hüben wie drüben: Versuchte Staatsstreiche

Das versuchte Ausweiten des Postfaktischen durch Demokratiefeinde trägt immer wildere Blüten. Menschen, aufgestachelt durch die Lügen von Rechtsextremen, rufen zum Sturm auf die Republiken.

Die Bilder ähneln sich auf erschreckende Weise: Der Sturm der rechtsextremistischen Vereinigung Querdenken auf den Berliner Reichstag, Sitz der Bundesregierung, am 29. August 2020 und der wutbürgerliche Mob in Washington, USA, beim Sturm aufs Kapitol, Sitz des Kongresses, am 6. Januar 2021. Beide Gruppierungen wurden an- und aufgestachelt von narzisstischen Populist*innen, die für die Verbreitung faschistoiden Gedankenguts stehen.

Es beginnt immer gleich und unspektakulär durch das Verbreiten erster Lügen. In Deutschland zählen zu den tatsächlich geglaubten Lügen die des geplanten Bevölkerungsaustauschs durch die Regierung und die Lüge der „PLANdemie“. Dass also Corona von der Regierung ausgedacht worden sei, um die Bevölkerung von Deutschland heimlich, still und leise durch Migrant*innen zu ersetzen. Unter diesen Erzählungen kann man Menschen versammeln, die augenscheinlich nicht zusammengehören: Antisemiten, Esoteriker, Nazis, Wirtschaftsliberale, also Menschengruppen, die sich von der Gesellschaft abgekoppelt haben, um sich eine eigene Realität zu erschaffen.

„Soziale“ Netzwerke als Brandbeschleuniger

Die sogenannten „Sozialen“ Netzwerke tragen ihren gehörigen Teil an dieser Entwicklung. Viele Menschen besitzen schlicht keine Medienkompetenz und können ob der Fülle des Angebotes nicht mehr zwischen seriösen und unseriösen Medien unterscheiden. Nachrichtenblogs, die wie echte Nachrichtenseiten ausschauen aber ausschließlich rechtspopulistische Falschnachrichten verbreiten, wie etwa Journalistenwatch, Tichys Einblick, KenFM oder „Die Freie Welt“, sind nur inhaltlich von seriösen Seiten zu unterscheiden. Weiterverbreitet über Facebook oder Telegram, ungeprüft und unreflektiert, bleiben die Inhalte halber Überschriften bei den selbsternannten „Selbstdenkenden“ hängen und verfestigen sich. Aufgestachelt durch die erlogenen Inhalte, die ja genau das widerspiegeln was die Wutbürger*innen hören und denken möchten, kommt es zu antidemokratischen Übersprungshandlungen und zu Bildern wie in Berlin, wenn ein Mob durch gezielte Falschmeldungen aufgehetzt wird und unter Führung der Heilpraktikerin Tamara K. einen Staatsstreich in Deutschland anzetteln möchte. Die selbsternannte Reichsbürgerin Tamara K. rief wörtlich:

„Wir schreiben heute hier in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um, die Polizei hat die Helme abgesetzt. Vor diesem Gebäude und Trump ist in Berlin. Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt, wir haben fast gewonnen. Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Wir gehen da drauf und holen uns heute, hier und jetzt unser Hausrecht. Wir werden gleich diese komischen kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch und setzen uns friedlich auf Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen und dass wir die Schnauze gestrichen voll haben. Wir haben gewonnen.“

Natürlich war Trump nicht in Berlin, und selbstverständlich hat die Demokratie nicht vor ihren Feinden kapituliert. Aber jenseits der Realität, in der postfaktischen Wahnwelt der deutschen Wutbürger*innen, kann eine Lüge nicht hanebüchen genug sein, um geglaubt zu werden.

Die Lüge vom Wahlbetrug in den USA

Donald Trump kennt das Verfahren gut und nutzt es bereits seit seiner Amtseinführung. Gewählt durch ein Wahlsystem, das es ermöglicht hat, dass er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden konnte, obwohl er von weniger Amerikaner*innen gewählt wurde als seine Kontrahentin Hillary Clinton, befeuert er seit Tag 1 seiner Präsidentschaft das Postfaktische. Nie seien mehr Menschen zu einer präsidentischen Amtseinführung erschienen als bei ihm, Donald Trump, obwohl unzählige Fotos das Gegenteil bewiesen. Als „alternative Fakten“ bezeichnete die damalige Trump-Beraterin Kellyanne Conway diese Lüge, und diese „alternativen Fakten“ ziehen sich durch die gesamte Trump-Präsidentschaft.

Gestern gipfelten die Lügen des Reality TV-Darstellers Donald Trump in einem Sturm aufs Kapitol. Mit einer weiteren Rede voller Lügen stachelte Trump die us-amerikanischen Wutbürger*innen auf, um die Zertifizierung des amtlichen Wahlergebnisses der vergangenen Präsidentschaftswahl, deren Sieger Joe Biden heißt, zu verhindern. Weiße Troglodyten in Fellen, mit Kriegsbemalung und Ochsenhörnern, bewaffnet u.a. mit Knüppeln, stürmten den Kongress. Bewaffnete Polizeibeamte blockieren die Türen, Sitzungen werden unterbrochen, Abgeordnete in Sicherheit gebracht, die Nationalgarde muss einschreiten. Am Ende sind mindestens 50 Menschen verhaftet, vier sind tot. Der Kongress kam nach Niederschlagung des versuchten Staatsstreiches wieder zusammen und zertifizierte die Wahlniederlage des Populisten Trump demonstrativ.

Aus dem Jetzt lernen für die Zukunft

In Deutschland haben viele die Lehren aus der nationalsozialistischen Vergangenheit schlicht vergessen. Wirtschaftsliberale forderten jüngere Schulabsolvent*innen, für mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit, also wurde der Lehrplan zusammengestrichen, die Schulzeit verkürzt, vermeintlich überflüssige Fächer wie Geschichte und Sozialwissenschaften, Religion und Philosophie fielen dem Rotstift zum Opfer. Aber wir haben das Jetzt und Hier. Wem die vielen Millionen Toten von 1933 bis 1945, deren Tod durch die tumben Lügen der damaligen Nazis initiiert wurde, egal sind, weil es „schon so lange her ist“, hat jetzt eine weitere Chance zum Lernen und auch zur Umkehr. Mit der AfD sitzen auch heute wieder Faschist*innen in Bundestag und Bundesrat. In Remscheid ist ein Ableger der rechtsextremen Pro-Bewegung in Fraktionsstärke im Stadtrat vertreten, in Wuppertal und Solingen stören Vertreter*innen der rechtsextremen AfD die Demokratie, deren Fraktionen sind ob der eklatanten Inkompetenz und Egomanie der jeweiligen Vertreter bereits wieder zerbrochen.

Was wir Demokrat*innen tun können? Nicht schweigen. Unrecht anprangern, Lügen auch offen als Lügen anprangern. Mobbing, Hassrede und Falschmeldungen im Internet melden, offen widersprechen und alle Antidemokrat*innen in den Netzwerken blockieren. Ihnen die Reichweite nehmen. Sie in ihrer selbstgewählten braunen Filterblase sitzen und schmoren lassen, wie in einem „Walk on Water“-Ball, in dem jemand gefurzt hat. Und seien Sie nicht genervt von Menschen, die gegen diese Wutbürger*innen andiskutieren oder deren Methoden entlarven und anprangern. Unterstützen Sie diese Menschen durch einen „Daumen hoch“ oder ein „Gefällt mir“, oder gar durch Teilen von deren Beiträgen. Wutbürger*innen tun dies ohne Unterlass, verbreiten Beiträge, verteilen Daumen, Sternchen und Herzchen, und zeigen den Algorithmen der jeweiligen Internetseiten was „in“ ist. Wenn sich alle Demokrat*innen ebenso verhalten, selbst dezent, und auch viele „Gefällt mir“ für positivistische Inhalte verteilen, können wir die Algorithmen wieder auf die gute Seite der Macht ziehen und den Wutbürger*innen die gefühlte Vormachtstellung in den Netzwerken wieder nehmen. Die Algorithmen sind lernfähig. Wir hoffentlich auch.

