Epochales Propagandamaterial in den Briefkästen

In Lüttringhausen werden Ausgaben einer Propaganda-Zeitung verteilt: Die Epoch Times. Diese Schmähschrift, die besonders durch ausländerfeindliche Ressentiments auffällt und nun ihren Hang zum Antiwissenschaftlichen auslebt, indem Querdenkenden und deren haltlosen Falschaussagen, etwa zum Thema Impfung, Platz eingeräumt wird.

Wer mit beiden Beinen in unserer demokratischen Grundordnung und einem empirischen Weltbild lebt, sollte dieses gedruckte Pamphlet schnellstmöglich und ungelesen dem Papiermüll zuführen. Auch die dazugehörige Webseite sollte nicht aufgesucht werden.

Verfassungsfeindliche und wissenschaftsfeindliche Pamphlete gehören in den Papiermüll.
Verfassungsfeindliche und wissenschaftsfeindliche Pamphlete gehören in den Papiermüll.

Medien wie diese sind gefährlich, da sie auf den ersten Blick seriös ausschauen. Wem es an Medienkompetenz mangelt, könnte den Eindruck bekommen, dass die dort wiedergegebenen Inhalte stimmen. Jedoch handelt es sich um verfassungsfeindliche Propaganda und Fakenews oder um tendenziöse oder xenophobe Berichterstattung. Verfassungsfeindliche Vereinigungen, wie etwa die AfD oder Die Basis, bedienen sich gerne solcher Pamphlete, um gezielt Desinformation zu verbreiten um ihre Wählenden bei antiwissenschaftlicher Laune zu halten.

Bergische IHK: Aufschwung gewinnt an Breite und erfasst auch den Dienstleistungssektor

Die konjunkturelle Lage der bergischen Wirtschaft hat sich im Herbst 2021 weiter verbessert. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage, die IHK-Präsident Henner Pasch und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge heute (6. Oktober) vorstellten.

An der Umfrage hatten sich 513 Unternehmen mit 24.900 Beschäftigten beteiligt. Mittlerweile beurteilen 36 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, 48 Prozent als befriedigend und nur noch 16 Prozent als schlecht. Der Geschäftslageindex, der die Differenz der positiven und negativen Lageeinschätzungen wiedergibt, verbessert sich deshalb um 12 auf plus 20 Punkte. „Die Stimmung ist damit besser als unmittelbar vor der Corona-Krise. Besonders erfreulich ist, dass nach dem Lockern der Corona-Schutzmaßnahmen der Aufschwung auch weite Teile des Dienstleistungssektors erreicht hat“, so Pasch und Wenge wörtlich.

Noch besser sei die Lage derzeit bei vielen Industriebetrieben, insbesondere den Herstellern von Metallerzeugnissen. Zunehmend problematisch seien aber die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und andere Vorprodukte sowie die häufig auftretenden Lieferengpässe. Unternehmensnahe Dienstleister wie die Speditionen profitieren vom industriellen Aufschwung. Dagegen dämpfen die genannten Lieferschwierigkeiten den Aufschwung im Großhandel. Die Anbieter von kontaktintensiven Dienstleistungen können dank der Öffnungsschritte etwas aufatmen. Sie sind aber noch relativ weit von ihrem Vorkrisenniveau entfernt. „Aber nur noch fünf Prozent der Dienstleistungs­unternehmen fürchten ihre Insolvenz – im Frühjahr waren es noch doppelt so viele“, so die IHK-Vertreter.

Wirtschaftliche Lage in Remscheid am besten

Im Vergleich der drei bergischen Großstädte ist die wirtschaftliche Lage in Remscheid derzeit am besten. Das liege nicht zuletzt daran, dass in Remscheid 42 Prozent der Wertschöpfung auf das Produzierende Gewerbe entfallen – wesentlich mehr als in den beiden Nachbarstädten.

Die Unternehmen blicken überwiegend optimistisch in die Zukunft. Zugleich machen sich viele Betriebe Sorgen, dass die Preise für Vorleistungen weiter steigen und die Versorgungsengpässe zunehmen könnten. „In der Industrie sehen vier von fünf Unternehmen die stark steigenden Rohstoffpreise als ein gravierendes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung an. Auch befürchten viele, dass in der neuen Legislaturperiode die Steuern erhöht werden“, machten Pasch und Wenge deutlich. Trotz der Risiken wollen drei von zehn Unternehmen mehr investieren. Auch der Arbeitsmarkt kommt in Bewegung. Über 20 Prozent der Unternehmen möchten Mitarbeiter einstellen, was aber aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels immer schwieriger wird. Besonders davon betroffen sind die Gastronomie, das Verkehrsgewerbe und die Industrie. Mehr als jedes fünfte Unternehmen möchte deshalb die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen.