Ihr Sascha von Gerishem

Zeugen nach Straßenraub in Wuppertal-Langerfeld gesucht

Unbekannte überfielen gestern Abend (06.01.2021, gegen 18:10 Uhr) einen Mann auf der Straße Löhrerlen in Wuppertal-Langerfeld.

Das 18-jährige Opfer stieg an der Haltestelle Bramdelle aus dem Bus aus und fühlte sich unmittelbar danach von drei Männern verfolgt. Nach wenigen Metern griffen die Männer den Wuppertaler mit Schlägen an und versuchten ihm seinen mitgeführten Koffer zu entreißen. Trotz Sturz gelang es dem jungen Mann seinen Koffer festzuhalten. Die Täter ließen schließlich von ihm ab und flohen unerkannt.

Sie werden als etwa 20-25 Jahren alt und 185 Zentimeter groß beschrieben. Alle waren dunkel gekleidet und trugen schwarze Masken. Zwei der drei Täter hatten sich eine Kapuze über den Kopf gezogen. Eine weitere Beschreibung der Personen liegt zur Zeit nicht vor.

Zeugen des beschriebenen Geschehens werden gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Hinweise nimmt das Kommissariat unter der Rufnummer 0202/284-0 entgegen. (weit)

Kennzeichen gestohlen

Zwei Autokennzeichen sind vermutlich in der Nacht zu Mittwoch in Marienheide-Schmitzwipper gestohlen worden. Die Kennzeichen SI-P 234 waren an einem in der Straße „Zum Waldfrieden“ abgestellten Ford angebracht und sind zwischen 20 Uhr am Dienstag (5. Januar) und 11 Uhr am Mittwoch abhanden gekommen.

Hinweise

Hinweise nimmt das Verkehrskommissariat Gummersbach unter der Telefonnummer 02261 81990 entgegen.

Skandal-Bio-Schlachthof in Neuruppin stellt Schlachtung ein

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Tierquälerei – Deutsches Tierschutzbüro fordert harte Strafen für die Täter.

Das Deutsche Tierschutzbüro hat am Dienstag Bildmaterial aus dem Bio-Schlachthof der Firma Färber in Neuruppin bei Berlin veröffentlicht. Die Bilder zeigen, wie brutal mit den Schweinen im Betäubungsbereich umgegangen wird. So werden die Tiere mehrfach getreten, geworfen und zum Teil mit Haken geschlagen. „Dies ist Tierquälerei und in dieser Form nicht erlaubt“ so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros. Die Bilder zeigen auch, dass es im Betäubungsbereich keine Fixierungsmöglichkeit gibt und so wird die Elektrozange im „Laufschritt“ angesetzt. Dies führt immer wieder zu einer unsachgemäßen Anwendung mit der Folge, dass die Schweine nicht vollständig betäubt sind. Insgesamt wurden 410 Tiere an 2 Tagen im August 2020 dokumentiert. Die detaillierte Auswertung zeigt, das bei mindestens 67 Tieren die gesetzliche Vorgabe von 20 Sekunden zwischen Betäubung und Entblutung überschritten und somit nicht eingehalten wurde.

Fehlbetäubung in etwa vier von zehn Fällen

Im Entblutungsbereich, wo der Kehlschnitt erfolgt, wurden ca. 100 Tiere dokumentiert, die eine deutliche, zum größten Teil mehrfache (bis zu 12x) Schnappatmung bzw. Maulatmung aufwiesen. Einige der Tiere zeigten zudem eine deutliche Atembewegung an der Brust und Bauchwand. Mindestens 63 Tiere zeigten sehr heftige Bewegungen mit allen Extremitäten. „Die Aufnahmen zeigen immer wieder Tiere, die sich sehr heftig bewegen, nach Luft schnappen und den Kopf bewusst bewegen. Diese Tiere sind weder betäubt noch tot, sondern sie erleiden Höllenqualen“ so Peifer. Im Entblutungsbereich wiesen viele der Tiere eine Doppelung von Anzeichen einer Fehlbetäubung auf, hatten also z.B. Schnappatmung und klare Bewegungen mit meist allen Extremitäten. Bei einem Teil der Tiere war eine Auswertung nicht möglich, da die Kamerasicht verdeckt war. „Wir gehen insgesamt von einer Fehlbetäubung von ca. 40 % aus, das ist mit das schlimmste, was man einem Tier antun kann“ so Tierrechtler Peifer.

Besonders pikant, der Schlachthof hat auch Bio-Schweine geschlachtet und belieferte kleine und regionale Metzgereien. Auch die Bio-Company hat Fleisch aus dem Schlachthof bezogen bzw. dort schlachten lassen. Die Bioladen-Kette mit 60 Filialen in Berlin, Brandenburg, Dresden, Hamburg und Potsdam hat die Zusammenarbeit mit dem Schlachthof beendet. Dieses führte sicherlich mit dazu, dass der Schlachthof nun keine Tiere mehr schlachtet. Zudem hat QS den Schlachthof im QS System gesperrt, auch nimmt der Schlachthof nicht mehr an der „Initiative Tierwohl“ teil. „Die genauen Hintergründe zur Schlachteinstellung uns bisher nicht bekannt, dennoch begrüßen wir diesen Schritt und sehen dies als Erfolg“ so Peifer und ergänzt „Jetzt müssen die Täter hart bestraft werden, Tierquälerei darf nicht folgenlos bleiben“. Basierend auf einer Strafanzeige, die das Deutsche Tierschutzbüro bereits im November gestellt hat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in Neuruppin (AZ 334 UJs 22891/20) gegen den Schlachthof wegen Verstöße gegen das Tierschutzgesetzt. Auch der Schlachthof selbst hat Strafanzeige gegen einzelne Mitarbeiter gestellt und das zuständige Veterinäramt bereitet selbst offenbar Strafanzeigen vor. In dem Schlachthof wurden ca. 600-700 Schweine pro Woche geschlachtet.

„Immer wieder wird empfohlen bei kleinen, regionalen Betrieben zu kaufen, denn dort würde kein Tier gequält. Unsere Bilder beweisen zum wiederholten Mal, dass dies ein Trugschluss ist“ so Peifer und ergänzt „ob klein, regional oder groß und weit weg, kein Tier geht freiwillig in einen Schlachthof und kein Tier will sterben“. Die Tierrechtler*innen empfehlen den Verbraucher*innen die vegane Lebensweise, denn nur so ist sichergestellt, dass kein Tier leidet. Abschließend weist das Deutsche Tierschutzbüro darauf hin, dass dies das 14te mal in den letzten fünf Jahren ist, dass Undercover-Bildmaterial Tierquälerei aus deutschen Schlachthöfen aufzeigt. „Wie viele von den angeblichen „bedauerlichen Einzelfällen“ müssen Tierrechtler*innen noch aufzeigen bis die Politik anerkennt, dass dringend Handlungsbedarf besteht und Schlachthöfe endlich geschlossen werden?“ so Peifer.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.tierschutzbuero.de/tierqual-im-bio-schlachthof/

07.01.2021: Aktuelle Gesundheitslage in Remscheid

Leider ist ein 81-jähriger Remscheider mit Corona verstorben.

Laut Gesundheitsamt gibt es aktuell 160 Remscheiderinnen und Remscheider, die an Covid-19 erkrankt sind und sich in angeordneter Quarantäne befinden.