LTG: Fahrt zum Bochumer Weihnachtsmarkt

Die Lenneper Turngemeinde veranstaltet eine Fahrt zum Weihnachtsmarkt in Bochum. Mitfahren dürfen auch Nichtmitglieder.

Für die LTG gehört ein Weihnachtsmarkt einfach zur Weihnachtszeit dazu. Sie freuen sich nicht nur auf Handwerksstände, Glühwein und gebrannte Mandeln, sondern auch auf liebevoll geschmückte Stände und einen Mittelalterlichen Markt. Doch auch Falko Traber, der fliegende Bochumer Weihnachtsmann, ist längst eine eigene Attraktion.

Termin und Anmeldung

Der Ausflug findet am Samstag, 27. November 2021 statt. Abfahrt ist um 13 Uhr am Lenneper Bahnhof, von dort geht es mit dem Bus nach Bochum. Die Rückfahrt ist für 21 Uhr angesetzt, so dass die Tagesreisenden gegen 22 Uhr in Lennep zurückerwartet werden.

Die Kosten für die Fahrt liegen bei 15 Euro pro Person, eine vorherige Anmeldung in der Geschäftsstelle der LTG in der Moll’schen Fabrik, Neugasse 4 in 42897 Remscheid-Lennep, ist unbedingt erforderlich. Die Kosten sind vorab zu begleichen, entweder per Überweisung oder in bar gleich bei der Anmeldung.

Im Bus gilt die 3G-Regel, ein entsprechender Nachweis ist vor Fahrtantritt zu erbringen. Treten vor Beginn der Busfahrt augenscheinliche Symptome einer Atemwegserkrankung auf, wird die entsprechende Person zum Schutz der anderen Reisenden von der Beförderung ausgeschlossen.

Welthungerhilfe: Die Lage der Menschen in Afghanistan spitzt sich dramatisch zu

Hunger und Armut sind in Afghanistan auf dem Vormarsch.

Die humanitäre Lage in Afghanistan ist nach 20 Jahren Militäreinsatz des Westens katastrophal. Die Welthungerhilfe warnt vor einer dramatischen Zuspitzung der humanitären Krise im kommenden Winter und einer weiteren Zunahme von Hunger und Armut. Mehr als die Hälfte der Menschen ist bereits heute auf Überlebenshilfe angewiesen, also auf Nahrung, Trinkwasser, medizinische Versorgung und Unterkünfte. 14 Mio. Menschen haben nicht ausreichend zu essen, d.h. jeder Dritte Einwohner des Landes hungert. Verschärft wird die Lage durch einen Anstieg der Vertriebenen und Rückkehrer: Seit Beginn 2021 sind rund 630.000 Menschen wegen der Kämpfe im Land aus ihren Dörfern geflohen. Hinzu kommen knapp 1 Million Rückkehrer aus den Nachbarländern wie Iran, von denen ebenfalls viele ohne Hilfe und Perspektive in Kabul landen. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Armutsrate im nächsten Jahr auf 97 Prozent steigt, wenn sich die Versorgungslage nicht verbessert.

„Das Land steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Besonders in den ländlichen Regionen ist die Not groß.“

Thomas tenBoer, Landesdirektor der Welthungerhilfe

„Das Land steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Besonders in den ländlichen Regionen ist die Not groß. Unsere Erkundungsmissionen in Dörfern im Norden und Osten des Landes haben große Zerstörungen und ein riesiges Ausmaß an Armut, Hunger und Verzweiflung gezeigt. Die Menschen befinden sich in einem Teufelskreis. Das Bankensystem funktioniert nicht, es fehlt Bargeld, die Preise für Nahrungsmittel sind gestiegen und vor allem alleinstehende Frauen wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Sie haben keinerlei Einkommen mehr und können ihr Haus nicht ohne männliche Begleitung verlassen. Im Winter wird sich die ausweglose Lage noch einmal dramatisch verschärfen. Viele Häuser sind durch die Kämpfe zerstört worden und bieten kaum Schutz vor den Temperaturen weit unter Null,“ beschreibt Thomas tenBoer, Landesdirektor der Welthungerhilfe, die dramatische humanitäre Lage im Land.

Schon vor der Rückkehr der Taliban war das afghanische Leben karg. Foto: Amber Clay
Schon vor der Rückkehr der Taliban war das afghanische Leben karg. Foto: Amber Clay

Die Welthungerhilfe wird in den kommenden Wochen knapp 60.000 Menschen zusätzlich in verschiedenen Provinzen, vor allem im Norden Afghanistans, mit Überlebenshilfe unterstützen. Die Familien erhalten warme Kleidung und Decken für den Winter. Außerdem werden Nahrungsmittel wie Mehl, Reis, Öl und Linsen sowie Pakete mit Hygieneartikeln wie Seifen verteilt. Die Welthungerhilfe plant, die Nothilfe im Winter weiter auszuweiten. Seit fast 30 Jahren leistet die Welthungerhilfe humanitäre und langfristige Entwicklungshilfe in Afghanistan und hat bislang auch mit Unterstützung der Bundesregierung 160 Projekte im Wert von 130 Millionen Euro durchgeführt.

„… die Preise für Nahrungsmittel sind gestiegen und vor allem alleinstehende Frauen wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Sie haben keinerlei Einkommen mehr und können ihr Haus nicht ohne männliche Begleitung verlassen. Im Winter wird sich die ausweglose Lage noch einmal dramatisch verschärfen.“

Thomas tenBoer, Landesdirektor der Welthungerhilfe

Hintergrund

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie kämpft für „Zero Hunger bis 2030“. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 10.369 Auslandsprojekte in 70 Ländern mit 4,2 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.

Schulweg: Mit knapp 2 Promille im Auto unterwegs

Am Dienstagmorgen, gegen 10:00 Uhr, beobachteten Anwohner der Bergstraße, wie der Fahrer eines Pkw beim Einparken in eine Parklücke eine Mülltonne touchierte. Beim Aussteigen schwankte der Fahrer stark, sie verständigten daraufhin die Polizei.

Die Beamten konnten den 56-jährigen Halter in seiner Wohnung antreffen. Der Mann gab an, seinen Sohn gerade zur Schule gefahren zu haben. Da der 56-Jährige einen deutlich alkoholisierten Eindruck machte, wurde ein Alkoholtest durchgeführt, der positiv ausfiel. Er wurde zur Polizeiwache gebracht, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Der Führerschein des Mannes wurde sichergestellt.

Fünf Gründe, warum der Laubbläser endgültig in die Schuppenecke gehört

Deutsche Wildtier Stiftung fordert: Weg mit Laubbläsern – zurück zu Harke und Besen.

Der Herbst ist da: Leise fallen die Blätter und bedecken Straßen und Bürgersteige, Rasen und Beete in Parks und Gärten. Das ruft diejenigen auf den Plan, die der Meinung sind, öffentliche Anlagen und private Vorgärten müssten penibel von der Blätterlast befreit werden. Müssen sie wirklich? „Nur, wenn es darum geht, dass auf öffentlichen Wegen kein Mensch gefährdet wird“, sagt Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtier Stiftung. Nasse Blätterschichten sind eine rutschige Angelegenheit; Städte und Kommunen haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihre Bürger sicher auf öffentlichen Wegen unterwegs sind.

Das ging bis Ende der 90er-Jahre mit dem guten alten Besen, dem Rechen oder einer Harke. Seitdem scheint der Laubbläser des Deutschen liebstes Kind, wenn es um die Beseitigung des Herbstlaubes geht. Beliebt ist auch der Laubsauger, der die Blätter gleich im Inneren zerhäckselt. „Beide Varianten sind aus Sicht des Umwelt- und Artenschutzes unvertretbar“, sagt Jenifer Calvi. Denn Laubbläser pusten mit einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern – und nebenbei: Das ist schon Orkanstärke – nicht nur Äste und Blätter von Rasen und Wegen. Mit dem Laub werden Spinnen, Insekten und sogar Kleinsäuger wie Jung-Igel oder Mäuse 70 Meter pro Sekunde durch die Luft geschossen. Auch die Lautstärke von über 100 Dezibel – das entspricht dem Lärm eines Presslufthammers – ist nicht nur für menschliche Ohren eine Zumutung, sondern für Wildtiere eine Belastung. Und in Laubsaugern werden mit den pflanzlichen Teilen die eingesogenen Tiere gleich mit zerstückelt: „Auf diese Weise werden viele, darunter auch seltene Insektenarten, Jahr für Jahr zerschreddert.“