Damit gibt es insgesamt 2.983 positiv getestete Remscheiderinnen und Remscheider. 2.725 Remscheiderinnen und Remscheider gelten als genesen, 98* Menschen sind leider verstorben. Zusätzlich gibt es mit heutigem Datum 314 Personen, die als Verdachtsfälle unter häuslicher Quarantäne stehen.

Die Krankenhäuser vermelden 24 positive Fälle in stationärer Behandlung, darunter 6 intensivpflichtige Behandlungen (3 beatmet), Stand 07.01.2021 (Das sind nicht unbedingt Remscheiderinnen und Remscheider.).

(* Die Differenz in der Zahl der Todesfälle (1) resultiert aus zeitlichen Meldeverzögerungen.)

Quelle: Stadt Remscheid

Robert Koch Institut für Remscheid heute

Es gibt insgesamt 2.983 positiv getestete Remscheiderinnen und Remscheider. Die 7-Tage-Inzidenz liegt momentan bei 80,8. 97 Menschen sind leider verstorben.

Fälle letzte 7 Tage90
Fälle letzte 7 Tage/100.000 EW80,8
Fälle gesamt2.983
Fälle gesamt/100.000 EW2.679,2
Todesfälle gesamt97
Einwohnerzahl111.338
BundeslandNordrhein-Westfalen
Meldung des RKI.

Corona in Remscheid

Alle unsere Meldungen zu Corona in Remscheid und den Inzidenzwert Remscheid findet man auch direkt und einfach unter www.corona-remscheid.de.

Hotline für Ältere und Vorerkrankte verstärkt

Um den Service für Ältere und Vorerkrankte zu verbessern, wird ab Montag, 25. Januar 2021, eine weitere Telefonnummer freigeschaltet. Die Hotline ist von Montag – Freitag jeweils von 8 bis 16 Uhr unter den Rufnummern (0 21 91) 4 64 53 51 und (0 21 91) 4 64 55 81  zu erreichen!

Nachtrag: Presseschau 6. Januar 2021

Diese Themen waren ebenfalls am 6. Januar 2021 Gegenstand von Berichterstattung in der Presse.

Welt

MZ zu US-Demokraten

Die Demokraten dürften nun für die nächsten zwei Jahre das Weiße Haus, das Repräsentantenhaus und den Senat beherrschen. Indes müssen sich die Republikaner überlegen, ob sie weiter einem narzisstischen Diktatoren-Darsteller hinterherlaufen wollen, dessen wahnwitzige Einlassungen Wähler in Georgia verschreckt und die Konservativen den Sieg gekostet hat.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung – www.mz-web.de

„Rhein-Neckar-Zeitung“ (Heidelberg) zu USA
Georgia – Republikaner

Von Trumps Kernklientel abgesehen, scheint es dafür immer weniger Zustimmung zu geben. Selbst in Georgia, traditionell einer Hochburg der Republikaner, haben die Demokraten bei der Präsidentenwahl triumphiert. Und sie haben hier, tief im Süden, mindestens einen, wahrscheinlich sogar zwei Senatssitze errungen. Letztlich werden die Republikaner sich entscheiden müssen: Setzen sie, wie Trump, auf Machterhalt um jeden Preis und gesellschaftliche Polarisierung? Oder werden sie wieder zu einer staatstragenden, kompromissfähigen Partei? Anders gesagt: Schaffen sie es, Trumps Ungeist auszutreiben?

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung – www.rhein-neckar-zeitung.de

Wahlgeschenk für Biden, Kommentar zum US-Senat von Peter De Thier

Die symbolische Aussagekraft der sicher erscheinenden demokratischen Siege bei den Senatswahlen in Georgia ist immens. Im Alleingang hat US-Präsident Donald Trump, der bis heute seine Wahlniederlage nicht anerkennen will, zwei republikanische Favoriten zu Fall gebracht. Trump ging es nur darum, an der Macht festzuhalten, wohl nicht zuletzt deshalb, um als Privatmann der Justiz zu entgehen. Deswegen hat er in den Swing States, allen voran dem traditionell konservativen Georgia, das Wahlergebnis angezweifelt.

Trump hat über angebliche Wahlmanipulation geschimpft und zuletzt sogar mit Mafia-Methoden versucht, den zuständigen Wahlleiter zu zwingen, 11000 Stimmen zu „finden“ und das Ergebnis zu seinen Gunsten zu kippen. Der Zirkus hat bei republikanischen Wählern das Vertrauen in die Legitimität korrekt durchgeführter Wahlen erschüttert. Viele haben auf die Stimmabgabe verzichtet und somit den Weg bereitet für demokratische Siege.

Die Selbstsucht des scheidenden Präsidenten hat aber auch handfeste politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Dem künftigen Präsidenten Joe Biden, dem er bisher nur Steine in den Weg gelegt hatte, wird das Regieren nun nämlich deutlich leichter fallen. Biden wird nicht mehr mit einem republikanisch beherrschten Senat zu kämpfen haben. Dort konnte bisher der übermächtige Fraktionschef Mitch McConnell jedes demokratische Gesetzesvorhaben blockieren. Hätte McConnell im Senat weiter das Sagen, wären Biden ungeachtet seiner Kompromissbereitschaft und Fähigkeit, Feinde zu einen, die Hände gebunden gewesen.

Dank der Inkompetenz und des Egoismus seines Vorgängers kann der künftige Präsident, sollten die als sicher erscheinenden Ergebnisse Bestand haben, nun aber aufatmen. Im Repräsentantenhaus verfügen die Demokraten ohnehin über eine klare Mehrheit. Wenn Bidens Parteifreunde im Senat bei Gesetzesvorlagen an einem Strang ziehen, dann wäre seine Vizepräsidenten Kamala Harris das Zünglein an der Waage und würde das entscheidende Votum im Sinne ihres Chefs abgeben.

Biden könnte eine Steuerreform durchsetzen und konjunkturbelebende Ausgabenprogramme in Kraft setzen, Haushaltsgesetze durchbekommen, grüne Energien fördern und das Gesundheitswesen umkrempeln. Eine scheinbar brachliegende Präsidentschaft hat plötzlich kräftigen Auftrieb bekommen, dafür sollte Biden seinem Vorgänger vielleicht sogar dankbar sein.

Quelle: Börsen-Zeitung – www.boersen-zeitung.de

Deutschland

MZ zu Pandemie/Bewegungseinschränkungen

Die deutschlandweite Beschränkung der Bewegungsfreiheit über die Festlegung auf einen 15-Kilometer-Radius ist eine fragwürdige Maßnahme. Die aktuellen Corona-Zahlen gehen zurück auf Ansteckungen aus den Weihnachtstagen und der Silvesterzeit. Letztlich auf Lockerungen, die die Politik bewusst ermöglicht hat – und ihre Folgen nun beklagt. Den Umstand, dass nun einige Unvernünftige in Wintergebieten wie dem Harz beim Rodeln zu wenig Abstand gehalten haben, als Anlass zu nehmen für die Bewegungseinschränkung, ist hanebüchen. Zumindest, wenn man bedenkt, dass nach wie vor hunderttausende Arbeitnehmer zwischen Halle und Leipzig, innerhalb Sachsen-Anhalts und zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt pendeln.

Es wird nicht vernünftiger dadurch, dass dieser Radius nicht um den jeweiligen Wohnort gelten soll, sondern die jeweilige Stadt.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung – www.mz-web.de

Schul- und Kita-Entscheidungen – Endlich Schluss mit Wischiwaschi – von Anneke Quasdorf

Halleluja möchte man rufen angesichts der Beschlüsse aus Düsseldorf. Denn die Entscheidung, alle Schüler geschlossen im Distanzunterricht zu beschulen, ist die erste vernünftige seit Monaten. Natürlich stellt das Eltern weiterhin vor gravierende Probleme. Aber wenigstens ist jetzt Schluss mit diesem Wischiwaschi, das vor Weihnachten praktiziert wurde: der Aufhebung des Präsenzunterrichts.

Damit wurde die Verantwortung nicht nur auf die Eltern abgewälzt, die selbst entscheiden mussten, ob ihr Kind zu Hause bleibt oder nicht. Sondern den Lehrern auch noch die Mehrarbeit aufgebürdet, zwei Formen von Unterricht vor- und nachzubereiten. Ein Großteil der Schüler saß aufgrund von Betreuungsproblemen und Leistungsdruck trotzdem im Unterricht, weshalb es mit dem Infektionsschutz weiterhin nicht weit her war.

Jetzt ist eine klare Regelung da, und das ist gut für alle. Zumal sie Hand in Hand geht mit der ebenso vernünftigen Entscheidung, die Kitas eingeschränkt offen zu lassen. Ideal, das ist klar, ist die Situation für keinen. Weder für die Kinder, noch für die Eltern, weder für die Lehrer, noch für die Erzieher. Aber es ist das Beste, was gerade rauszuholen ist.

Quelle: Neue Westfälische (Bielefeld) – www.nw.de

Corona-Krise führt Lehrstellenmarkt in ein historisches Tief – Ausbildungsreife mit allen Mitteln von Carolin Nieder-Entgelmeier

Das Ende der Corona-Pandemie ist dank der Verfügbarkeit von immer mehr Impfstoffen endlich in Sichtweite, doch der wirtschaftliche Ausblick trübt sich in vielen Bereichen schon wieder ein. Auch für viele junge Menschen in Ostwestfalen-Lippe verheißt der Blick auf die kommenden Monate und Jahre nichts Gutes, denn die Corona-Krise hat den Ausbildungsmarkt hart getroffen.

Die Zahl der Lehrstellen in Ostwestfalen-Lippe ist im Ausbildungsjahr 2019/2020 auf ein historisches Tief gesunken, während die Zahl unbesetzter Lehrstellen ein nie da gewesenes Hoch erreicht hat. Gleichzeitig steigt die Zahl unversorgter Bewerber, die auch keine schulische Perspektive mehr haben. Mittlerweile haben 1.263 junge Menschen weder eine schulische, noch eine berufliche Perspektive und warten zu Hause, ob sie vielleicht im nächsten Jahr die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten. Das sind satte 20 Prozent mehr als noch 2019 und der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sich seit Jahren in der Region manifestiert.

Überraschend ist es nicht, dass Unternehmen in existenzbedrohenden Zeiten wie diesen weniger Auszubildende einstellen. Doch die Corona-Krise hat den Lehrstellen-Markt in Ostwestfalen-Lippe mit einer Wucht getroffen, die ihr langfristig schaden wird, wenn Unternehmen, Schulen und auch die Politik nicht schnellstens reagieren. Mit der Devise, dass sich nach dem Ende der Pandemie schon alles wieder einpendeln wird, können die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt nicht gelöst werden. Denn die Pandemie hat vor allem Probleme verschärft, die bereits seit Jahren bestehen.

Probleme, die Unternehmen die Suche nach ausbildungsreifen Lehrlingen und Jugendlichen die Suche nach passenden Ausbildungsplätzen erschwert. Auf Dauer schadet das nicht nur dem System der dualen Ausbildung, sondern der Volkswirtschaft. Der Kampf für einen starken Lehrstellenmarkt liegt also nicht nur im Interesse der Wirtschaft, sondern der gesamten Gesellschaft in Ostwestfalen-Lippe.

Damit Lehrstellen nicht unbesetzt bleiben, sich der Fachkräftemangel nicht verstärkt und junge Menschen nicht zu Bildungsverlierern werden, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Ziel muss sein, dass Jugendliche mit allen Mitteln ausbildungsreif werden und auch nach Absagen von Unternehmen weiter die Möglichkeit haben, Vollzeit zur Schule zu gehen. Gefragt sind hier neben weiteren Angeboten in Berufskollegs vor allem neue Angebote in den ausbildenden Unternehmen, die ihre Lehrlinge auf dem Weg zur Fachkraft noch mehr unterstützen müssen. Vielen Betrieben wird in Zukunft gar nichts anderes übrig bleiben.

Quelle: Neue Westfälische (Bielefeld) – www.nw.de

Gemeinsame Erklärung nach dem ersten Krisenstab des neuen Jahres

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, Krisenstabsleiter Johannes Slawig und Gesundheitsdezernent Stefan Kühn wenden sich im Anschluss an die erste Krisenstabssitzung des neuen Jahres mit einer gemeinsamen Erklärung an die Bürgerinnen und Bürger.

Sorge, aber auch Zuversicht haben die erste Sitzung des Krisenstabes im Jahr 2021 geprägt. Die Herkulesaufgabe eines flächendeckenden Impf-Angebotes  wird alle Ebenen des Staates auf viele Monate beanspruchen. Wir brauchen also weiterhin Geduld und konsequentes Handeln in dieser Ausnahmesituation. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht von den Handelnden Verlässlichkeit und größtmögliche Transparenz.  Wir erhoffen uns daher gerade beim Thema Impf-Strategie eine stabile, hohe Verfügbarkeit der Impfstoffe und frühestmögliche Informationen zur Organisation für die verschiedenen Alters- und Risikogruppen. Die Menschen brauchen eine Perspektive für den Ausweg aus der Pandemie.

Stadt bleibt bei restriktiver Grundhaltung

Stadtdirektor und Kämmer von Wuppertal: Johannes Slawig. Foto: Antje Zeis-Loi Medienzentrum
Stadtdirektor und Kämmer von Wuppertal: Johannes Slawig. Foto: Antje Zeis-Loi Medienzentrum

Die Stadt bleibt angesichts der hohen Zahl von Neuinfektionen konsequent bei ihrer restriktiven Grundhaltung:
Oberste Priorität haben der Schutz der Schwächeren und der verlässliche Erhalt aller notwendigen Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger. Das Verbot für Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen aus zwei Haushalten wird daher auch für den privaten Bereich aufrechterhalten, sofern nicht das Land nun auch Regelungen für den privaten Bereich trifft. Ebenso die Zugangs- und Besuchsregeln in den Pflegeeinrichtungen, bis die Impfungen dort abgeschlossen sind. Für den Fall einer Rückkehr zum Präsenzunterricht an unseren Schulen ab Februar wollen wir, wie vom Hauptausschuss beschlossen, in Abstimmung mit dem Schulministerium festschreiben, dass ab den Klassen 8 die Abstandsregel von 1,50 Meter im Unterricht einzuhalten ist. Für Verwaltung und Politik gilt ein weitreichender Verzicht auf Präsenzsitzungen. Die Einhaltung der Schutzregeln im öffentlichen Leben wird weiterhin mit höchster Priorität kontrolliert. Hierbei danken wir der Polizeibehörde für ihren außerordentlichen Einsatz.

Wir brauchen Rücksicht und Zusammenhalt

Stefan Kühn, Gesundheitsdezernent von Wuppertal. Foto: Stadt Wuppertal
Stefan Kühn, Gesundheitsdezernent von Wuppertal. Foto: Stadt Wuppertal

Nach der Veröffentlichung der neuen Coronaschutzverordnung des Landes wird der Krisenstab bis zum Ende der Woche entscheiden, ob er die Landesregelungen erneut mit einer eigenen Allgemeinverfügung ergänzt. Wir bitten alle Wuppertalerinnen und Wuppertaler ausdrücklich um ihre Unterstützung für diese Maßnahmen und um ihr Verständnis für die notwendigen Konsequenzen zur erfolgreichen Bekämpfung der Pandemie. Unmut ist nach Monaten der Einschränkungen verständlich, soll aber nicht das Handeln bestimmen. Rücksicht und Zusammenhalt werden uns durch diese herausfordernde Zeit bringen.