Zudem fehlt mit den früher üblichen Laubteppichen auf Wiesen und Laubhaufen in den Gärten wertvoller Lebensraum für Wildtiere, die jetzt auf der Suche nach ihrem Winterschlafplatz oder lebenswichtiger Nahrung sind. Damit Igel, Spitzmaus, Erdkröte, Schmetterling, Marienkäfer, Ringelnatter oder Molch im Winter ein Zuhause beziehen können und Nahrung finden, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung daher, auf diese Geräte zu verzichten. Calvi: „Laub gehört zum Nährstoffkreislauf und fördert die Biodiversität.“

Fünf Gründe, den Laubbläser im Schuppen zu lassen – oder bestenfalls gar nicht erst anzuschaffen

  1. Wer Harke und Besen nutzt, um das Laub zusammenzukehren, tötet keine Spinnen und Insekten oder zerstört die Rückzugsorte von Mäusen, Igeln und Insekten.
  2. Laub auf Beeten und unter Hecken und Sträuchern schützt den Boden vor dem Austrocknen.
  3. Aus Laub im Komposthaufen machen Regenwürmer, Milben und Bakterien Komposterde, die im nächsten Jahr wertvolle Nährstoffe für Blühpflanzen und den eigenen Gemüseanbau liefert.
  4. Es kommt zu weniger CO2-Ausstoß und weniger Feinstaubbelastung.
  5. Wer den Laubbläser auslässt, kann frische Herbstluft atmen und die bunten Herbstblätter leise und sachte zu Boden fallen hören.

DUH: Kurswechsel bei der EU-Klimapolitik gefordert

Anlässlich des heutigen Treffens der EU-Umweltminister zum „Fit for 55“-Klimapaket veröffentlicht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ihre Positionen für eine ambitionierte europäische Klimaschutzpolitik. Aus Sicht der DUH müssen die Instrumente des im Juli von der EU-Kommission vorgestellten Pakets deutlich nachgeschärft werden. Die Stärkung des EU-Klimapakets muss eine zentrale Stellung im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung einnehmen. In einem neuen Positionspapier setzt sich die DUH mit dem umfassenden Paket der EU-Kommission detailliert auseinander.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Der klimapolitische Erfolg der neuen Bundesregierung wird entscheidend daran gemessen werden, wie sich Deutschland in die europäische Klimapolitik einbringt. Insbesondere während der französischen Ratspräsidentschaft Anfang 2022 kann die neue Bundesregierung viel beim Klimaschutz auf EU-Ebene bewegen. Um das 1,5-Grad-Limit aus Paris einzuhalten, ist laut Wissenschaft eine Treibhausgasreduktion von 65 Prozent bis 2030 notwendig. Das europäische Reduktionsziel von mindestens 55 Prozent muss also übererfüllt werden. Der vorgelegte Entwurf für das Klimapaket enthält zwar einige vielversprechende Ansätze, reicht aber nicht aus, damit die EU als drittgrößter Treibhausgasemittent der Welt einen fairen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leistet.“

„Der klimapolitische Erfolg der neuen Bundesregierung wird entscheidend daran gemessen werden, wie sich Deutschland in die europäische Klimapolitik einbringt.“

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH

Auf EU-Ebene werden in den kommenden Monaten weitreichende Entscheidungen über die Klimapolitik in ganz Europa getroffen. Real besteht aber die Gefahr, dass die vorliegenden Gesetzesvorschläge von weniger ambitionierten EU-Mitgliedstaaten und durch Lobbying der Industrie sogar noch abgeschwächt werden. Ein Schwerpunkt liegt bei der Verkehrspolitik. Die DUH kritisiert, dass der Verwendung von Wasserstoff und Biokraftstoffen Tür und Tor geöffnet werden, während der Schienenverkehr komplett vernachlässigt wird.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die EU-Kommission fasst die Autoindustrie weiterhin mit Samthandschuhen an. CO2-Grenzwerte für Autos sollen sich vor 2030 überhaupt nicht ändern. Auch das Aus für neue Verbrenner kommt 2035 viel zu spät. Wir brauchen ab sofort eine klare CO2-Obergrenze für alle neuen Autos von 120 g/km auf der Straße und einen EU-weiten Abschied vom Verbrennungsmotor bis spätestens 2030. Wenn Europa weiterhin vor allem auf den Straßenverkehr setzt, ist die Klimakrise nicht zu bewältigen. Dass konkrete Maßnahmen für die Förderung des Schienenverkehrs im Klimapaket der EU fehlen, ist im Europäischen Jahr der Schiene besonders eklatant.“

„Die EU-Kommission fasst die Autoindustrie weiterhin mit Samthandschuhen an. […] Wenn Europa weiterhin vor allem auf den Straßenverkehr setzt, ist die Klimakrise nicht zu bewältigen.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer DUH

Die DUH fordert zudem, das Emissionshandelssystem zu stärken, um einen europaweiten Kohleausstieg bis 2030 sicherzustellen. Schlupflöcher bei der Anrechnung von Treibhausgasreduktionen durch Landnutzung und CO2-Senken müssen geschlossen werden. Ein neues Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr ist aus Sicht der DUH dagegen ein klimapolitischer Irrweg, von dem die neue Bundesregierung Abstand nehmen sollte. Ein solches Instrument würde beim Klimaschutz viel zu langsam wirken. Zudem wären die sozialen Auswirkungen insbesondere für ärmere Mitgliedstaaten nur schwer zu verkraften.

Im Bereich der Wärmewende kritisiert die DUH Anreize für die Verwendung von Biomasse wie Holz und fossiler Kraft-Wärme-Kopplung. Die Nutzung fossiler Brennstoffe darf keinesfalls mehr gefördert werden. Biomasse ist wegen der starken Umweltauswirkungen und der im Vergleich zu anderen Energien hohen CO2-Emissionen nur noch für spezielle Anwendungsfälle wie die Abdeckung von Spitzenlast zu empfehlen.

Hintergrund

Während in Deutschland noch über die Regierungsbildung verhandelt wird, werden auf europäischer Ebene bereits weitreichende Entscheidungen über die Klimapolitik in ganz Europa getroffen. Auf dem heutigen Ratstreffen werden mit dem Emissionshandel, der Klimaschutzverordnung, der Verordnung über Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft, den CO2-Flottengrenzwerten und dem Klima-Sozialfonds zentrale Teile des EU-Klimapakets erstmal nach der Sommerpause besprochen. Am 14. Dezember 2021 werden weitere Gesetzesvorschläge der Kommission erwartet, die unter anderem Revisionen der EU-Gebäuderichtlinie, der Ökodesignrichtlinie und der Gasmarktregulierung umfassen sollen.

  • Neues DUH-Positionspapier skizziert Maßstäbe für ambitionierte EU-Klimapolitik für Verkehr, Emissionshandel und Wärmewende
  • Das Positionspapier finden Sie hier: http://l.duh.de/p211006
  • Europäisches Klimapaket „Fit for 55“ muss auf 1,5-Grad-Limit ausgerichtet werden
  • Neue Bundesregierung muss im Koalitionsvertrag ambitionierte EU-Klimapolitik vereinbaren

Solingen erhält Recycling-Sonderauszeichnung

Seit fünf Jahren erbringt die Klingenstadt Bestleistungen im Papieratlas-Städtewettbewerb

Die Stadt Solingen hat am Dienstag im Bundesumweltministerium in Berlin die Sonderauszeichnung „Mehrfachsieger“ für herausragendes Engagement bei der Verwendung von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel erhalten. Seit fünf Jahren erbringt Solingen Bestleistungen im Papieratlas-Städtewettbewerb der Initiative Pro Recyclingpapier (IPR).

Der Papieratlas bildet seit 2008 den Papierverbrauch und den Anteil von Papier mit dem Blauen Engel in deutschen Städten ab. Partner des Wettbewerbs sind das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt, der Deutsche Städtetag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Mit einer durchschnittlichen Recyclingpapierquote von 92 Prozent stellen die 103 teilnehmenden Groß- und Mittelstädte in diesem Jahr einen neuen Rekord auf.

Die Stadt Solingen leistet mit der Verwendung von Recyclingpapier einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz: Im Vergleich zu Frischfaserpapier spart die Herstellung mindestens 60 Prozent Wasser und Energie und verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen. So konnte Solingen in den vergangenen fünf Jahren eine Einsparung von mehr als 22,3 Millionen Liter Wasser und über 4,6 Millionen Kilowattstunden Energie bewirken.