Quelle: Stadt Wuppertal

07.01.2021: Corona in Wuppertal

Am 7. Januar um 8 Uhr sind für Wuppertal folgende Zahlen gemeldet:

Bestätigte Fälle (Gesamtzahl infizierte Menschen):10224
– davon aktuell infizierte Personen:1253
– davon genesene Personen:8733
– davon verstorbene Personen238
Gesamtzahl in Quarantäne2025
– davon in häuslicher angeordneter Quarantäne1938
– davon in freiwilliger Quarantäne87
Anzahl Neuinfektionen vom Vortag:157
Neuinfektionen der letzten 7 Tage:488
Neuinfektionen der letzten 7 Tage pro 100.000 Einwohner:137,46

Quelle: Stadt Wuppertal

Robert Koch Institut heute für Wuppertal

Es gibt insgesamt 10.182 positiv getestete Wuppertalerinnen und Wuppertaler. Die 7-Tage-Inzidenz liegt momentan bei 135,7. 237 Menschen sind leider verstorben.

Fälle letzte 7 Tage482
Fälle letzte 7 Tage/100.000 EW135,7
Fälle gesamt10.182
Fälle gesamt/100.000 EW2.867,4
Todesfälle gesamt237
Einwohnerzahl355.100
BundeslandNordrhein-Westfalen
Meldung des RKI.

07.01.2021: Corona in Solingen

Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie in Solingen bisher 5.064 bestätigte Fälle gemeldet.

Aktuell sind 348 Personen nachgewiesen infiziert, 50 Patient:innen werden derzeit stationär behandelt, die übrigen ambulant betreut. 4.605 Menschen sind wieder genesen. 111 mit dem Virus infizierte Menschen sind bisher verstorben.

In den letzten sieben Tagen sind insgesamt 193 Corona-Neuinfektionen festgestellt worden. Damit entfallen 121,2 neue Fälle auf je 100.000 Menschen, die in der Klingenstadt leben.

In Quarantäne befinden sich derzeit insgesamt 920 Personen. Die Quarantäne beenden konnten 21.010 Personen.

Zahlen zeugen noch nicht von Entspannung!

Dass die Sieben-Tages-Inzidenz in Stadt und Land in den vergangenen Tagen gesunken ist, weist noch nicht auf eine Entspannung der Infektionslage hin. Bei der Interpretation der Fallzahlen muss man beachten: Wegen der Feiertage suchten weniger Menschen eine Ärztin oder einen Arzt auf. In Solingen und in anderen Städten wurde weniger getestet, zum Teil pausierten die Testzentren ganz. Auch die Labore arbeiteten über die Feiertage nur eingeschränkt.

Quelle: Stadt Solingen – Stand: 06.01.2021 – 17:09 Uhr

Aktuelle Meldung vom Robert Koch Institut für Solingen

Es gibt insgesamt 5.064 positiv getestete Solingerinnen und Solinger. Die 7-Tage-Inzidenz liegt momentan bei 129,4. 111 Menschen sind leider verstorben.

Fälle letzte 7 Tage206
Fälle letzte 7 Tage/100.000 EW129,4
Fälle gesamt5.064
Fälle gesamt/100.000 EW3.180,0
Todesfälle gesamt111
Einwohnerzahl159.245
BundeslandNordrhein-Westfalen
Meldung des RKI.

Corona-Hotline für Solingen

Abstand halten, Mund und Nase bedecken, Einschränkungen und Schutzmaßnahmen beachten – jede und jeder von uns kann dazu beitragen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Nur gemeinsam können wir es schaffen. Die Stadt Solingen hat eine Corona-Hotline eingerichtet: 0212 / 290-2020. Infos aus Solingen: Wir alle sind gefordert.

Presseschau 6. Januar 2021

Diese Themen waren am 6. Januar 2021 Gegenstand von Berichterstattung in der Presse.

Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Corona-Beschränkungen

So folgerichtig wie hart ist auch die Entscheidung, Schulen und Kindertagesstätten vorerst geschlossen zu halten. Sie zu öffnen wäre in dieser Lage riskant – ohne verlässlich gesunkene Zahlen wird auch der in Baden-Württemberg für Grundschulen und Kitas angestrebte Termin 18. Januar eine Illusion bleiben. Auch hier ist weiter der arg strapazierte Durchhaltewille gefragt – dann hoffentlich mit besserem Distanz- und Onlineunterricht. So langsam Deutschland seine digitalen Mängel auch behebt, der längere Lockdown taugt nicht als Ausrede, praktisch gar kein Lernen anzubieten.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten – www.stuttgarter-nachrichten.de

Welt

nd.DerTag zur abgelehnten Freilassung von Julian Assange

„Bail denied“ – Kaution abgelehnt. Julian Assange bleibt also weiter in Haft. Die Londoner Richterin Vanessa Baraitser folgt damit dem Begehren der US-Behörden, die die Auslieferung des Veröffentlichers geheimer Irak-Papiere weiterhin verfolgen wollen. Ob das auch unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden so bleiben wird, ist noch nicht klar. Mit der Ablehnung der Kaution widerspricht Baraitser ihrer eigenen Entscheidung vom Montag. Sie hatte eine Auslieferung mit Blick auf die gesundheitliche Lage des Gefangenen abgelehnt, die nicht mit den Haftbedingungen in den USA vereinbar sei. Baraitser ignoriert nun jedoch, dass die Haftbedingungen, denen Assange im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh ausgesetzt ist, sich kaum von denen unterscheiden, die der Grund dafür waren, Assange nicht auszuliefern. Baraitser glaubt, Assange könne immer noch fliehen wollen. Doch wohin? Das Asylangebot von Mexiko ist nach den negativen Erfahrungen mit Ecuador nicht ernsthaft in Betracht zu ziehen. Assange bleibt einzig der Aufenthalt in Großbritannien.

Die Fortdauer der Haft bedeutet für Assange akute Lebensgefahr. Die hinzugezogenen Experten trauen ihm trotz oder gerade wegen seiner Depressionen zu, eine Möglichkeit zum Suizid zu finden. Wie im letzten Jahr eine Rasierklinge in seine Zelle gelangte, konnte nie geklärt werden.

Assange muss nun auf den Einspruch der US-Regierung in dem Verfahren warten. Die USA – egal ob unter dem amtierenden US-Präsidenten Trump oder dem designierten Nachfolger Joe Biden – hätten jetzt die Möglichkeit, Milde walten zu lassen und ihren Angriff auf die Pressefreiheit und journalistische Arbeit zu beenden. Statt Rachejustiz ein Bekenntnis zur Pressefreiheit, der in Demokratien nicht nur auf dem Papier ein hoher Stellenwert beigemessen wird.

Quelle: neues deutschland – www.neues-deutschland.de

Hongkong: Haltung? Fehlanzeige! Peking drangsaliert die Hongkonger Demokratiebewegung weiter. Die EU sollte mehr Druck auf China ausüben. Gelegenheiten dazu gibt es reichlich.

Weltweit brauchen die Hongkonger Bürgerrechtler:innen nicht groß auf Beistand zu hoffen. Von den Vereinten Nationen hat China nichts zu befürchten; die Deutung Pekings, das Hongkonger „Sicherheitsgesetz“ als innere Angelegenheit zu betrachten, findet in den vielen wirtschaftlich abhängigen Staaten ganz überwiegend Zuspruch. Bleiben die USA unter Biden als möglicher Hoffnungsschimmer. Und Europa?

Das Investitionsabkommen ist noch nicht endgültig unterschrieben – aber auch darüber hinaus hat die EU auf jeden Fall Gelegenheit, sich der Repression in Hongkong entgegenzustemmen und zu zeigen, dass ihr Einsatz für die Demokratie weltweit mehr bedeutet als wohlfeile Sprüche. Für Sanktionen bräuchte es Einstimmigkeit, die zurzeit in der gespaltenen Union bekanntlich eher unwahrscheinlich ist; aber auch unterhalb dieser Schwelle ließen sich Haltung und Entschlossenheit beweisen.