Bürgermeister Thilo Schnor nahm die Auszeichnung am Dienstag in Berlin entgegen.

Buchpräsentation „Gustav Flohr – Noch ein Partisan!“ am 27. Oktober

Am Mittwoch, 27. Oktober, gibt der Politologe Jörg Becker in der Remscheider Stadtbibliothek einen Einblick in die von ihm herausgegebene und kommentierte Veröffentlichung „Gustav Flohr – Noch ein Partisan!“ und steht im Anschluss für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

Der Arbeitersohn, Kommunist und spätere Remscheider Oberbürgermeister Gustav Flohr (1895-1965) war zutiefst geprägt vom Kampf gegen den Faschismus und vom Systemkonflikt des 20. Jahrhunderts. In seinem wechselvollen Leben spiegelt sich die Zerrissenheit der deutschen Arbeiterbewegung vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wie auch manche persönliche Tragik wider.

Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Anmeldung erforderlich

Für die Teilnahme an der Veranstaltung gelten die aktuellen Corona-Bestimmungen. Der Einlass ist nur nach Voranmeldung bis zum 26. Oktober möglich.

Kontakt

Telefon: 0202 49583-0, E-Mail: anmeldung@bildungswerk-wuppertal.de

Veranstaltende

DGB Stadtverband Remscheid, Katholisches Bildungswerk Wuppertal/Solingen/Remscheid, Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen, Kommunales Bildungszentrum Remscheid, Abteilung Volkshochschule sowie Abteilung Öffentliche Bibliothek

Veranstaltungsflyer

Regelmäßige Impfungen bei McDonald’s und am Hauptbahnhof

Impfmobil verimpft Johnson & Johnson sowie Moderna.

Auch nach der Schließung des Impfzentrums gibt es in Solingen weiterhin regelmäßige Angebote für die Corona-Schutzimpfung. Das Impfmobil verimpft bis auf Weiteres jeweils mittwochs von 12 bis 18 Uhr bei McDonald’s in Wald (Frankfurter Damm) die Impfstoffe von Johnson & Johnson sowie Moderna. Jeder Erstgeimpfte erhält von der Stadt Solingen einen Gutschein, den er am Impftag direkt im Restaurant einlösen kann.

Außerdem finden jeweils donnerstags und freitags zwischen 12 und 18 Uhr mobile Impfungen auf dem Bahnhofsvorplatz des Solinger Hauptbahnofs statt. Verimpft werden auch hier die Vakzine von Johnson & Johnson und Moderna.

Darüber hinaus laufen zurzeit noch die Zweitimpfungen an einigen Solinger Schulen.

„ZDFzoom“: Wie Kindesmissbrauch vertuscht wurde

Ein Arzt am Universitätsklinikum des Saarlandes soll mehrere Kinder missbraucht haben. Über Jahre wurden die Eltern darüber nicht informiert – vom mutmaßlichen Missbrauch erfuhr eine Mutter durch Zufall. Auch Staatsanwaltschaft und Landesregierung hatten geschwiegen. Am Mittwoch, 6. Oktober 2021, 22.45 Uhr, berichtet „ZDFzoom“ über „Ein Kartell des Schweigens – Wie Kindesmissbrauch vertuscht wurde“. In der ZDFmediathek steht die Doku am Sendetag ab 20.00 Uhr zur Verfügung. 

Die „ZDFzoom“-Autoren Peter F. Müller und Klaus Martens haben über Monate an diesem Fall gearbeitet. Die erste Unterrichtung der Öffentlichkeit erfolgte erst, nachdem die Autoren die saarländische Landesregierung mit ihren Recherchen konfrontierten. Ohne ihre Hartnäckigkeit wären diese Missbrauchsfälle am saarländischen Universitätsklinikum womöglich nie in diesem Umfang veröffentlicht worden.

„Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz!“

Jürgen Langer, MdL SPD, Mitglied des Untersuchungsausschusses

Der heutige Direktor des Universitätsklinikums des Saarlandes, Prof. Wolfgang Reith, spricht von einem schweren Versäumnis: „Man hätte damals die Eltern der Kinder schon informieren müssen, was da vorgefallen ist.“ Der mutmaßliche Täter war ein Arzt der Jugend- und Kinderpsychiatrie am Universitätsklinikum. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn. Es gab Hinweise, dass er Kinder im Krankenhaus missbraucht haben soll. 2016 starb er eines natürlichen Todes, die Akten wurden von der Staatsanwaltschaft geschlossen.