Quelle: Frankfurter Rundschau – www.fr.de

nd.DerTag zur Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia

Der Erfolg der Demokraten Raphael Warnock und Jon Ossoff bei den Stichwahlen zum US-Senat in Georgia ist ein Sieg für Basisarbeit und für Stacy Abrams Zehn-Jahres-Plan. Dieser bestand aus jahrelanger aktivistischer Wühlarbeit, dem Aufbau von Basisorganisationen zur Wählermobilisierung, aggressivem Vorgehen gegen Republikaner-Taktiken der Wählerstimmen-Unterdrückung – sowohl politisch als auch juristisch – und der Registrierung neuer Wähler in einem ethnisch diverser werdenden Staat. Abrams und viele weniger prominente Demokraten-Aktivisten haben so den Wahlsieg von Warnock und Ossoff ermöglicht.

Viele andere Wahlkämpfe der Demokraten werden fast vollständig von teuren Establishment-Consultants und einer Beraterindustrie dominiert, die kurzfristig vor der Wahl einen Staat mit Anzeigen überschwemmen. Aktivistische Politikarbeit ist mühsamer, aber nachhaltiger. Statt wie die Demokraten es vielerorts tun, fast alle Spendengelder in Fernsehanzeigen zu investieren, hatte Abrams, früher Fraktionsführerin im Staat, auch Gelder an Aktivisten weitergeleitet. Die haben eine Regenbogen-Koalition zusammengetrommelt und den „neuen Süden“, von dem Abrams schon lange spricht, in Georgia Wirklichkeit werden lassen.

Quelle: neues deutschland – www.neues-deutschland.de

nd.DerTag zur Kürzung der Ölförderung durch die OPEC+

Die Lage am Weltölmarkt ist kompliziert. Der OPEC fällt es immer schwerer, einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen der Länder des Erdölkartells plus Russland herbeizuführen. Die Mehrheit unter Führung Saudi-Arabiens will die globale Produktion senken oder zumindest unverändert lassen, um so den Ölpreis hochzuhalten. Russland will dagegen eine weitere Anhebung um mindestens 500 000 Barrel täglich, um den niedrigen Preis durch höhere Verkäufe wettzumachen.

Umso überraschender, dass sich die OPEC+ bei ihren um einen Tag verlängerten Beratungen doch auf eine Kürzung einigte. Das ist umso erstaunlicher, als der Iran mit seiner Entscheidung zur weiteren Urananreicherung eine baldige Aufhebung der US-Sanktionen und damit eine Rückkehr in den Kreis der Ölexporteure ausschließt, was die Menge ohnehin verknappt. Der Deal sieht vor, dass die Fördermenge insgesamt reduziert wird, nicht zuletzt wegen der weiter schwächelnden weltweiten Nachfrage in der Coronakrise, und dass Russland und Kasachstan ihre Förderung erhöhen können.

Letztlich war ein gemeinsamer OPEC-Beschluss wichtiger als das Beharren auf die jeweiligen Standpunkte. Denn er ist ein Signal an die Ölmärkte, dass mit der OPEC als wichtigstem Anbieter weiter zu rechnen ist.

Quelle: neues deutschland – www.neues-deutschland.de

Deutschland

Das dauert – Kommentar von Christian Matz zum Impfen

Bitte nicht falsch verstehen, und das Folgende bitte nicht als Zynismus auslegen: Trotz des immensen Drucks, trotz der steigenden Todeszahlen und der unfassbaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen – beim Thema Impfen und Impfstoffknappheit ist es ganz wichtig, auch einmal kurz innezuhalten und die Situation möglichst unaufgeregt zu beurteilen. Umso mehr, wenn die einen seit Tagen von einem Impfdesaster, gar einem deutschen Staatsversagen sprechen, und die anderen (Regierungsvertreter vor allem) versuchen, die Lage schönzureden. Eine nüchterne Analyse kann dagegen derzeit nur zu folgendem Schluss kommen: Es holpert an vielen Stellen – aber es ist völlig übertrieben, von einem Versagen zu sprechen. Weil es für eine solche Einschätzung noch viel zu früh ist. Und, auch dies gehört zu einer Einordnung dazu: Es holpert, abgesehen von Israel und mit Abstand Großbritannien, überall auf der Welt beim Thema Impfen. Der Fortgang in Israel ist in der Tat beeindruckend, aber das Land ist eben in vielerlei Hinsicht – angefangen bei der Größe und damit der Größe der Aufgabe – nicht vergleichbar. In Frankreich, Österreich und den Niederlanden gibt es übrigens Kritik, warum es mit dem Impfen nicht so schnell geht wie etwa in – Deutschland.

Die Analyse im Einzelnen: Die EU und damit auch Deutschland haben es versäumt, sich rechtzeitig (noch) größere Mengen der Impfstoffe von Biontech und Moderna zu sichern, das ist ganz klar. Aber: An dem derzeitigen Problem der Impfstoffknappheit hätte das wenig bis nichts geändert. Und obwohl eine Rückschau müßig ist, weil man hinterher schlauer ist: Auch noch sehr spät im vergangenen Jahr gab es gute Gründe, auf mehrere Anbieter zu setzen. Und es gab auch Gründe für die Zurückhaltung bei Biontech. Einem bis dato unbekannten und vergleichsweise schwer zu verarbeitenden (Kühlung!) Impfstoff. Es ist deshalb auch jetzt noch nicht sicher, dass das am Ende der „beste“ Impfstoff sein wird – auf Dauer wird es darauf ankommen, einen möglichst guten, unkomplizierten und, ja, auch billigen Impfstoff zu haben. Das generelle Ziel bei der Bekämpfung der Pandemie ist nämlich nicht, dass Deutschland möglichst schnell durchgeimpft ist – das Ziel ist, dass in möglichst vielen Ländern möglichst viele Menschen möglichst schnell geimpft sind, angefangen bei den Älteren und Risikogruppen. Das geht nur mit möglichst vielen Impfstoffen – einer breiten Streuung also.

Speziell zur Lage in Deutschland: Es hakt auch hier beim Impfen noch an sehr vielen Stellen, wie gesagt. Bei den Abläufen, in der Verwaltung. Aber auch hier gilt: Angesichts der Mammutaufgabe Massen-Impfen, die nur ein Teil der Mammutherausforderung Corona-Pandemie ist, ist nach nur wenigen Tagen ein abschließendes Urteil nicht möglich. Theoretisch stehen die Impfzentren seit Wochen – der Praxistest ist eben erst jetzt möglich. Die Terminvergabe muss sich einspielen, das anfängliche Chaos muss behoben werden, gar keine Frage. Gerade Senioren muss das Impfen so leicht wie möglich gemacht werden, auch denen, die alleine zu Hause leben. Dies alles in den Griff zu bekommen, ist aber keine Frage von wenigen Tagen. Wir reden bei der Impfkampagne über mindestens mehrere Monate, bis zum Sommer. Nichts anderes hat übrigens auch Biontech-Chef Sahin von Anfang an gesagt. Das dauert. Das geht nicht alles gleichzeitig. Denn so etwas gab’s noch nie. Die nächsten Monate werden in jeder Hinsicht hart, auch in dieser.

Was bei der Diskussion um ein (angebliches) Impfdesaster derzeit völlig untergeht: Ein mittel- bis langfristig noch größeres Problem als die Impfstoffknappheit – die hoffentlich bald behoben sein wird – ist die Impfskepsis in großen Teilen der Bevölkerung, angefangen beim Personal in den Heimen. Das Organisationschaos muss und kann man bekämpfen. Der Kampf gegen fest gefügte Einstellungen in den Köpfen aber – der wird noch schwieriger.

Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz – www.allgemeine-zeitung.de

Grüne kritisieren Programm „Polizei 2020“: Reform der Polizei-IT kommt zu langsam voran

Innenexpertin Mihalic: Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Osnabrück. Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, die vor vier Jahren gestartete Modernisierung der IT-Strukturen bei den Polizeien in Deutschland zu langsam umzusetzen. Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic kritisierte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass Bund und Länder bei dem Programm „Polizei 2020“ – das die Jahreszahl im Titel trägt – in Verzug seien. Mihalic sagte: „Man hat mit ,Polizei 2020′ falsche Erwartungen in eine schnelle Umsetzung geweckt, und das strahlt nicht gerade Verlässlichkeit aus.“ Die Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen fügte hinzu: „Der föderale Reformbedarf der polizeilichen Zusammenarbeit ist immens.“ Da sei es „wenig hilfreich, im Marketingstil eine Jahreszahl als vorgebliches Projektziel an die Wand zu werfen“.

Dabei bezieht sich Mihalic auf die Antwort der Bundesregierung auf eine von ihr gestellte Kleine Anfrage. Darin räumt das Bundesinnenministerium ein, dass das 2017 initiierte Programm „Polizei 2020“ weder in 2020 noch kurz danach abgeschlossen werde, diese Erwartung sei „verfehlt“. 2020 sei vielmehr als eigentlicher Start zu sehen. Der grundsätzliche Planungshorizont umfasse etwa zehn Jahre. Laut Bundesregierung sind die konzeptionellen Vorbereitungen so weit abgeschlossen, und das geplante Datenhaus beim Bundeskriminalamt (BKA) werde aktuell konzipiert.

Auch bei den Geldern zeigt sich nach Ansicht der Grünen, dass das Projekt nur unzureichend vorankommt. Laut Bundesregierung wurden für die Zeit von 2018 bis 2020 rund 216 Millionen Euro bereitgestellt, allerdings bis November 2020 erst 73 Millionen Euro abgerufen. Mihalic sagte, dies spreche „Bände mit Blick auf die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Als Grund für die schleppende Umsetzung gelten Reibungsverluste zwischen Bund und Ländern.

Das Programm „Polizei 2020“ soll die elektronische Datenverarbeitung für alle Polizeien von Bund und Ländern in Deutschland vereinheitlichen. Das Ziel lautet weniger Bürokratie, schnellere Fahndungserfolge und besserer Datenschutz.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung – www.noz.de

Tagesspiegel exklusiv: Agrarministerin Klöckner prüft Tierwohlabgabe auf Fleisch

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will noch in dieser Legislaturperiode die Weichen für einen tierwohlgerechten Umbau der Nutztierhaltung stellen und liebäugelt mit einer Verbrauchsabgabe, um Fleisch teurer zu machen. „Ich kann mir sehr gut eine Tierwohlabgabe auf Fleisch und Wurstwaren vorstellen“, sagte Klöckner dem Tagesspiegel (Donnerstagausgabe). Weitergehende staatliche Vorschriften, um den Konsum tierischer Erzeugnisse einzuschränken, lehnt die Ministerin aber ab.

Quelle: Der Tagesspiegel – www.tagesspiegel.de

Kommentar von Sascha von Gerishem: Ministerin Klöckner verwendet den Euphemismus „Weitergehende staatliche Vorschriften, um den Konsum tierischer Erzeugnisse einzuschränken“, um zu sagen, dass sie keine Veränderungen in der Massentierhaltung, der industriellen Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie durchsetzen wird.

nd.DerTag: Berliner Gewerkschaftsvorsitzender fordert Förderquote für barrierefreie Wohnungen bei Neubauten

Berlin. Der Berliner Bezirksverband der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) warnt vor einem dramatischen Mangel an altersgerechten Wohnungen in den kommenden Jahren in der Metropole. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Studie des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft, laut der die Zahl der Berlinerinnen und Berliner, die älter als 65 Jahre sind, bis zum Jahr 2035 auf 860 000 ansteigen könnte. Das würde einem Bevölkerungsanteil von 21 Prozent entsprechen. Zwar gäbe es Förderprogramme für den Neu- und Umbau von Wohnungen, damit diese barrierefrei ausgestaltet werden können. „Doch die Fördertöpfe werden nicht ausgeschöpft“, kritisierte der Bezirksvorsitzender der IG BAU, Christian Stephan, gegenüber der in Berlin erscheindenden Tageszeitung „nd.DerTag“ (Donnerstagausgabe). Der IG BAU-Bezirkschef fordert daher die Umsetzung der Schaffung eines Berliner Wohnungskatasters, um einen Überblick über die Ausstattung der vorhandenen Wohnungen zu bekommen, damit eine gezielte Föderpolitik möglich wird.

Wenn die jetzige und die künftige Rentnergeneration nicht stärker bei der Wohnraumversorgung berücksichtigt werde, so Stephan zu „nd.DerTag“, drohe in einigen Jahren eine „graue Wohnungsnot“. Es gehe um Lebensqualität, und es dürfe nicht sein, dass Senioren „nur deshalb ins teure Pflegeheim müssen, weil eine ambulante Betreuung an der fehlenden seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“. Stephan fordert außerdem eine Quote beim Neubau für barrierefreie Wohnungen. Zwar könne der rot-rot-grüne Senat in Berlin privaten Bauherren nicht zwingend vorschreiben, eine entsprechende Anzahl barrierefreier Wohnungen zu errichten. Denkbar wäre allerdings, die Vergabe von Krediten und Förderdarlehen an eine entsprechende Quote zu knüpfen.

Allerdings nimmt der private Bausektor derzeit kaum Fördermittel in Anspruch. Als Instrument zur „Motivierung“ schlägt Stephan eine Pflichtabgabe für Bauherren vor, die eine vorgegebene Quote nicht erfüllen. Vorbild könnte dabei die gesetzliche Schwerbehindertenquote für Betriebe sein, bei deren Nichteinhaltung eine Abgabe von bis zu 320 Euro pro Monat je unbesetztem Arbeitsplatz fällig wird. Das wäre allerdings nicht auf Landesebene zu regeln, sondern nur mit einem Bundesgesetz.

Quelle: neues deutschland – www.neues-deutschland.de

NRW: Cyber-Kriminalität steigt dramatisch an
Innenminister Reul: Unternehmen sehen die Bedrohung nicht ernst genug

In Nordrhein-Westfalen haben die Fälle von Cyberkriminalität in den ersten zehn Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent zugenommen. Das Problem sei viel größer als angenommen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dem Nachrichtenportal nw.dedes Medienhauses Neue Westfälische in Bielefeld. Eine Bekämpfung sei „wahnsinnig schwer“, aber unglaublich wichtig, da die Angriffe sehr vielseitig und kompliziert seien. „Die meisten Fälle kennen wir gar nicht“, so der Innenminister.

Reul zeigte sich tief besorgt, dass diese neue Bedrohung vor allem von Unternehmen im Klein- und Mittelstand sowie von der öffentlichen Hand nicht ernst genug genommen werde. Bei den Sicherheitsprogrammen sei „noch viel Luft nach oben“, so der Minister. Diese Form der Kriminalität sei viel komplizierter und gefährlicher und werde oft unterschätzt. Jeden Tag könne es zu neuen Fällen kommen, so Reul. Zuletzt hatte es unter anderem auch Hacker-Angriffe auf Bereiche der Medienbranche gegeben.

Quelle: Neue Westfälische (Bielefeld) – www.nw.de

Ulrike Krumbiegel hätte Hauptrolle im „Tatort“ beinahe abgelehnt

Schauspielerin hielt sich nicht für die richtige Besetzung – Unbedarftheit schützte sie offenbar vor der Stasi – Bekenntnis zur Perücke.

Osnabrück. Schauspielerin Ulrike Krumbiegel (59), die am kommenden Sonntag in einer Episoden-Hauptrolle im Kölner Tatort „Der Tod der Anderen“ zu sehen ist, hätte das Angebot um ein Haar nicht angenommen: „Als ich von dem Film erfuhr, habe ich erst mal gesagt: Ich bin nicht die richtige Besetzung“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Außerdem lagen die Dreharbeiten zwischen zwei Segelturns, die ich 2019 von den Azoren und von Mexiko aus gemacht habe“, berichtete sie von weiteren Bedenken. „Zum Glück“ habe sie sich überzeugen lassen. Der „Tatort“ wurde im November und Dezember 2019 gedreht, also mehrere Monate vor dem ersten Lockdown.

Krumbiegel spielt darin eine ehemalige Venusfalle der Stasi, die unter Mordverdacht gerät und den Kölner Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) entführt. Ihre eigenen Stasi-Erfahrungen seien überschaubar gewesen, sagte die in der DDR aufgewachsene Schauspielerin: „Ich habe zu DDR-Zeiten nur wenige Erfahrungen mit der Stasi gemacht, zumindest habe ich es nicht gemerkt. Einmal hat man wohl versucht, mit mir ins Gespräch zu kommen, als wir vom Schweriner Theater aus unsere erste Gastspielreise nach Frankreich machten. Ich war damals 22, hielt mein Kind auf dem Arm und habe gesagt: Wenn Sie sich jetzt vorstellen, dass ich nicht mit meinen Freunden und Kollegen darüber rede – das kann ich nicht. Ich denke mal, das hat mich gerettet und mir die Leute vom Leibe gehalten. Dass ich selbst bespitzelt wurde, habe ich erst erfahren, als ich in den Neunzigern in meine Akte geguckt habe.“

Die Tatsache, dass die Rolle der ehemaligen Stasi-Agentin für sie eher untypisch sei, habe sie nicht gestört, sagte Krumbiegel weiter: „Ich möchte bei jeder Rolle zunächst einmal die Figur sehen und mich dann dahin bewegen – und nicht versuchen, die Figur zu mir rüberzuziehen. Sonst ist man immer so ähnlich wie man selbst, ich aber bin mehr daran interessiert, wie ein Chamäleon zu sein.“ Deshalb habe sie auch die Idee gehabt, ihre Figur mit einer blonden Perücke auszustatten, die ohnehin einige Vorteile habe: „So eine Kunsthaarperücke ist sehr praktisch, die muss man nicht mal frisieren und ständig korrigieren.“

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung – www.noz.de

NRW-Innenminister Reul: „Was wir den Menschen zumuten, ist teilweise der Hammer“

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Einschränkungen in der Corona-Krise verteidigt, zugleich aber Verständnis für die Bürger geäußert. „Was wir den Menschen an Einschnitten derzeit zumuten, ist teilweise schon der Hammer“, sagte er der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen (Mittwochsausgabe). Zugleich verteidigte er die Maßnahmen. Wenn jeder machen dürfe, was er wolle, herrsche Chaos. Dies zu verhindern, sei die Aufgabe des Staates. Doch müsse der Staat sorgfältig abwägen, wie tief er in das Freiheitsrecht eingreife.

Die aktuelle Krise habe das Verantwortungsbewusstsein der Menschen aber gestärkt, lobte Reul. „Ich finde das richtig toll, wenn ich höre, dass junge Menschen bei einsamen Senioren im Garten stehen und für sie Trompete spielen oder wenn sie für sie einkaufen gehen.“

Der Innenminister äußerte sich auch zu wachsender Cyberkriminalität. „Sie ist viel größer, komplizierter und gefährlicher als lange gedacht und wird häufig unterschätzt.“ Vor allem Klein- und Mittelbetriebe sowie die öffentliche Hand würden entsprechende Sicherheitsmaßnahmen noch nicht ernst genug nehmen.

Quelle: Neue Westfälische (Bielefeld) – www.nw.de

Ethikrat-Vorsitzende Buyx fordert „mehr Augenmaß“ im Impfstreit

Im Streit um die Corona-Impfungen wirbt die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Professorin Alena Buyx, für mehr Zurückhaltung. Die Ärztin und Medizinethikerin sagte der „Saarbrücker Zeitung“ (Mittwoch): „Es entsteht ein Eindruck, als sei etwas gescheitert, was noch nicht mal richtig angefangen hat.“

Buyx betonte weiter, der Impfstart in Deutschland sei nicht vermasselt worden. „Es läuft zwar nicht so schnell, wie ich mir das wünschen würde. Aber es war absehbar, dass der Impfstoff am Anfang knapp ist.“ Auch sei sie nicht überrascht, dass es organisatorisch noch Herausforderungen gebe.

Die Professorin rief zu „mehr Augenmaß“ auf. Mit dem Wissen von heute würden nun mitunter Entscheidungen von gestern bewertet, „und das ist immer schwierig“, sagte Buyx mit Blick auf die Auseinandersetzung in der großen Koalition. „Zugleich ist mir der Ton etwas zu negativ.“ Kritische Fragen seien in Ordnung, aber wichtig sei auch zu vermitteln, „dass wir endlich einen Weg aus der Pandemie vor uns haben“.

Quelle: Saarbrücker Zeitung – www.saarbruecker-zeitung.de

Kinder- und Jugendarztpräsident kritisiert Verlängerung der Schul- und Kita-Schließungen

Fischbach: „Aus Sicht der Pädiater eindeutig der falsche Weg“ – Kitas und Grundschulen „so schnell wie möglich wieder aufmachen“

Osnabrück. Kinderarztpräsident Thomas Fischbach hat die Verlängerung der Schulschließungen kritisiert. Wo das Infektionsgeschehen besonders dramatisch sei, müssten „natürlich“ Ausnahmen gemacht werden, dann müsse auch mal im Grundschulunterricht eine Maske getragen werden. „Aber flächendeckend dicht? Das ist und bleibt aus Sicht der Pädiater eindeutig der falsche Weg“, kritisierte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) den Beschluss des Corona-Gipfels von Bund und Ländern, alle Kitas und Schulen bis mindestens Ende Januar geschlossen zu lassen.

„Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist der Präsenzunterricht. Für Kinder bis zehn Jahre, die erwiesenermaßen bei der Pandemie keine entscheidende Rolle spielen, müssen Kitas und Schulen unter Wahrung angemessener Hygieneregeln zumindest dort so schnell wie möglich wieder aufmachen, wo die Inzidenzwerte nicht im tiefroten Bereich sind“, forderte Fischbach. „Es gibt weiterhin keine belastbaren wissenschaftlichen Grundlagen, mit denen fortdauernde bundesweite Schul- und Kita-Schließungen begründet werden könnten.“ Die Vorstellung, Eltern könnten im Homeoffice arbeiten und nebenher Ersatzlehrer spielen und den Unterricht für die Kinder ersetzen, „das ist absurdes Denken“.

Anders als bei Kita- und Grundschulkinder sei die Lage bei Jugendlichen, die fast so infektiös seien wie Erwachsene. „Da muss man vorsichtig sein, hier braucht es Hybridmodelle, Online-Unterricht und so weiter“, sagte der BVKJ-Präsident. Der Politik warf er vor, die Schulen nicht ausreichend auf die zweite Corona-Welle vorbereitet zu haben. „Die für Schulen verantwortlichen Politiker, Behörden und Ministerien haben den Sommer völlig verschlafen, um einen coronasicheren Unterricht im Winter für Schüler und Lehrer vorzubereiten“, sagte er.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung – www.noz.de

Kommentar von Sascha von Gerishem: Seit Auftreten der Virusmutation in England und Japan häufen sich die Berichte, dass sich nun auch Kinder leicht anstecken können. Etwas Zurückhaltung und mehr Beobachtungen sind demnach derzeit erforderlich.