Totale Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg. ©ZDF/Frederik Walter
Totale Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg. ©ZDF/Frederik Walter

Zu keinem Zeitpunkt sahen sich Staatsanwaltschaft oder die Klinik dazu veranlasst, die Eltern der Kinder darüber zu informieren. Auch die saarländische Landesregierung wusste von den Vorwürfen, lehnte aber eine Unterrichtung der Eltern ebenfalls ab. Erst 2019 wurde der Fall öffentlich. Wieso die Eltern nicht über den mutmaßlichen Missbrauch in Kenntnis gesetzt wurden, sollte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären. Bislang liegt der Abschlussbericht nicht vor.

Auch in einem anderen Klinikbereich des saarländischen Universitätsklinikums sollen Kinder missbraucht worden sein. Betroffen ist die HNO-Klinik. Entsprechende Fälle wurden in Gutachten der Gerichtsmedizin attestiert. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dennoch ein. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Der saarländische SPD-Landtagsabgeordnete und Mitglied des Untersuchungsausschusses, Jürgen Langer, kritisiert: „Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz, und es ist ein Riesenmakel für die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik.“ Dass kein Täter ermittelt werden konnte, sei „unfassbar und überhaupt nicht nachvollziehbar“, so Langer. Das Universitätsklinikum hat inzwischen reagiert und ein sogenanntes Schutzkonzept erarbeitet. Über eine Homepage des Krankenhauses können Missbrauchsfälle jetzt online angezeigt werden.

Bruder Sturm: Der Pater und die Flüchtlinge in Mexiko

Ausstellung in der Lenneper Altstadt und in St. Bonaventura. Geöffnet von Dienstag bis Samstag jeweils von 9 bis 18 Uhr. Insgesamt läuft die Ausstellung vom 6. Oktober bis 1. November 2021.

Es wird eine Ausstellung von Fotografien, die der Journalist Øle Schmidt in Mexiko gemacht hat, präsentiert. In der Kirche St. Bonaventura sind 13 Bilder zu sehen. Sieben weitere Fotografien säumen den Weg vom Alter Markt in der Lenneper Altstadt über die Berliner Straße Richtung St. Bonaventura. An folgenden Orten finden Sie die Bilder: Gaststätte König von Preußen (Alter Markt 2), Saint Angels Fashion (Berliner Str. 2), beim BMM Schuh- u. Schlüsselservice (Berliner Str. 6), KoKoBE (Berliner Str. 8), Lennep Laden (Berliner Str. 5), Stadtteilbibliothek (Berliner Str. 9) und am Röntgenmuseum (Schwelmer Str. 41).

Das Thema

Bild aus der Ausstellung "Bruder Sturm". Foto: Øle Schmidt
Bild aus der Ausstellung „Bruder Sturm“. Foto: Øle Schmidt

Der Franziskaner Fray Tomás hat die Migrantenherberge „Die 72“ gegründet, nach einem Massaker an 72 Migranten, das die Welt erschütterte. In Mexiko werden nicht nur Migranten auf ihrem Weg ins gelobte Land USA bedroht, sondern auch jene, die den Männern, Frauen und Kindern helfen, die vor Gewalt und Armut aus ihrer Heimat fliehen. In der Herberge können sie essen, duschen und endlich mal wieder durchschlafen.

Fray Tomás klagt an, die korrupten Schläger der Polizei und die Mörder der Kartelle. Ohne Rücksicht zu nehmen – am wenigsten auf sich selbst. Deshalb nennen sie ihn Bruder Sturm. Seine Geschichte hat der Journalist Øle Schmidt in einem Radiofeature für den SWR und mit Fotos dokumentiert. Bilder von Schmidt wurden u.a. von Misereor, Welthungerhilfe oder amnesty international veröffentlicht. Der Journalist lebt im südmexikanischen San Cristobal de Las Casas. Er berichtet aus Lateinamerika für WDR, SWR, die Wochenzeitung „Freitag“ und andere Medien.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals „Dem Leben auf der Spur“ im Jakobsjahr 2021.

Facebook, Instagram und WhatsApp ausgefallen (Update)

Eine große und weltweite Störung beim Unternehmen Facebook, zu dem die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram und die Messenger WhatsApp und Facebook gehören, hat alle genannten Dienste lahmgelegt. Seit Montagnachmittag, 4. Oktober 2021, sind alle Services offline. Ironischerweise blieb dem Facebooksprecher nur die Möglichkeit sich via Twitter, einem sozialen Netzwerk der Konkurrenz, für den Ausfall zu entschuldigen. Die Fehlersuche dauert weiter an, unzählige Nutzende bleiben offline.

Update

Nach etwas mehr als sieben Stunden war der Fehler behoben. Eine falsche Einstellung in einem Router soll die Ursache gewesen sein, die die gesamte technische Infrastruktur lahmgelegt hat, wie Facebook auf seiner Webseite schreibt (Update about the October 4th outage).

„Als wäre es ein Verbrechen, eine Roma zu sein“

Veranstaltung in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall zu der aktuellen Lage von Sinti und Roma.

Im Rahmen der bundesweiten kulturellen Woche 2021 fand am Nachmittag des 1. Oktober eine Veranstaltung statt, in der zum Thema „Phral mende – Wir über uns“ der gleichnamige Film gezeigt, gleichzeitig in Gesprächen und kleinen Fragerunden auf die heutige Situation der Sinti und Roma aufmerksam gemacht wurde. Vierzig Besucher in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall, die die Veranstaltung in Kooperation mit dem Caritasverband durchführte, unter ihnen Schülerinnen und Schüler, wurden von der Bürgerrechtlerin Fatima Hartmann in Romanes, der Sprache der Sinti und Roma, begrüßt. „Damit Sie alle einmal das Gefühl haben, wie es ist, in einer fremden Sprache angesprochen zu werden.“

Fatima Hartmann befragt die Besucher nach ihren Kenntnissen der Sinti und Roma. Foto: Peter Klohs
Fatima Hartmann befragt die Besucher nach ihren Kenntnissen der Sinti und Roma. Foto: Peter Klohs

In kurzweiligen Fragerunden erfuhren die Gäste Überraschendes: Dass heute noch etwa zwölf Millionen Sinti und Roma leben („Hauptsächlich in Osteuropa.“), dass der Antiziganismus seit mehr als 500 Jahren praktiziert wird, das fast alle Religionen bei den Sinti und Roma vertreten sind und dass selbst im Comic „Asterix und Obelix in Spanien“ die Geschichte der Sinti und Roma Thema ist. Die Benachteiligung, ja Diskriminierung  dieser Menschen ist auch heute in Deutschland noch spürbar, konstatierte Hartmann. So bei der Wohnungs- und Ausbildungsplatzsuche, in Gaststätten und Restaurants sowie in schulischen Bereichen. „Dabei ist das nach dem Grundgesetz, Artikel 3, Satz 3 verboten. Niemand soll wegen seiner Abstammung benachteiligt werden.“

„Damit Sie alle einmal das Gefühl haben, wie es ist, in einer fremden Sprache angesprochen zu werden.“

Bürgerrechtlerin Fatima Hartmann nach ihrer Begrüßung in Romanes

Der Film der Regisseurin Tayo Awosusi-Onutor, die selbst Sintizza ist, begann mit einer Frage: „Wir werden nicht gefragt, wenn es um uns geht. Warum nicht?“ Zu Wort kam die Bürgerrechtlerin Anita Awasusi, die tätig geworden ist, als sie feststellte, dass Rassismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. „Dagegen gibt es nur  eins“, sagte Awasusi, „ankämpfen!“ Und die Lehrerin Hajdi Barz berichtete, dass Diskriminierung der Sinti-und-Roma-Kinder in der Schule Alltag sei. „Ein Schutzraum Schule wäre schön, ein Ort, an dem die Kinder keine Angst haben müssen“, sagte sie. Bestürzt zeigte sie auf, dass in manchen Fällen gar das Elternrecht in Frage gestellt wurde.

Ein positives Beispiel zeigte der Film im Jazz-Gitarristen Ferenc Snetberger, der aus einer ungarischen Romafamilie stammt und der vielen Schülerinnen und Schülern das Gitarrenspiel vermittelt. Viele dieser Nachwuchsgitarristen stammten aus Sinti- und Roma-Familien. Trotzdem, zeigte sich auch Snetberger besorgt, sei die Frage erlaubt, ob die Zukunft besser wird. „Was wird aus unseren Kindern?“ fragte der Musiker. Die Schülerin Ceija Stoika fasste ihre Situation so zusammen: „Es ist teilweise so, als wäre es ein Verbrechen, eine Roma zu sein.“